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Drei völlig unterschiedliche Charaktere inszenierten (v. li.) Verena Peck, Susanne Pienkowski und Ulla Haehn. 

Premiere der Komischen Gesellschaft

Frauentrio mit tragischem Abgang

Eine umjubelte Premiere und eine ebenfalls ausverkaufte zweite Aufführung: Das Frauentrio Verena Peck, Susanne Pienkowski und Ulla Haehn der Komischen Gesellschaft legte das Stück „Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft“ als szenische Lesung an.

Bad Tölz – Die Aufführung in der Alten Madlschule nahm zwar verschiedene Anleihen bei einer literarischen Vorlage, basierte aber doch auf vielen originellen eigenen Ideen.

Drei Frauen mit völlig unterschiedlichen Biographien und Charakteren begegnen sich auf der Toilette eines internationalen Flughafens. Der Zufall will es, dass sie in dieser Situation – ein herrenloser Koffer löst eine Anti-Terror-Razzia aus – in ihrer Angst zusammengeschweißt und Freundinnen werden.

Verena Peck spielt dabei die Naive, die sich anfänglich besonders lasziv-ordinär inszeniert und mit ihren körperlichen Vorzüge spielt. Susanne Pienkowski ist die Intellektuelle, die zwar alles weiß, sich aber nicht mit ihrem eigenen Trauma einer Hassliebe zur Kirche und ihrer eigenen Mutter auseinandersetzen will und immer auf der Flucht ist. Ulla Haehn gibt das Cowgirl, das ein sprechendes Pferd besitzt und zunächst ganz im geistigen Mikrokosmos einer texanischen Westernstadt verhaftet bleibt. Alle drei verkörpern ihre Rollen mit großer Überzeugungskraft und Intensität.

Um ihr dramatisches Angsterlebnis im Flughafen zu verarbeiten, treten sie erfolgreich als „Terroristen“ auf und euphorisieren damit ihr Publikum, weil es ja immer „gut ausgeht“ und die Harmonie obsiegt. Das macht die Frauen für die Mächtigen im Lande interessant, die sie für die Steigerung der Volkszufriedenheit engagieren.

Doch ihre Auftritte für das Projekt „Schöne Welt“ laufen gründlich schief: Die Leute überwinden vor lauter Glücksgefühlen alle ihre Ängste, kündigen ihre Versicherungspolicen und verweigern den Konsum. Nun müssen die Frauen weg – und dafür fädeln die Mächtigen auf perfide Weise ihren tragischen Abgang ein.

Die Botschaft der Lesung lautet verkürzt: In einer kapitalistischen Weltordnung sind persönliches Glück, Gerechtigkeit und Frieden zweitrangig – über allem steht der Kommerz. Die Selbsttäuschung der drei Protagonistinnen besteht in einer romantischen Schwärmerei, die an die Regierungsphilosophie des Königreiches Bhutan im Himalaya erinnert: Der Lebensstandard wird nicht über das Ausmaß der Geldflüsse ermittelt, sondern über ein ganzheitlich definiertes „Bruttonationalglück“.

Das Stück weist eine witzige Parallele zum Kinoklassiker „Casablanca“ auf: Dort spielt die Szene auf dem Flughafen erst ganz am Ende des Films, und zwei Darsteller verabschieden sich mit dem anrührenden Ausspruch vom „Beginn einer wunderbaren Freundschaft“. Das, so versichert Peck auf Nachfrage, habe sie nicht gewusst. Kein Zitat also – sondern reiner Zufall. 

Rainer Bannier

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