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Ramadan

Freitagsgebet im Keller?

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Weil zu viele Menschen am Freitagsgebet teilnehmen wollen, hat der Tölzer Moschee-Verein ein Platzproblem. Zuletzt gab es eine große Runde mit Stadt- und Glaubensvertretern. Zur Einigung kam man nicht. Eine provisorische Lösung ist aber noch im Gespräch.

Bad Tölz – Es ist Ramadan – und ausgerechnet im Fastenmonat hat der Tölzer Mevlana-Moschee-Verein Probleme – Raumprobleme, um genau zu sein. Es gibt zu wenig Plätze in der Moschee an der Säggasse (wir berichteten), deren Räumlichkeiten der Verein seit zehn Jahren von der Stadt gemietet hat. Maximal 200 Menschen dürfen sich dort aufhalten, damit der Brandschutz gewährleistet ist und die Fluchtwege nicht versperrt werden. Am Freitagsgebet, das um die Mittagszeit stattfindet, wollen derzeit aber wesentlich mehr Menschen teilnehmen.

Unter den zugezogenen Flüchtlingen sind viele Muslime, auch sie möchten mit der Gemeinde beten. Ein Problem: Im Gegensatz zu einem ausverkauften Konzert dürfen Gläubige beim Freitagsgebet nicht abgewiesen werden. „Wir haben uns erst vor Kurzem mit anderen kirchlichen Institutionen zusammengesetzt“, berichtet der Vereinsvorsitzende Menduh Killik. Und mit der Stadt: In der großen Runde saßen neben Killik Stadträtin Andrea Grundhuber, die sich um Flüchtlingsbelange kümmert, Sozialplaner Armin Ebersberger, der katholische Stadtpfarrer Peter Demmelmair, der evangelische Dekan Martin Steinbach sowie Vertreter der Alt-Katholiken und der Freien Christengemeinde. „Es wurde aber keine Lösung gefunden“, berichtet Bürgermeister Josef Janker.

Killik habe die Stadt aufgefordert, einen größeren Raum zur Verfügung zu stellen. „Aber wir haben keinen“, sagt Janker. Darüber hinaus könne der Verein nicht von der Stadt erwarten, mit einem Saal versorgt zu werden. Janker verweist auf die „Trennung zwischen Kirche und Staat“, die man akzeptieren müsse. Wie jede andere Religionsgemeinschaft auch müsse sich der Moschee-Verein selbst kümmern und zum Beispiel ein Grundstück kaufen.

Das ist keine Option, sagt der Vorsitzende Killik. „Dafür fehlt uns das Geld.“ Laut Killik seien Räume im ehemaligen Franziskanerkloster und im Jugendcafé diskutiert worden. Die Verhandlungen seien vor allem an den fehlenden Waschmöglichkeiten gescheitert. „Das war der Knackpunkt.“ Die rituelle Waschung der Hände, Füße und des Gesichts ist fester Bestandteil des Freitagsgebets.

Erwogen wurde in der großen Runde auch die Live-Übertragung des Gebets in einen anderen Raum. „Manchmal war nur noch auf dem Flur Platz, wenn ich in der Mittagspause zur Moschee gehetzt bin“, berichtet Killik von der aktuellen Situation. Für ihn wäre die „einfachste Lösung“, die Kellerräume der Moschee an der Säggasse zu nutzen. „Wir könnten unten einen Lautsprecher aufstellen“, sagt er. Man müsse den Vorbeter den Glaubensrichtlinien nach nicht sehen, sondern nur hören. Das Landratsamt habe Killik versichert, diese Idee auf Brandschutzbestimmungen hin zu prüfen. Bisher habe er noch keine Antwort.

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