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Amtsgericht

Fremden Geldbeutel genommen, vor Gericht gelandet

Ein Tölzer soll 200 Euro aus fremder Geldbörse entwendet haben und wird zu 1800 Euro Geldstrafe verurteilt. 

Bad Tölz/WolfratshausenDer Angeklagte beteuerte seine Unschuld. „Bei allem, was mir heilig ist: Ich habe nichts genommen“, sagte der Mann (53), bevor der Richter sein Urteil sprach. Geholfen hat es ihm nicht. Am 30. Juni vorigen Jahres soll der Tölzer beim Bezahlen an einer Tankstelle im Stadtgebiet eine Geldbörse entwendet haben, die der Kunde vor ihm an der Kasse vergessen hatte. Nachdem er die Tankstelle verlassen hat, soll er 200 Euro Bargeld entnommen und das Portemonnaie in einen Briefkasten geworfen haben. Nun musste sich der 53-Jährige wegen Diebstahl vor dem Amtsgericht Wolfratshausen verantworten.

Dort erklärte der Beschuldigte, das Ganze sei ein Versehen gewesen. Er besitze zwei Geldbörsen, „eine große und eine kleine“. Deshalb sei ihm nicht sofort aufgefallen, dass er an der Kasse irrtümlich ein fremdes Portemonnaie mitgenommen habe. Als er den Irrtum bemerkte, habe er die Geldbörse, „weil ich es eilig hatte“, in den Postbriefkasten gesteckt. „Im Nachhinein war es dumm, dass ich sie nicht zur Tankstelle zurückgebracht habe.“

Überwachungskamera bringt Aufklärung

Nachdem sie den Film aus der Überwachungskamera über der Kasse angeschaut hatten, war die Staatsanwältin überzeugt, dass der Angeklagte in voller Absicht gehandelt hatte. Zu Lasten des Angeklagten wirkte sich aus, dass der Mann schon 15 frühere Verurteilungen mit in die Verhandlung brachte – die meisten wegen Vermögensdelikten. Zuletzt war er 2014 wegen Betrugs zu acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. In der Bewährungszeit hatte er sich nichts zuschulden kommen lassen.

Für die neue Tat beantragte die Staatsanwältin, den Angeklagten nun zu einer Haftstrafe von sechs Monaten zu verurteilen – ohne Bewährung. Rechtsanwalt Andreas Sander forderte, seinen Mandanten nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ („im Zweifel für den Angeklagten“) freizusprechen. Zum einen liege kein Vorsatz vor. „Er hat den Geldbeutel versehentlich an sich genommen“, so der Verteidiger. Zudem gebe es „keinen Nachweis, dass überhaupt Geld drin war.“

Er halte diese Geschichte für „völlig unglaubwürdig“, sagte Richter Helmut Berger zu dem Angeklagten. Weil die letzte Strafe schon einige Jahre zurücklag und es sich um einen geringen Betrag gehandelt habe, verurteilte Richter Berger den Frührentner nur zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 15 Euro (insgesamt 1800 Euro). Zudem ordnete er die Einziehung der gestohlenen 200 Euro ein.

Rudi Stallein

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