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Beeindruckende Länge: Der Zug am Freitag auf dem Weg zurück in die Marktstraße. Neben Schülern reckten auch viele Eltern und Großeltern Plakate in die Luft und forderten lautstark einen Wandel in der Klimapolitik. 

Fridays for Future

Größte Demo, die Bad Tölz je gesehen hat

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Mit diesem Erfolg haben nicht einmal die Organisatoren selbst gerechnet: Rund 900 Teilnehmer kamen zur Klima-Demo am Freitag in Bad Tölz.

Bad Tölz – Es war die mit Abstand größte Klima-Demonstration in Bad Tölz seit Beginn der Fridays-for-Future-Bewegung – und der vermutlich größte Protestmarsch, den die Kurstadt je gesehen hat: Um die 900 Teilnehmer zogen am Freitag durch die Straßen und forderten lautstark einen Wandel in der Klimapolitik. „Wir streiken, bis ihr handelt“, sagte Mit-Organisator Lukas von Andrian.

Prominente Unterstützung durch Sepp Kloiber

Weltweit gingen am Freitag die Menschen auf die Straßen. Allein in Deutschland fanden in etwa 500 Städten Kundgebungen statt. Viele Ortsgruppen hatten sich für den globalen Streiktag prominente Unterstützung geholt, so auch die Tölzer Klima-Aktivisten: Der bekannte Liedermacher Sepp „Bodo“ Kloiber aus Lenggries gestaltete die Kundgebung am Marienbrunnen musikalisch.

Dass die Kinder und Jugendlichen für die Proteste die Schule schwänzten, damit hat der Volksmusiker keine Schwierigkeiten. Das Thema Klimaschutz erachtet Kloiber als deutlich wichtiger als noch mehr Schulstunden, in denen sich die Jugendlichen Fakten in den Kopf pressen, die sie später ohnehin zum großen Teil nicht mehr bräuchten. „Wir machen das für alle, da ist nichts Egoistisches dabei“, rief Kloiber in die Menge und erntete tosenden Beifall.

Unter den Demonstranten tummelten sich längst nicht nur Kinder und Jugendliche. Neben den „Parents for Future“ reckten auch die „Großeltern for Future“ ihre Plakate in die Höhe. Wie berichtet, nahmen Tölzer Ärzte und Geschäftsleute ebenfalls an dem Protestmarsch teil. „Klimawandel geht alle an, von daher ist es total schön, dass Jung und Alt dabei sind“, sagte Lukas von Andrian. Vier Monate lang haben der 15-Jährige und seine Mitstreiter den globalen Streiktag vorbereitet. Gerechnet hatten sie mit 300 Teilnehmern. Dass unterm Strich dreimal so viele gekommen sind, bezeichnet von Andrian als „überwältigendes Gefühl“. Und es verleihe ihm einen „Ultra-Motivationsschub“. Soll heißen: Für den Tölzer Realschüler steht auch weiterhin an jedem zweiten Freitag ab der fünften Stunde Klimaschutz auf dem Stundenplan. „Wie kann es sein, dass wir überhaupt demonstrieren müssen“, wandte sich von Andrian in seiner Rede an Kritiker und Politiker. „Nur weil ihr es nicht schafft, etwas zu tun.“

Konkrete Handlungsvorschläge im Gepäck

Aktivist Nick Altenburger hatte konkrete Handlungsvorschläge im Gepäck, was getan werden könnte. Das klimaschädliche Kohlenstoffdioxid zu nutzen, zum Beispiel. „Das ist nämlich absolut möglich.“ Dazu müsse man an ein Kohlekraftwerk statt eines vertikalen einen horizontalen Kamin anbringen. Der könnte das CO2 in ein Gewächshaus voller Algen weiterleiten. Die verarbeiten das Treibhausgas laut Altenburger 20 mal schneller als andere Pflanzen. „Diese Algen kann man zum Beispiel essen oder Biogas daraus herstellen.“

Altenburger sprach auch von großindustriellen Anlagen, mit deren Hilfe man das CO2 direkt aus der Atmosphäre ziehen könnte. Es gehe aber auch viel leichter, mit einer „super Maschine“, die es schon lang gebe und die auch noch andere Vorteile wie saubere Luft mich sich bringe: Bäume. „Save the trees“, also „rettet die Bäume“, johlte Lukas von Andrian unter dem Applaus der Anwesenden. Sepp Kloiber bedankte sich bei den jungen Leuten für deren Engagement und beendete die Kundgebung mit den Worten: „Bleiben wir dran.“

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