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Diskutierten leidenschaftlich: (v. li.) Die Politiker Hans Urban, Anne Cyron, Nikolas Kraus, Martin Bachhuber, Bürgermeister Josef Janker, Moderatorin Veronika Ahn-Tauchnitz sowie die Aktivisten Katharina Brandhofer und Nick Altendorfer.

Im Jugendcafé

Fridays für Future: Aktivisten liefern sich hitzige Debatte mit Politikern

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Das Interesse war groß, als sich zwei Tölzer „Fridays for Future“-Aktivisten mit Landtagsabgeordneten zur Podiumsdiskussion trafen. Dabei wurde es auch laut.

Bad Tölz– „Ist die Welt noch zu retten?“, wollten Katharina Brandhofer und Nick Altenburger von der „Fridays for Future“-Bewegung von vier Landtagsabgeordneten und dem Tölzer Bürgermeister wissen. Antworten blieben die Politiker bei der Podiumsdiskussion im Jugendcafé schuldig.

Der große Raum an der Hindenburgstraße war dicht gefüllt mit Jugendlichen und Erwachsenen. Viele wollten hören, was die Politiker zu sagen hatten. „Ein Landtagspolitiker hat zirka 50.000-mal so viel Macht wie ich“, sagte Nick Altenburger. „Ich bin nicht mal wahlberechtigt.“

Auf dem Podium saßen neben Bürgermeister Josef Janker (CSU) die Landtagsabgeordneten Martin Bachhuber (CSU), Anne Cyron (AfD), Hans Urban (Grüne) und Nikolas Kraus (FW). Bachhuber, Cyron und Urban sind Stimmkreisabgeordnete des Landkreises, Kraus kommt eigentlich aus Ismaning und sprang an diesem Abend für Florian Streibl ein. Moderiert wurde die Gesprächsrunde von Veronika Ahn-Tauchnitz. Die Leiterin des Tölzer Kurier hatte es nicht leicht. Die konservativen Politiker brachten das Publikum gegen sich auf, Jugendliche riefen wütend dazwischen, wenn Anne Cyron oder Martin Bachhuber sprachen. Auch erwachsene Umweltschützer aus dem Landkreis diskutierten leidenschaftlich mit, beispielsweise Vertreter vom Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern.

AfD-Abgeordnete wirft „Fridays for future“-Demonstranten „blinden Aktionismus“ vor

Der Tenor von Janker, Bachhuber, Cyron und Krauss: Die Jugendlichen sollten erst einmal an sich selbst arbeiten. Wer Kleidung kaufe, fliege und das Internet benutze, dürfe keine Forderungen zum Eindämmen der Klimakrise stellen. Nick Altenburger schaffte es nicht, den Politikern klar zu machen, dass der Kauf von fairer Kleidung das Klima nicht retten werde. Es brauche globale Maßnahmen. Er präsentierte den Politikern Lösungsvorschläge: Die Einführung einer CO2-Steuer, das Abschalten der Kohlekraftwerke und ein Umstieg auf erneuerbare Energien könnten CO2 einsparen und damit die globale Erwärmung eindämmen.

Klimaschutz: „Wenn wir so weitermachen, brennt uns die Hütt’n wirklich ab“

Cyron warf den Jugendlichen „blinden Aktionismus“ vor. Für den Satz „Jeder Populismus ist mir zuwider“ kassierte sie Buh-Rufe vom Publikum. Bachhubers Aussagen zum Thema Klimaschutz drehten sich hauptsächlich um den möglichen Verlust von Arbeitsplätzen und den Steueranstieg durch eine CO2-Abgabe. „Umweltschutz hat auch was mit Geld zu tun, den muss man sich leisten können“, sagte der Politiker. Ein Zuhörer im Publikum führte hingegen ins Feld: Dem Kohle-Ausstieg mit dem Verlust von 6000 Arbeitsplätzen stehe das Potenzial von 100 000 Arbeitsplätzen in der Solarenergiegewinnung gegenüber.

Aktuell sorgen Klima-Aktivisten in Wolfsburg für Aufsehen: Sie brachten einen Zug vor dem Volkswagen-Werk zum stehen.

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Hans Urban war der Einzige, der konkreter wurde und auch lokal argumentierte. Der Wald schwinde, „das passiert hier und jetzt in Bayern“, sagte der Grünen-Politiker. „Wenn wir so weitermachen, brennt uns die Hütt’n wirklich ab.“

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Urban konnte aus dem Klimaschutz-Papier des Landkreises zitierten, seinen eigenen ökologischen Fußabdruck vorrechnen – und schien die Jugendlichen und die Klimakrise als einziger Politiker im Raum ernst zu nehmen. 

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