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„Einzigartige Mischung aus Bücherschatz und authentischer Atmosphäre“: Dirk Heißerer, Frido Mann und Christof Botzenhart eröffneten am Montagabend das Thomas-Mann-Zimmer in der Stadtbibliothek. 

Zu Gast bei Einweihung des Thomas-Mann-Zimmers 

Frido Mann sieht Bad Tölz als künftiges Pendant zu Los Angeles

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Bad Tölz hat sich als Thomas-Mann-Stadt nachhaltig auf der Literatur-Landkarte Deutschlands positioniert. Frido Mann, der Enkel des Literatur-Nobelpreisträgers, sieht die Stadt sogar schon auf dem Weg zu Größerem. Wie realistisch diese Gedankenspiele sind, muss sich noch zeigen.

Bad Tölz– Wenn es nach Frido Mann geht, soll Tölz in Zukunft zu einem Ort des Dialogs zwischen Deutschland und den USA werden. Diese Vision äußerte der Theologe, Psychologe und Schriftsteller am Montagabend in seiner Rede zur Eröffnung des Thomas-Mann-Zimmers in der Stadtbibliothek. Ihm schwebt vor, dass „die neue selbstbewusste Thomas-Mann-Stadt Bad Tölz“ eine Art „Stützpunkt“ des frisch eröffneten „Thomas Mann House“ im kalifornischen Pacific Palisades werden könnte.

Auch wenn noch keinerlei Einzelheiten zur nötigen Organisation und Infrastruktur geklärt sind: Der 78-jährige Enkel des Literatur-Nobelpreisträgers sieht den „Bau einer Brücke zwischen Kalifornien und Bayern“ bereits „auf einem guten Weg“. Jedenfalls kann sich Frido Mann offenbar für die Idee begeistern, zwischen dem „ersten und letzten Haus, das Thomas Mann gebaut hat, eine direkte Verbindung herzustellen“. Gerade angesichts der in den USA anzutreffenden „unheiligen Allianz zwischen Donald Trumps republikanischer Partei und den Evangelikalen“ sei ein „unermüdliches Aufeinander-zu-Gehen“ besonders wichtig.

Zum Hintergrund: Die Bundesregierung hat 2016 das Haus in Pacific Palisades, Los Angeles, gekauft. Am 18. Juni 2018 wurde dort eine transatlantische Begegnungsstätte eröffnet, in der bis zu fünf Stipendiaten untergebracht werden können, um sich mit hochrangigen US-Vertretern aus Wirtschaft, Kultur und Politik auszutauschen. Frido Mann, der über das Projekt sowie seine Kindheitserinnerungen an Pacific Palisades soeben das Buch „Das Weiße Haus des Exils“ veröffentlicht hat, regte an, dass Bad Tölz ein Pendant dazu sein könnte. So könne man amerikanische Stipendiaten hierher zum Dialog mit deutschen Gesprächspartnern einladen. Er wolle „Mut machen, das mit aufgekrempelten Ärmeln und pragmatisch anzugehen, ganz nach dem amerikanischen Motto ,Learning by Doing‘“, sagte Frido Mann – und zwar am besten noch während des soeben gestarteten „Deutschlandjahrs USA“.

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Dabei musste Frido Mann allerdings einräumen: „Wo man die Stipendiaten unterbringen oder Tagungen abhalten könnte, ist noch völlig offen.“ Er stellte auch die Frage in den Raum, „ob langfristig ein Zugang zum Tölzer Thomas-Mann-Haus geschaffen werden könnte“. Damit meinte er die von seinem Großvater 1909 errichtete Villa an der Heißstraße. Tatsache ist jedoch, dass das Gebäude seit 1926 im Besitz des Ordens der Armen Schulschwestern ist, der es als Erholungsheim nutzt. Öffentlich zugänglich ist das Haus nicht. Bei Frido Manns Vortrag saßen die beiden dort lebenden Schwestern Edelhild Felber und Gudrun Landstorfer in der ersten Reihe. Aktuell gibt keine offizielle Initiative, an den Besitzverhältnissen etwas zu ändern.

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So oder so: Frido Mann bezeichnete das neu eröffnete Thomas-Mann-Zimmer als „neues Wahrzeichen der Zugehörigkeit“ von Bad Tölz zu den Thomas-Mann-Orten. In dem Zimmer steht ein Nachbau des Schreibtischs von Thomas Mann, eine Requisite aus dem Film „Die Manns – Ein Jahrhundertroman“ von Heinrich Breloer. Außerdem sind hier Teile einer Thomas-Mann-Bibliothek untergebracht, die aus dem Nachlass von Anita Naef, der Privatsekretärin der Familie Mann, stammt. Dass die Stadt dieser Einrichtung eine neue Heimat bot, nachdem das Zimmer aus dem „Haus Villino“ in Feldafing ausziehen musste, dafür dankte Frido Mann „im Namen der Familie“.

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