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Vorzeigefassade: Die Verkündigungsszene stammt vom Königsdorfer Maler Georg Demmel und wurde von Günther Wasmeier restauriert und ergänzt.

Renovierte Fassade an der Marktstraße

Frisches Fresko: Ein Tölzer Blickfang mit Geschichte

Das arg verblasste Verkündigungsfresko an der Marktstraße 19 wurde aufgefrischt und ergänzt. Hier gibt es Geschichten rund um das Haus. Eine davon erzählt von einem Bild Adolf Hitlers.

Bad Tölz – Dass aktive Werbung für die Urlauberstadt Bad Tölz auch ganz anders aussehen kann, das beobachtet der Tölzer Sigi Mayr derzeit immer wieder. Da bleiben Touristen vor seinem Haus in der unteren Marktstraße (Nummer 19) stehen und fotografieren. Kein Wunder. Der einstige Topstürmer des EC Bad Tölz hat die Fassade vor Kurzem renovieren und das stark verblasste Fresko der Verkündigungsszene auffrischen und ergänzen lassen. Sie strahlt und zieht die Blicke der Passanten auf sich.

Die Restaurierung hat die Tölzer Malerfirma Egger übernommen, die dafür mit Günther Wasmeier, dem Vater des ehemaligen Skistars aus Schliersee, zusammengearbeitet hat. Wasmeier ist in Tölz kein Unbekannter. Er hat zum Beispiel für die Amerikaner in der früheren Kaserne dieLüftlmalereien übernommen. Sie fielen der Umwandlung zum Opfer.

Anno 1936: Unterm Giebel des Hauses hat der frühere Besitzer statt der Hakenkreuzfahne schon mal ein Führerbild angebracht. 

Bei der Restaurierung hat Wasmeier nicht – wie bei einem Fresko üblich – auf den noch feuchten Putz gemalt, sondern mit Trockenpigmenten und Bindemittel gearbeitet, erklärt Robert Egger. Für ein Fresko hätte der komplette Putz herabgeschlagen werden müssen. Aber auch so, da ist Egger sicher, sollte das Fassadenbild jetzt 30 bis 40 Jahre gut zu sehen sein. „Es ist ein stimmiges Bild geworden“, würdigt Egger das Ergebnis der Wasmeier-Arbeit.

Eine Arbeit, die Geschichte hat. Die Familie Mayr ist seit den 1960er-Jahren Eigentümer. Ins frühere Schopperlederer-Anwesen, einem Gerberhaus, kehrte nach der Säkularisation 1803 ein Tegernseer Pater zurück und las in seinem Elternhaus täglich in der Hauskapelle die Messe. Nach seinem Tod, so berichtet Willibald Schmid in seinen berühmten „Isarwinkler Sagen“, soll er im Haus umgegangen sein. Und zwar so lange, bis der verschreckte Hausherr in der Pfarrkirche zwei, drei Messen für ihn lesen ließ. Den Hausaltar gibt es noch. Er steht heute im Tölzer Stadtmuseum, weiß Claus Janßen. Der unmittelbare Hausnachbar kann auch beitragen, dass es in jüngerer Zeit mit unterschiedlichen Fresken bemalt war. Eine frühe Abbildung zeigt etwa eine Drei-Königsszene an der Krippe, die vielleicht bis aufs 18. Jahrhundert zurückgeht. Die heutige Verkündigungsszene hatte spätestens seit den 1930er-Jahren einen Vorläufer, der im unteren Teil deutlich breiter war. Interessant war die Darstellung deshalb, weil sie oben – wie heute auch – in einem Engel mündete, dessen Schwingen die Dachluke fassten. Der mündlichen Überlieferung zufolge, so Janßen, habe der damalige Hausbesitzer dort, wenn in der Nazizeit Fahnenschmuck angeordnet war, ausgerechnet ein Bild des Führers angebracht, auf den dann der Engel in aller Unschuld deutete.

Nach dem Krieg war es kein Geringerer als der Maler Georg Demmel, der das neue Fresko entwarf und ausführte. Claus Janßen hat Fotografien, auf denen die Signatur des Königsdorfers unzweifelhaft zu erkennen ist, sowie die Datierung 1947. Demmel, dessen Ölbilder und Aquarelle auch heute noch zu den gesuchtesten Bildern im Isarwinkel zählen, hat mehrere Anwesen in der Tölzer Marktstraße in seinem markanten Stil bemalt.

Christoph Schnitzer

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