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Vor dem Eingang zum Tölzer Kurier enthüllten (v. li.) Schauspieler Fritz Wepper (li.) sowie 2. und 3. Bürgermeister, Andreas Wiedemann und Christof Botzenhart, das Denkmal für Gregor Dorfmeister.

Journalist und Schriftsteller gewürdigt

Fritz Wepper enthüllt Denkmal für Gregor Dorfmeister

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Würdigung einer großen Persönlichkeit und Mahnung zum Frieden: Ein Denkmal in der Marktstraße von Bad Tölz erinnert auch an ein grausames Kapitel des Krieges.

Bad Tölz – Die Stadt Bad Tölz hat dem 2018 verstorbenen Gregor Dorfmeister ein Denkmal gesetzt. Am unteren Ende der Marktstraße– vor dem Eingang zur Redaktion des Tölzer Kurier, die Dorfmeister fast 30 Jahre lang leitete – erinnert ein Kunstwerk an den Journalisten und Schriftsteller. An der feierlichen Enthüllung nahmen am Freitag sein Sohn Frank Dorfmeister sowie Schauspieler Fritz Wepper teil. Aber auch zahlreiche Interessierte erwiesen Gregor Dorfmeister als Zuschauer die Ehre.

Wie Christof Botzenhart, 3. Bürgermeister und Kulturreferent des Stadtrats, sagte, war der Termin für die Enthüllung mit Bedacht gewählt: Gregor Dorfmeister wäre heuer 90 Jahre alt geworden. Die Verfilmung seines Romans „Die Brücke“ wurde vor 60 Jahren uraufgeführt. Und dessen Handlung spielt – passend zur jetzigen Jahreszeit – in einem Mai, genauer gesagt in den letzten Kriegstagen 1945.

Nach der Vorführung der Romanverfilmung „Die Brücke“ diskutierten Fritz Wepper (vorne links) und Kurier-Redakteur Christoph Schnitzer (stehend) im Capitol-Kino mit Schülern aus Gymnasium, Realschule und FOS.

Der Roman basiert auf Dorfmeisters eigenen Erlebnissen. Als 16-Jähriger wurde er zum Volkssturm eingezogen. Zusammen mit einer Gruppe Gleichaltriger erhielt er den Befehl, eine strategisch bedeutungslose Brücke an der Loisach zu verteidigen.

Fritz Wepper verkörperte in „Die Brücke“ indirekt Dorfmeister selbst

Unter der Regie von Bernhard Wicki übernahm 1959 Fritz Wepper in der Verfilmung die Rolle des Mutz, des einzigen Überlebenden der sinnlosen Mission – und spielte somit indirekt die Figur von Dorfmeister selbst.

Vor der Enthüllung des Denkmals wurde der eindringliche Film im Capitol-Kino vor 95 Schülern der neunten bis elften Jahrgangsstufe aus Gymnasium, Realschule und FOS aufgeführt. Im anschließenden Gespräch mit den Jugendlichen sorgte Frank Dorfmeister für einen Gänsehaut-Moment. Er berichtete, dass er selbst als Schüler von 12 oder 13 Jahren den Film einmal in einer Schulvorführung gezeigt bekommen habe. Nachmittags habe er mit Freunden im Garten einige Kriegsszenen nachgespielt. „Als mein Vater nach Hause kam, hat er uns verwundert zugeschaut und gesagt: ,Ich fürchte, Ihr werdet genauso blöd wie wir.‘“

Gregor Dorfmeisters Botschaft: „So einen Krieg darf es nie mehr geben“

Die Kernbotschaft seines Vaters sei gewesen: „So einen Krieg darf es nie mehr geben, vor allem nicht mit Kindern.“ Das sei in Zeiten, in denen weltweit so viele Kinder wie nie zuvor an kriegerischen Handlungen beteiligt seien, hochaktuell. Roman und Film seien eine Aufforderung: „Wir dürfen nicht vergessen, und wir dürfen nicht so blöd sein.“ Die Schüler applaudierten.

Fritz Wepper (77) berichtete, dass auch für ihn „Die Brücke“ eine besondere Bedeutung hatte. Als das Filmteam zum ersten Mal die fertig synchronisierte Version sah, „da haben wir alle geheult wie die Schlosshunde“, berichtete er. Die Rolle des Mutz sei im Alter von 17 Jahren seine „erste berufliche Aufgabe“ gewesen. Insofern hätten er und seine damals jungen Schauspielkollegen, darunter Volker Lechtenbrink, Gregor Dorfmeister viel zu verdanken.

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Persönlich kennengelernt habe er den Schriftsteller erst viele Jahre später, als Lechtenbrink – mittlerweile Intendant am Hamburger Schauspielhaus – die damaligen Darsteller zu einer szenischen Lesung der „Brücke“ einlud. Er habe Dorfmeister als „sehr offenen, freundlichen, gescheiten Menschen“ erlebt, erinnerte sich Wepper.

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Als Münchner sei er oft in Bad Tölz gewesen – mittlerweile als Bewohner von Gmund noch öfter, so Wepper. Er habe sich stets gewundert, dass die Tölzer Isarbrücke der Ort gewesen sein sollte, wo sich das Romangeschehen abspielte. Da allerdings war der Schauspieler im Irrtum, denn die historische Brücke, an die Dorfmeister als Jugendlicher abkommandiert war, befand sich einige Kilometer weiter in Mürnsee (Gemeinde Bad Heilbrunn).

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Kurier-Redakteur Christoph Schnitzer, der das Gespräch moderierte, berichtete, dass Dorfmeister viele Jahre nicht über diese Kriegserlebnisse gesprochen habe. „Da war eine Mauer um seine Seele. Erst in den letzten Jahren, als er ungefähr 75 war, wurde er offener“, so Schnitzer. Um mit ihm zur Brücke in Mürnsee zu fahren, sei es da aber zu spät gewesen. „Sie wurde Ende der 1950er-Jahre abgerissen.“

Symbol für Offenheit und Gerechtigkeitssinn

Bei dem Denkmal für Gregor Dorfmeister handelt es sich um einensteinernen Quader mit Freilassung in der Mitte. Oben darauf angebracht ist eine Platte mit einem Foto von Gregor Dorfmeister sowie einem Text, der sein Wirken als Lokaljournalist, Schriftsteller und Vorsitzender der Lebenshilfe würdigt. Der Entwurf stammt von der in Wackersberg ansässigen Künstlerin Julia Stelz, die auch für die Gestaltung der Informations-Stelen in der Hindenburgstraße verantwortlich zeichnet. Im Gespräch mit dem Tölzer Kurier erklärt sie, von welchen Grundgedanken sie sich leiten ließ. „Gregor Dorfmeister wurde mir als sehr offene Person beschrieben, der Kontakte mit allen Menschen suchte und sich für ihre Geschichten interessierte“, sagt sie. Daher habe sie für das Denkmal eine offene Gestaltung gewählt. Die symmetrische Form wiederum verweise auf Gerechtigkeitsempfinden und sein Bemühen um Ausgleich. Diese Eigenschaft habe er gezeigt, indem er bei der Lebenshilfe für die Verantwortung der Gesellschaft gegenüber Benachteiligten eingetreten sei. Nicht zuletzt könne man das Denkmal als eine Art Brücke auffassen – ein Verweis auf seinen berühmten Roman „Die Brücke“. Am Standort am unteren Ende der Marktstraße ergibt sich ein Zusammenspiel mit der Isarbrücke, die man von hier aus sieht.

Das Buch „Die Brücke“

ist für 12 Euro in der Redaktion des Tölzer Kurier erhältlich. Der Erlös geht an „Leser helfen helfen“.

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