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„Fusion ist kein Allheilmittel“

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Der regionalen Bankenlandschaft steht eine tiefgreifende Veränderung bevor. Wie jetzt bekannt wurde, bereiten die Raiffeisenbank Tölzer Land und die Raiffeisenbank im Oberland ihre Fusion vor . Mit Interesse verfolgt man diese Entwicklung auch im größten Geldinstitut im Landkreis, der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen. 

Bad Tölz-Wolfratshausen –  Die neue Sparkassen-Direktorin Renate Waßmer gibt sich aber gelassen. Dass mit der fusionierten Raiffeisenbank ein neuer Großkonkurrent entsteht, fürchtet sie nicht.

„Wir haben es zur Kenntnis genommen“, erklärt Waßmer im Gespräch mit dem Tölzer Kurier. „Jedes Institut muss für sich selbst entscheiden, was das Beste für es ist.“ An der Konkurrenzsituation ändert sich aus ihrer Sicht nichts. Es sei egal, ob man einer oder zwei Raiffeisenbanken gegenüberstehe. „Die Wettbewerbssituation ist viel weiter zu sehen, also mit allen anderen Banken inklusive der Direktbanken.“

Um die Marktführerschaft im Landkreis muss sich die Sparkasse jedenfalls keine Sorgen machen. Mit einer Bilanzsumme von 2,3 Milliarden Euro ist die Sparkasse immer noch doppelt so groß wie die beiden fusionierenden Raiffeisenbanken zusammen, die gemeinsam auf eine Bilanzsumme von 1,1 Milliarden Euro kommen.

Waßmer hält aktuell auch deswegen keine besondere Reaktion auf die Raiffeisen-Pläne für notwendig, weil „die Fusion in erster Linie im Innenbetrieb Veränderungen mit sich bringt“. Der Kunde merke davon meist gar nichts – die Konkurrenz ebenso wenig. „Anders wäre es, wenn die Geschäftsstellenstruktur verändert wird“, so die Sparkassen-Direktorin. „Hier kann es sein, dass sich vor Ort die Versorgung mit Bankdienstleistungen verändert. Das muss man aber abwarten und beobachten.“

Banken und Sparkassen arbeiten in der derzeitigen Niedrigzinsphase bis hin zu Strafzinsen unter schwierigen Bedingungen. Andere Sparkassen in der weiteren Region reagierten auf diese Herausforderungen zuletzt ebenfalls mit Fusionen, etwa in Weilheim und Schongau oder auch beim Zusammenschluss zur neuen Groß-Sparkasse München-Starnberg-Ebersberg. Für die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen ist das laut Waßmer aktuell keine Option. Natürlich habe man sich gerade anlässlich des jüngsten Führungswechsels – Waßmer folgte am 1. Oktober Walter Obinger als Vorstandsvorsitzende nach – überlegt, wohin die Reise gehen soll. „Der Verwaltungsrat hat sich klar dafür ausgesprochen, dass wir selbstständig bleiben.“ Dafür sehe sich die Sparkasse stark und zukunftsfähig genug aufgestellt. Das „Marktumfeld“ sei im Landkreis „sehr gut“. Von der Größe her übertreffe die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen klar die Nachbar-Sparkassen in Miesbach und Garmisch-Partenkirchen und ist vergleichbar mit der neu fusionierten Sparkasse Weilheim-Schongau. Bayernweit liege man „ziemlich genau im Durchschnitt“, so Waßmer. Bundesweit betrage die Bilanzsumme der einzelnen Sparkassen im Schnitt 2,8 bis 2,9 Milliarden. Ohnehin komme es aber nicht auf die Größe an. „Und Fusionen sind auch kein Allheilmittel.“

Dennoch: Die Frage werde sich sicher auch in Zukunft immer wieder stellen, räumt die Direktorin ein. „Man kann ja nicht einfach die Augen davor verschließen.“ Dass eine Fusion „dauerhaft“ kein Thema sei, will Waßmer deshalb so nicht sagen. „Aber es ist auf jeden Fall unser Ziel, auf Dauer eigenständig zu bleiben.“

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