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Holzbänke und ein gemütlicher Teppich: So sieht der „Raum der Stille“ aus.

Gabriel-von-Seidl-Gymnasium

Ganz viel Raum für Stille

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Bad Tölz – Viele Kinder befinden sich in einem Hamsterrad aus Schule und Freizeit. Darum hat das Gabriel-von-Seidl-Gymnasium einen Raum der Stille eingerichtet, der jetzt eingeweiht wurde.

Es riecht wunderbar nach Holz, wenn man den Raum betritt. Verantwortlich dafür sind die von der Arzbacher Schreinerei Kloiber gefertigten Sitzbänke, die sich um den runden, weichen Teppich in der Mitte gruppieren. Der stammt übrigens aus dem Chiemgau. „Wir wollten einen Teppich ohne Kinderarbeit“, erklärt Kathrin Gunst vom evangelischen Fachbereich am Tölzer Gabriel-von-Seidl-Gymnasium. Gemeinsam mit ihrer katholischen Kollegin Elisabeth Willis erklärte sie bei der Einweihung des „Raums der Stille“ an der Schule das Konzept.

„In unserer lauten und schnelllebigen Welt brauchen wir Orte, die eine Rückzugsmöglichkeit bieten“, so Willis. Einen Ort, „an dem wir der Stille Raum geben, um Begegnungen mit sich selbst zu ermöglichen“.

Bereits vor über zehn Jahren war dieser Wunsch am Gymnasium aufgekommen. Konzepte wurden überlegt, Räume angeschaut, Ideen wieder verworfen, berichtete Gunst. Lehrerin Lenka Schäfer eröffnete dann vor einigen Jahren zum ersten Mal einen „Raum der Stille“. Das Projekt musste aber im Zuge der Bauarbeiten bei der Generalsanierung wieder auf Eis gelegt werden.

Nun sei das Thema gemeinsam mit Schulleiter Harald Vorleuter wieder aufgegriffen worden. Für den Direktor gab es großes Lob. „Danke, dass Sie diesen Weg mit uns gegangen sind“, sagte Gunst. Aber auch der Landkreis als Träger und die Erzdiözese leisteten einen (finanziellen) Anteil – genauso wie der Förderverein, der Yogamatten kaufte.

Vorleuter selbst steht voll hinter dem Projekt. „Wir sind eine große Schule mit hohen Ansprüchen an unsere Schüler und Lehrer. Der tägliche Stress nagt an allen.“ Bei aller Hektik müsse es auch Möglichkeiten geben, um sich zurückzuziehen. Dabei sei das Zur-Ruhe-Kommen für viele ungewohnt, ja, kaum machbar. „Viele Schüler befinden sich in einem Hamsterrad und kommen da einfach nicht raus“, sagte Vorleuter mit Blick auf die täglichen Anforderungen. Deshalb liege ihm der „Raum der Stille“ so am Herzen.

Neben Texten zum Thema Stille, die Schüler vorlasen, gab es auch Musik. Bemerkenswert: Ein als Klavierstück angekündigte Beitrag bestand ebenfalls aus nur mehreren Minuten totaler Stille.

Für den guten Geist in dem Raum sorgten dann noch Stadtpfarrer Peter Demmelmair, sein evangelischer Kollege Dekan Martin Steinbach und die muslimischen Religionspädagogin Gönül Yerli aus Penzberg. „Gott ist Stille. Und in der Stille werden wir ganz von ihm erfüllt“, sagte Yerli, während Steinbach eine Stelle aus dem Neuen Testament wählte. Jesus sorgt hier dafür, dass sich ein Sturm legt, dass es still wird. „Ich wünsche allen, die diesen Raum aufsuchen, dass sie Gott erfahren dürfen in den Stürmen des Lebens und Ruhe finden.“ Segenswünsche hatte auch Demmelmair mitgebracht. „Ich wünsche allen, die hier sitzen, liegen oder sogar einnicken, dass sie Frieden finden.“

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