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Beschlossene Sache: Die Bahnbrücke an der Gaißacher Straße wird erneuert. Das wird wohl ein Jahr dauern.  

Bauausschuss bestätigt seinen Beschluss

Gaißacher Straße: Bahnbrücke wird geöffnet

Noch einmal hat der Tölzer Bauausschuss das Thema Bahnbrücke Gaißacher Straße intensiv diskutiert. Das Ergebnis bestätigt den Beschluss vom Dezember: Die Brücke wird erneuert und für den Verkehr geöffnet.

Bad Tölz – Fast eineinhalb Stunden behandelte das Gremium nochmals alle Argumente. Dass sich über 300 Anwohner des Quartiers „Am Schuss“ gegen eine Wiederöffnung aussprachen, hatte Eindruck hinterlassen. Im Stadtratsplenum zu diskutieren, lehnte das Gremium gegen die Stimmen von Camilla Plöckl und Jürgen Renner (beide SPD) aber ab. „Das ist ein Thema des Bauausschusses“, sagte Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann, der die Sitzung leitete.

Zwei Beschlüsse wurden gefasst: Zum einen wird die Brücke für rund 650 000 bis 750 000 Euro neu gebaut. Sie wird einspurig (3,50 Meter Breite) befahrbar sein und – als Ergebnis der Diskussion – einen 1,50 Meter breiten Gehweg besitzen. Nur Jürgen Renner zweifelte am rund 50 000 Euro teuren Gehsteig. „Die Kinder gehen sowieso auf der Straße, und dann werden sie von den Autos weggehupt. Das macht’s nicht sicherer.“

Das alte Bauwerk ist, das machte Bauamtsleiter Christian Fürstberger überdeutlich, so marode, dass es nicht mal mehr geprüft wird. „Wenn jetzt was passiert, können wir uns aussuchen, wer von uns dafür verantwortlich gemacht wird.“ Am meisten kosten übrigens die Widerlager links und rechts. Die Brücke selbst ist aus Fertigteilen und wird nur eingehoben. Das geht schnell und ist deshalb wichtig, weil die Stadt auch für den Schienenersatzverkehr in der Bauzeit zu sorgen hat.

Der Bau selbst wird etwa ein Jahr dauern. Fürs Verfahren werde man allerdings wohl zwei Jahre benötigen, erinnerte sich Stadtbaumeister Hannes Strunz an frühere langwierige Kooperationen mit der Deutschen Bahn. Noch ein wichtiger Punkt, der in der jüngsten Diskussionsveranstaltung im „Kolber“ angesprochen worden war: Die Brücke wird laut Fürstberger eine lichte Höhe von rund sechs Metern haben. „Das sollte auch für eine elektrifizierte BOB reichen. Wir werden da aber mit dem Eisenbahnbundesamt sprechen.“

Der Brückenbeschluss fiel einstimmig aus. Drei Gegenstimmen gab es, als es um die einspurige Öffnung der Brücke für den Autoverkehr ging. René Mühlberger (CSU) wandelte sich zum Gegner. Er plädierte dafür, erst einmal zu warten, wie sich der Verkehr im Umfeld entwickelt und ob die Gaißacher Straße (wie angedacht) einmal von der Umgehungsstraße abgehängt wird. Nachdem Fürstberger erklärt hatte, dass die Prognose-Zahlen im Verkehrsentwicklungsplan (VEP) für Nebenstraßen statistisch errechnet worden seien und deshalb mitunter zu seltsamen Ergebnissen führten, zweifelte Mühlberger, ob der VEP wirklich als Entscheidungsgrundlage dienen könne. Die rund 100 Fahrzeuge mehr, die eine Öffnung der Bahnbrücke mit sich bringt, seien aber nicht geschätzt, sondern beruhten auf Zählergebnissen, sagte Fürstberger. „Vielleicht sind es auch 300, aber die befürchteten 2500 nie und nimmer.“

Diese Meinung vertrat auch Ludwig Janker (CSU), der die Sorge der Anwohner bezüglich Schleichverkehr für „ein reines Märchen“ hielt. „Wer soll da wohin abkürzen?“, fragte er. Der einzige echte Abkürzer sei über die Hofwies und die Ruhlandstraße. Und der sei jetzt schon offen.

„Was ist mit der Schulwegsicherheit?“, griff Franz Mayer (Grüne) ein weiteres Thema der Veranstaltung auf. Da bestehe angesichts der Verkehrszahlen kein Grund zu Sorge, antwortete Fürstberger. Diesbezüglich habe man auch mit der Polizei geredet. Ganz generell sei zu sagen, dass in der deutlich stärker befahrenen Kohlstattstraße, wo es auch keine Gehwege gebe, kaum Probleme zwischen Fußgängern und Autos gebe. Für Renner war entscheidend, dass man später immer noch reagieren könne. Man könne mit wechselseitigem Parken, Gehwegstreifen und verkehrsberuhigten Zonen nachbessern, wenn der Verkehr nach Öffnung der Brücke übermäßig zunehmen würde. „Eine Bücke zu bauen, um sie dann für den Verkehr zu schließen“, hielt Josef Steigenberger (CSU) nicht für vermittelbar dem Steuerzahler gegenüber.

Nur Andreas Wiedemann (FWG) und Andrea Grundhuber (Grüne) waren neben Mühlberger gegen die Öffnung. Grundhuber wollte den „Schutzraum für Kinder“ bewahren. Wiedemann ist grundsätzlich gegen die Öffnung von Wohnquartieren für den Durchgangsverkehr.

Nach der Sitzung wurde im kleinen Kreis über die Möglichkeit einer Anliegerstraße „Am Schuss“ diskutiert. Fürstberger hatte sie in der Sitzung als „reines Straßenbegleitblech, an das sich sowieso keiner hält“, strikt abgelehnt. Dem Hinweis eines Bürgers, dass mit einer Anliegerstraße der Schuss und die Hofwies aus den Umleitungsempfehlungen der Navigationssysteme entfernt werden könnten, will er aber nachgehen. Christoph Schnitzer

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