Zum Jahr der Barmherzigkeit befasste sich die Jahreskrippe des Krippenvereins mit den sieben Werken der Barmherzigkeit. Eines davon ist der Krankenbesuch. Schmeller

Ein ganzes Jahr voll Barmherzigkeit

Bad Tölz - Heilige Stiege, Krippenbilder und viele Veranstaltungen gab’s heuer im Pfarrverband.

Das vergangene Heilige Jahr, ausgerufen von Papst Franziskus, bescherte Bad Tölz eine Besonderheit: die Pforte der Barmherzigkeit in der Tölzer Kalvarienbergkirche. Sie war eine von acht in der gesamten Diözese.

Viele Menschen nahmen den Ort für ein stilles Gebet an. Mesner Heinz Bader zählte viele Gläubige, die schon in aller Früh warteten, um in der geöffneten Kirche die Stufen hinauf zu beten. Auch zahlreiche Pilgergruppen kamen auf den Kalvarienberg. Stadtpfarrer Peter Demmelmair kniete selbst einmal mit Kindern die Heilige Stiege hinauf, erklärte ihnen die von Engeln getragenen Symbole und sorgte immer wieder für Heiterkeit dabei. „Gell, des ham no ned amal Mama und Papa g’macht“, wandte er sich an die Eltern. Jugendliche feierten dort ebenso Gottesdienst wie Kardinal Reinhard Marx.

Die Tölzer Heilige Stiege ist ihrem römischen Vorbild exakt nachgebaut und stellte neben der Pforte eine weitere Verbindung zwischen Rom und Bad Tölz im Heiligen Jahr dar. Der Eingang der Kirche war mit Tafeln gekennzeichnet, auf denen die sieben leiblichen und sieben geistigen Werke dargestellt waren. „Nur unter ,Pforte der Barmherzigkeit‘ hätten sich die meisten Besucher wohl nichts vorstellen können“, sagte Wolfgang Friedl, verantwortlich für die Gestaltung. Der katholische Frauenkreis unter der Leitung von Inge Friedl hatte für die Besucher ein Gästebuch aufgelegt, damit sie ihre Gedanken hinterlassen konnten. „Zwei Bücher sind gefüllt worden“, sagt Friedl. „Sie werden im Kirchenarchiv aufbewahrt.“

Gleich nebenan im Pfarrgarten hatten Künstlerinnen der TölzerART-Gruppe und Jugendliche ausrangierte Fenster zum Thema Barmherzigkeit gestaltet. Eines dürfte bei Besuchern besonders im Gedächtnis geblieben sein: Die menschliche Figur von Christiane Walther-Friedenberg war in Begriffe eingeschnürt wie Schule, Beruf, Familie oder Medien. Die Künstlerin hatte darunter auf den Rahmen geschrieben: „Sei barmherzig zu DIR selbst.“ Die Bilder sollen noch an anderen Orten gezeigt werden, „demnächst in der Pfarrkirche Heilige Familie“, so Friedl.

Als das herausragendste Tölzer Projekt gilt sicherlich die Darstellung der Werke der Barmherzigkeit durch den Tölzer Krippenverein. Allen voran gestalteten Gerhild und Siegfried Schmeller knapp 50 Figuren und sieben Bühnenbilder. Eine Drehscheibe ermöglichte die Betrachtung aller sieben Kulissen. Diese stellten beispielsweise die Tölzer Tafel und ihre Mitarbeiter dar. Zumindest auf Fotos sind die Krippenbilder erhalten geblieben. „Wehmut ist jedes Mal dabei, wenn wieder umgebaut wird“, gibt Schmeller zu, „aber das sind wir ja gewohnt.“

Dazu gab es ein reiches Programm an Veranstaltungen. Die Tölzer Seelsorger brachten an fünf Abenden den Besuchern zentrale Bibelstellen nahe. Der ehemalige Tölzer Kaplan Andreas Spöttl hatte mit den Firmlingen die leiblichen Werke der Barmherzigkeit in Fotografien dargestellt. Dabei war auch Humor erlaubt: Ein junger Mann biss herzhaft in einen Krapfen zum Gebot „Den Hungernden gib’ zu essen“.

Im Gedächtnis bleibt das Jahr der Barmherzigkeit auch durch eine Mahnung aus dem Gästebuch vom Kalvarienberg: „Ob alt oder jung, ob arm oder reich, keiner weiß, ob er morgen schon der Barmherzigkeit bedarf.“

Birgit Botzenhart

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