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Die einzige Erdgas-Tankstelle im Landkreis befindet sich bei Erdgas Südbay ern in Wolfratshausen.

Alternative Antriebsart

Gas geben mit Erdgas – gar nicht so leicht

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Heute reden alle vom Elektroauto. Doch es ist noch nicht lange her, dass Fahrzeuge mit Erdgasantrieb als umweltfreundliche Zukunftstechnologie galten. Was ist davon geblieben? Eine Spurensuche im Landkreis.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Auto fahren mit Erdgas: Das scheint passé zu sein – zumindest wenn es nach der Deutschen Bahn geht. Die will wie berichtet ihre mit Erdgas betriebenen Busse aussortieren und wieder auf Diesel umsteigen. Im Landkreis ist der Erdgas-Antrieb eher eine Randerscheinung – und steht vor einigen Problemen.

Erdgas-Busse fuhren im Landkreis nie, wie RVO-Niederlassungsleiter Andreas Päschel, bestätigt. Nur eine kleine Flotte in Tegernsee sei mit der alternativen Antriebsart unterwegs. Die Entscheidung des Mutterkonzerns Deutsche Bahn, aus der Erdgas-Technologie auszusteigen, hat nicht Päschel getroffen. Er verweist lediglich darauf, dass die Erdgas-Busse „hohe Instandhaltungskosten“ hätten. Die Diesel-Flotte in seinem Zuständigkeitsbereich sei dagegen mit einem Durchschnittsalter von 5,2 Jahren „eine der jüngsten überhaupt“. Alle Fahrzeuge würden die Abgasnorm „Euro VI“ erfüllen.

70 Autos mit Erdgas-Antrieb sind im Landkreis zugelassen. Laut Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid waren es 2013 noch 62. Allerdings gibt es im Landkreis nur eine Erdgas-Tankstelle, und zwar am Sitz von Erdgas Südbayern an der Geltinger Straße in Wolfratshausen.

„Bei uns kann man rund um die Uhr tanken und mit EC-Karte bezahlen“, erklärt Betriebsmeister Ferdinand Ettl. Ihm zufolge ist die Erdgas-Tankstelle rege frequentiert. „Sie ist in Verzeichnissen im Internet aufgelistet, deswegen kommen Erdgasauto-Fahrer aus dem weiten Umkreis.“ Häufig würden auch Fahrer auf der Durchreise an der Wolfratshauser Tankstelle Halt machen, etwa aus Italien.

Die nächsten anderen Erdgas-Tankstellen befinden sich in Bad Wiessee und in Irschenberg. In Bad Tölz haben sich zuletzt Pläne für eine Erdgas-Tankstelle zerschlagen. Stadtwerke-Chef Walter Huber berichtet von konkreten Gesprächen zu dem Thema mit Unternehmer Johannes Fritz, der wie berichtet an der Bairawieser Straße eine Nostalgie-Tankstelle im Stil der 1950er-Jahre errichtet. Dort, so Hubers Vorstellung, hätten die Stadtwerke eine Erdgas-Tankstelle integrieren können. Allerdings koste eine neue Erdgas-Tankstelle 200 000 bis 300 000 Euro – zu teuer, wie Huber erklärt. „Da stimmte der Aufsichtsrat nicht zu.“ Eine gebrauchte Erdgas-Tankstelle aber habe sich nicht auftreiben lassen.

Was Huber Erdgas-Fahrern anzubieten hat, ist ein Kompressor, „der die Tankflaschen langsam volldrückt“, so Huber. Den haben die Stadtwerke an ihrem Firmensitz an der Osterleite und würden ihn auch Bürgern zur Verfügung stellen. „Das geht aber nur über Nacht, denn das Volltanken damit dauert sechs Stunden.“

Generell ist Huber von Erdgas als Antriebsart überzeugt. Neun Jahre ist er selbst ein Erdgas-Autos gefahren – und hat gute Erfahrungen gemacht: „leise, zuverlässig, sicher, schnell, eine Mordskraft“. Dass die Bahn sich von dieser Technik verabschiedet, findet er „jammerschade“. Erdgas sei eine „gute Alternative“. Zwar handele es sich bei Erdgas wie beim Öl um einen fossilen Brennstoff, und ein Erdgas-Fahrzeug stoße – neben Wasser – auch CO2 aus. Allerdings enthalte es anders als Diesel keinen Schwefel, bei der Verbrennung entstünden deutlich weniger Stickoxide, und es werde kein Ruß ausgestoßen.

Unverständlich ist für Huber, dass ab 2026 der jetzige Steuervorteil beim Erdgas-Tanken wegfalle. Aktuell aber lasse sich Erdgas noch günstig tanken: „In Irschenberg kostet ein Kilogramm Erdgas 1,10 Euro – das entspricht umgerechnet etwa einem Literpreis von 67 Cent.“

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