Bereit für die Öffnung des Außenbereichs: Angelo Cannata, Inhaber des Tölzer Café Heimat.
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Bereit für die Öffnung des Außenbereichs: Angelo Cannata, Inhaber des Tölzer Café Heimat.

Corona Auswirkungen

Gastronomen und Hotelbetreiber aus dem Tölzer Land hoffen nach Lockerungen auf Rückkehr zur Normalität

  • Patrick Staar
    vonPatrick Staar
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Urlaub in Bayern soll in den Pfingstferien wieder möglich sein – vorausgesetzt, die Coronazahlen sind niedrig. In der Hotellerie und Gastronomie im Landkreis wird diese Nachricht mit zwiespältigen Gefühlen zur Kenntnis genommen.

Bad Tölz - Während sich die einen freuen, überwiegt bei anderen die Skepsis – zu tief sitzt noch immer der Schrecken über den missglückten Neustart-Versuch im März. Der Tölzer Gastronom Peter Frech kann der Neuregelung keine positiven Seiten abgewinnen: „Wenn man sich das Infektionsgeschehen anschaut, muss man sagen: Die Änderung wird gut präsentiert, aber uns Gastronomen bringt sie gar nichts. Das ist doch alles nur Augenwischerei.“ Nur mit Außengastronomie lasse sich kein Betrieb wirtschaftlich führen: „Bei schlechtem Wetter kommen keine Gäste, und man muss die ganze eingekaufte Ware wegwerfen.“ Es lohne sich auch nicht, die Mitarbeiter aus der Kurzarbeit zurückzuholen: „Was passiert, wenn es wieder heißt: zumachen? Dann müssen wir für immer zusperren, weil wir uns das gar nicht leisten können.“

Einige Gastonomen bleiben skeptisch - Jailhouse bleibt erstmal geschlossen

Selbst wenn irgendwann wieder ein paar Leute im Innenraum sitzen dürfen, ändere sich nichts: „Das rechnet sich nicht, weil man gleich viel Personal braucht wie bei einem voll besetzten Lokal.“ Er werde das „Jailhouse“ daher „auf gar keinen Fall“ in nächster Zeit aufsperren. Die Neuregelung könne nach Ansicht von Frech den Menschen höchstens dabei helfen, wieder ins Leben zurückzufinden. Ebenso profitieren könnten kleine Cafés.

Dies bestätigt Angelo Cannata, Inhaber des Tölzer Café Heimat am Isarkai. „Ich bin bereit, endlich mit 100 Prozent neu zu starten.“ Für seinen Betrieb ändere sich wenig, wenn er die Außengastronomie wieder öffnen darf: „Wir machen Frühstück schon jetzt, wir machen Mittagessen schon jetzt und wir machen frischen Kuchen schon jetzt.“ Er selbst arbeite momentan vergleichsweise selten, umso öfter lässt er seine Angestellten werkeln – und Geld verdienen: „Was habe ich davon, wenn das Personal sagt: ich habe die Nase voll, ich suche mir was anderes. Dann steh ich allein da, wenn es wieder losgeht.“ Sein Personal wolle er aber auf gar keinen Fall verlieren „Wir sind wie eine Familie.“

Viele Anfragen für Hotelbuchungen

Cannatas Optimismus teilt Katharina Schmid, Junior-Chefin des Hotel und Restaurant Klostermaier in Icking. „Wir freuen uns sehr, dass wir das erste Mal seit vielen Monaten in den Beschlüssen wieder positiv erwähnt wurden und dass es wieder eine Perspektive für uns gibt.“ Generell ist das „Klostermaier“ bislang gut durch die Corona-Krise gekommen, was auch mit dem Standort zusammenhängt: München ist nah, ein S-Bahnhof liegt quasi vor der Haustüre. Daher ist das „Klostermaier“ allein schon durch die Geschäftsreisenden zu 75 Prozent ausgebucht. Sie dürfen alle im Restaurant bewirtet werden. „Die kleine Besonderheit, dass das Restaurant für Hausgäste weiterhin geöffnet ist, hat uns viele Gäste gebracht“, berichtet Schmid: „Wenn die Hausgäste im Hotel essen dürfen, bringt das ein Stück Normalität.“

Hotel-Chefin optimistisch: „Irgendwann muss es ja wieder bergauf gehen.“

Seit klar ist, dass womöglich bald wieder Urlaubsgäste empfangen werden dürfen, klingt bei „Klostermaier“ regelmäßig das Telefon, viele Anfragen treffen per E-Mail ein. „Wir notieren uns dann die Telefonnummer und erklären den Gästen, dass sie flexibel sein müssen“, sagt Schmid. „Viele Gäste sagen: wir probieren es jetzt einfach, und wenn die Inzidenz zu hoch ist, dann verschieben wir eben den Urlaub.“ Unter diesen Umständen bleibt die Junior-Chefin optimistisch: „Irgendwann muss es ja wieder bergauf gehen.“

Zu einem ganz anderen Urteil kommt ein Gastronom und Hotelbetreiber im Süden des Landkreises, der namentlich nicht genannt werden will. Seine pessimistischere Einschätzung hängt auch damit zusammen, dass die Rahmenbedingungen ganz anders sind als in Icking: Geschäftskunden spielen keine Rolle, der nächste S-Bahnhof ist Ewigkeiten entfernt: „Ich mache wegen der Lockerungen bestimmt keine Freudentänze. Und ich stelle jetzt ganz bestimmt nicht panisch die Tische in den Garten“, sagt der Gastronom. Obwohl die Gäste in den Startlöchern stünden und den ganzen Tag das Telefon klingle, nehme er keine Buchungen entgegen. Niemand könne seriös vorhersagen, wie sich die Inzidenzzahlen entwickeln: „Womöglich müssen wir wie an Ostern absagen und Geld zurücküberweisen – das ist ein riesiger Aufwand.“ Er wolle erst mal abwarten, wie sich die Lage entwickelt und dann entscheiden.

Karlheinz Leimer, Geschäftsführer im Tölzer Posthotel Kolberbräu, registriert ebenfalls eine deutlich steigende Zahl an Anfragen, nimmt aber bereits Buchungen entgegen. Trotz der zahlreichen Anfragen sei eine große Unsicherheit spürbar: „Ich hoffe darauf, dass die Inzidenz so weit sinkt, dass wir an Pfingsten aufsperren dürfen. Und ich hoffe, dass die Leute zusammenhalten und so brav sind, so dass die Inzidenz unter 100 sinkt und wir wieder loslegen dürfen.“

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