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Kontrolleure machen schockierende Funde in Traditionsgasthof

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Für den Lebensmittelkontrolleur war das Lokal des Angeklagten eine ergiebige Adresse. Wann immer der Mitarbeiter des Landratsamts dem Wirt unangemeldet einen Besuch abstattete, gab es etwas zu beanstanden. Mal ließ „nur“ die Hygiene zu wünschen übrig. Häufig wurden jedoch in der Küche verdorbene Speisen gefunden.

Bad Tölz-Wolfratshausen – So wie Ende Oktober vorigen Jahres, als die Kontrolleure an die zehn verschiedenen Proben von verschimmeltem Reis über verdorbene Spätzle, Forellen und Wollwürsten bis zu mehreren Kilogramm Surhaxe zur Untersuchung ins Labor schickten. Das Ergebnis: Alle Proben wurden als für den Verzehr durch Menschen ungeeignet eingestuft (aber nicht als gesundheitsschädlich).

Deshalb musste sich der Gastwirt nun erneut wegen Verstößen gegen das Lebensmittelgesetz verantworten. Er wurde zu zehn Monaten Gefängnis verurteilt, die Strafe wurde für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Damit war der Wirt eines traditionsreichen Gasthofs im Loisachtal noch einmal glimpflich davongekommen. Denn aus einer früheren Verurteilung wegen etlicher unappetitlicher Funde in der Restaurantküche schleppte er bereits eine Bewährungsstrafe von einem Jahr mit sich. Weil dieses Urteil noch nicht rechtskräftig war, als die neuen Verstöße, die ihm die Staatsanwaltschaft nun zur Last legte, ans Licht kamen, beließ es Richter Helmut Berger erneut bei einer Bewährungsstrafe.

Für das Gericht gab es mehrere strafmildernde Umstände. Zum einen den „Fundort“ der vergammelten Speisen: Der „muffige Gestank“ war den Kontrolleuren des Landratsamtes entgegen geschlagen, als sie in einem Nebenraum der Küche einen Kühlschrank öffneten, der „erkennbar den Bediensteten des Lokals zur Verfügung stand“, wie der Richter erläuterte. Jedoch hatten die Angestellten darin nicht nur ihre eigenen, teilweise angebissenen Speisen aufbewahrt, sondern auch Lebensmittel deponiert, die für das Lokal bestimmt waren. So etwas komme inzwischen nicht mehr vor, weil die Hygienemaßnahmen verbessert worden seien. Darum kümmere sich die neue Geschäftsleitung, beteuerte der Angeklagte. Er selbst habe – wie ihm das Gericht bereits in früheren Verhandlungen nahe gelegt hatte – die Geschäftsführung abgegeben. Seit Anfang 2018 arbeite er nur noch als angestellter Koch in dem Lokal. Auch dieser Umstand spielte eine erhebliche Rolle beim Strafmaß von „nur“ zehn Monaten, mit dem Berger deutlich unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft geblieben war.

Die Anklagevertreterin hatte zwar ebenfalls in ihrem Plädoyer hervorgehoben, dass sich die Zustände in dem Gasthof erheblich verbessert hätten. Aufgrund der zahlreichen einschlägigen Vorahndungen hielt sie dennoch eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und acht Monaten für geboten, ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt. Sechs bis acht Monate hielt der Verteidiger, der die Häufigkeit der Kontrollen bei seinem Mandanten – in nur zweieinhalb Jahren 15 Mal – monierte, für ausreichend.

Richter Helmut Berger machte dem Angeklagten deutlich, dass es, wenn nochmal etwas vorkomme, nur einen Weg gebe. Das gelte auch für den Fall, wenn sich bei weiteren Verstößen herausstelle, dass die neue Geschäftsleitung nur pro forma installiert worden sei, tatsächlich jedoch nichts zu sagen habe. Bei den bisher zwei Kontrollen im Jahr 2018 habe es nichts zu beanstanden gegeben, beteuerte der Koch.

Auch bei Aldi kam es kürzlich zu einem Ekel-Fund.

Rubriklistenbild: © dpa / Uwe Anspach

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