Zu Gast bei Fröschen und Libellen: Gebietsbetreuerin Birgit Weiß (2. v. li.) zeigt Politikern einen dicht besiedelten Teich in den Kirchseer Filzen. Foto: Pröhl

Gebietsbetreuer

Erfolgsgeschichte in den Filzen

Bad Tölz/Sachsenkam – Der Landesbund für Vogelschutz und Zentrum für Umwelt und Kultur präsentieren die renaturierte Moorlandschaft in den Kirchseer Filzen. Das kann sich sehen lassen.

 Der Zutritt zu den Kirchseer Filzen ist eigentlich streng verboten. Zum Zweck der Öffentlichkeitsarbeit – und der Werbung um Fördergelder – durfte eine kleine Delegation aus Kreis- und Landespolitik das Naturschutzgebiet am Dienstag trotzdem erkunden. Und entdeckte einen paradiesischen Fleck, in der seltene Libellen gleich scharenweise über das Wasser surren und fleischfressende Pflanzen in Mengen aus dem Boden schießen. Der Eindruck dieses Ortes auf die Politiker verfehlte seine Wirkung nicht.

Die Geschichte des Moores ist auch die Erfolgsgeschichte der Gebietsbetreuer im Landkreis. „Da sind andere Bundesländer neidisch auf uns“, hob Roland Weid, Organisator des Klimaprogramms „Bayern 2050“, deren Rolle hervor. Ihre Arbeit sei dabei nicht nur nützlich, sondern mittlerweile auch notwendig. „Wir sind immer mehr mit juristischer Verwaltungsarbeit beschäftigt, da können wir uns um den aktiven Umweltschutz oft nicht mehr kümmern.“

Elisabeth Pleyl vom Zentrum für Umwelt und Kultur in Benediktbeuern und Birgit Weiß vom Landesbund für Vogelschutz haben den Dienst als Gebietsbetreuerinnen der Moore im Landkreis 2003 aufgenommen. Besonders das Sensibilisieren der Bevölkerung für den Umweltschutz spielt in ihrem Handeln eine zentrale Rolle.

Diese Aufklärungsarbeit lobten die anwesenden Politiker besonders. So sei es gerade dem ständigen Einsatz der Betreuerinnen zu verdanken, dass viele Landwirte zur Übergabe von Grundstücken bewegt werden konnten, die dann renaturiert wurden, sagte Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber. Allerdings dürfe man nicht müde werden, in diesem Bereich aktiv zu bleiben.

„In der Öffentlichkeit haben die Moore noch nicht den Stellenwert, den sie verdient haben“, sagte Vize- Landrat Thomas Holz. Auch Pater Karl Geißinger, Rektor des ZUK, mahnte zur weiteren Aufklärungsarbeit: „Wir erleben, wie gerade bei der Jugend der emotionale Zugang zur Natur verloren geht. Dabei sind das die Entscheidungsträger der Zukunft.“

Bei dem kritischen Thema der Finanzierung der Betreuerposten zeigte sich Bachhuber optimistisch: „Wir haben schon den Spielraum, dass wir die Mittel zumindest halten können.“ Zudem regte der Landtagsabgeordnete an, durch kreative Projekte Mittel zu generieren. „Bei der Projektförderung geht immer etwas.“

Dass die Förderung lohnt, bewies der Rundgang. 2012 wurde die Moorlandschaft wiedervernässt. Bereits heute sind die Erfolge deutlich zu sehen. Überbleibsel der wechselhaften Nutzungsgeschichte sind mittlerweile kaum mehr zu erkennen.

Im Moor wurde jedoch weit mehr erreicht als die Ansiedlung seltener Pflanzen- und Tierarten. Auch im nicht sichtbaren Bereich leistet das Naturschutzgebiet Großes für die Umwelt: durch die Renaturierung gibt die 23 Hektar große Fläche nun jährlich 450 Tonnen CO2 weniger in die Atmosphäre ab als bisher, weil die Zersetzung des Torfs gestoppt wurde. Die großzügige Aufnahme von Niederschlagwasser trägt außerdem zum Hochwasserschutz bei.

Markus Henseler

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