+
Das erste Tölzer Baby 2017 heißt Franziska Maria Bittner. Das Mädchen kam am 2. Januar zur Welt. Zur Feier des Tages beglückwünschten die Verwaltungsleiterin der Klinik, Helene Juchno, und 3. Bürgermeister Christof Botzenhart die jungen Eltern und überreichten Blumen.

Geburtshilfe an der Asklepios-Klinik

Politiker müssen am Dienstag entscheiden

  • schließen

Bad Tölz - Es dürfte eine schwierige Entscheidung für den Kreisausschuss werden. Daher befasst er sich in seiner Sitzung am Dienstag auch nur mit diesem einen Thema: Es geht darum, Landrat Josef Niedermaier zu ermächtigen, über eine dauerhafte finanzielle Beteiligung an der Geburtshilfe der Tölzer Asklepios-Klinik zu verhandeln.

Um alle Mitglieder des Kreisausschusses auf denselben Stand zu bringen, gibt es eine ausführliche Sitzungsvorlage. Auf vier Seiten wird die Entwicklung skizziert. Zum ersten Mal ins Wanken geriet die Geburtshilfe im März 2015. Nach dem plötzlichen Tod von Dr. Bernhard Schwaiger blieben mit Dr. Stephan Krone und Dr. Wolfgang Oettle nur noch zwei Belegärzte übrig, die sich um die rund 500 jährlichen Geburten kümmerten. „Ein Ding der Unmöglichkeit“, heißt es in der Sitzungsvorlage.

Die Asklepios-Klinik unternahm einige Anstrengungen, um diesen Missstand zu beheben, gewann mit Dr. Florina Rummel im November 2015 sogar eine weitere Belegärztin. Da Oettle aber nur einen Monat später seine Tätigkeit beendete, hatte sich an der Ausgangslage nichts geändert. Alle weiteren Versuche, einen dritten Belegarzt zu finden scheiterten. Dabei habe Asklepios „jeden gynäkologischen Facharzt im Umkreis von 50 Kilometern angeschrieben“. Gesucht wurde zudem über Anzeigen in Fachblättern und Online-Portalen. Bürgermeister Josef Janker versuchte in persönlichen Gesprächen, die niedergelassenen Gynäkologen zu einem belegärztlichen Engagement zu motivieren. Asklepios bot zusätzlich an, Bereitschaftsdienste am Wochenende von Honorarkräften übernehmen zu lassen und stellte „nach enormen Anstrengungen“ dem neuen Belegarzt sogar eine kassenärztliche Zulassung in Aussicht. All dies war aber „nicht Anreiz genug, um einen Belegarzt für die Geburtenstation zu gewinnen“, so die Sitzungsvorlage.

Gescheitert sind auch die parallel laufenden Bemühungen, eine eigene Hauptabteilung aufzubauen. Die Stelle des Chefarztes ließ sich nicht besetzen. Ober- und Fachärzte sind rar, so „dass es nicht gelungen ist, die notwendige Personalstärke auch nur annähernd zu erreichen“.

Gespräche über Kooperationen mit anderen Krankenhäusern führten zu keinem Ergebnis. Weiter verschärft wurde die Situation durch das Inkrafttreten des Anti-Korruptionsgesetzes im Juni 2016. Dieses verhindert unter anderem die bislang praktizierte Unterstützung der Belegärzte bei den Haftpflichtversicherungsbeiträgen. Werde diese Praxis fortgesetzt, „können für beide Seiten strafrechtliche Konsequenzen im Raum stehen“.

Eine Gesprächsrunde mit Belegärzten, Hebammen, Klinikvertretern aus Tölz und Wolfratshausen sowie der Stadt und des Landkreises im Dezember kam zu dem Schluss, dass es weiterhin Ziel sein muss, in Kooperation mit einem anderen Krankenhaus eine Hauptabteilung für Geburtshilfe aufzubauen (wir berichteten). Doch auch nach der Kooperation mit einer anderen Klinik geht Landrat Josef Niedermaier davon aus, dass in Bad Tölz „nur“ rund 500 bis 700 Babys zur Welt kommen. Zum Vergleich: Am Klinikum Starnberg waren es 2015 rund 2600 Geburten. Mit der deutlich geringeren Zahl in Bad Tölz werde eine Hauptabteilung „nicht kostendeckend zu betreiben sein“. Zumal eine weitere Fallzahlensteigerung nicht unbedingt zu einer Verbesserung des betriebswirtschaftlichen Ergebnisses führt. „Fixkostendegressionsabschläge“ heißt das Problem. Sehr vereinfacht ausgedrückt, bedeutet das, dass Krankenhäuser, die mehr Leistungen als zuvor vereinbart erbringen, für jede Mehrleistung weniger Geld bekommen. So sollen „Fallzahlensteigerungen in der stationären Versorgung begrenzt werden“.

Soll sich die Abteilung an der Tölzer Klinik also tragen, wird es nicht ohne einen Zuschuss gehen. Und zwar nicht einmalig, sondern dauerhaft. Und über genau diese Option soll der Kreisausschuss befinden. „Ich brauche erst einmal einen Verhandlungsauftrag“, sagt Niedermaier. Stimme das Gremium zu, beginnen die Verhandlungen mit Asklepios. An deren Ende wird eine Summe stehen, die der Landkreis in die Klinik pumpen muss und über deren Bereitstellung der Kreistag beschließen muss. Und es ist eine weitreichende Entscheidung. Denn wo ist der Anfang, wo das Ende? Ist es ein Präzedenzfall? Was passiert beispielsweise, wenn die nächste Abteilung in Schieflage gerät? „Deshalb ist es ja so wichtig, dass die Kreisräte sagen, ob sie den Weg mitgehen wollen“, sagt Niedermaier.

Aber darf der Landkreis überhaupt ein privates Unternehmen finanziell unterstützen? Auch auf diese Frage ist die Antwort schwierig. Der Landkreis sei verpflichtet, die bedarfsgerechte medizinische Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen. „In Bad Tölz erfüllt diesen Versorgungsauftrag Asklepios“, so Niedermaier. Aber gehört dazu tatsächlich auch eine Hauptabteilung Geburtshilfe? „Die Bevölkerung erwartet, dass es hier eine Geburtshilfe gibt“, antwortet der Landrat. Wolle man den Wunsch der Bürger erfüllen, „muss den Kommunen klar sein, dass sie den Geldbeutel aufmachen müssen“.

Die Sitzung des Kreisausschusses beginnt am kommenden Dienstag, 10. Januar, um 13 Uhr im kleinen Sitzungssaal des Landratsamts. Getagt wird öffentlich.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Heimatshop Winter Aktion, jetzt Rabatte von bis zu 30% sichern!

<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 0,5l
<center>Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l</center>

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l

Höfer1 - Pinot Sekt brut 0,75 l
<center>Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 1.0l</center>

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 1.0l

Wiesn Editionskrug Nr.1 "Gronemeyer-Schilz" 1.0l
<center>Oh Tannenbaum-CD von Sternschnuppe</center>

Oh Tannenbaum-CD von Sternschnuppe

Oh Tannenbaum-CD von Sternschnuppe

Meistgelesene Artikel

Leserfoto des Tages: Eisiges Kunstwerk in Gaißach
Leserfoto des Tages: Eisiges Kunstwerk in Gaißach
Das wird schön am Wochenende: Unsere Veranstaltungstipps
Das wird schön am Wochenende: Unsere Veranstaltungstipps
Frauen-Schnabler: In rosa den Steilhang runter
Gaißach - Besucher des Schnabler-Rennens dürfen sich auf eine Besonderheit freuen: Ein Damen-Schnabler wird sich den Hang herunterstürzen. Die Pilotinnen sind heißt …
Frauen-Schnabler: In rosa den Steilhang runter
Störung bei der BOB
Aufgrund einer Störung im Betriebsablauf fällt die BOB 86833 München  (Hbf ab 18:04 Uhr) zwischen München Hbf und Holzkirchen aus, teilt die BOB über Twitter mit. 
Störung bei der BOB

Kommentare