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Bis Ende März muss eine Lösung für die Tölzer Geburtshilfe-Abteilung her. Sonst droht die Schließung. Allerdings gibt es im Moment noch viele offene Fragen.

Thema Geburtshilfe im Stadtrat

Steiniger Weg zur Hauptabteilung

Die Geburtshilfe in Tölz erhalten – das wird noch ein langer, steiniger Weg. Das wurde am Dienstag in der Tölzer Stadtratssitzung deutlich, in der eine Fachanwältin für Medizinrecht zu Wort kam und auch Notfallszenarien durchgespielt wurden.

Bad Tölz – Eines ist sicher: Eine Belegabteilung wie bisher wird sich aus vielerlei rechtlichen, personellen und finanziellen Gründen an der Asklepios-Stadtklinik nicht mehr halten lassen. Spätestens Ende März muss eine tragfähige Lösung für die Tölzer Geburtshilfe gefunden sein. Die Komplexität des Themas, so die Münchner Anwältin für Medizinrecht, Andrea Mangold, die die Stadt berät, wird schon daran sichtbar, dass auch Extremszenarios für die Folgezeit bereits durchdacht werden. Für einen Notfall in Jachenau zum Beispiel sollen Rettungsärzte eine Zusatzausbildung erhalten. Es laufen auch Gespräche über die Verfügbarkeit der Hubschrauber Christoph 1 und 2.

Wie schon im Kreisausschuss erörtert wurde, steht derzeit die Bildung einer Hauptabteilung an der Asklepios-Stadtklinik im Raum – in Zusammenarbeit mit einem anderen Krankenhaus. Hierfür laufen bereits Kooperationsgespräche mit den Kliniken Agatharied und Garmisch-Partenkirchen. Denn eine Hauptabteilung ist teuer, sehr teuer. Statt um zwei noch dazu vergleichsweise billige Belegärzte geht es dann um rund acht Ärzte, sagte Bürgermeister Josef Janker, darunter ein Chefarzt und zwei Oberärzte. Hierfür sei mit einem siebenstelligen Betrag zu rechnen.

Eine der vielen Fragen, die zu lösen sind: Wie ist das zu finanzieren? Darf der Landkreis überhaupt einen Zuschuss leisten? Das hält Mangold, selbst Mutter von drei „Tölzer Kindln“, rechtlich für zulässig. Asklepios, so die Antwort Mangolds an Willi Streicher (SPD), kann aber nicht mit Verweis auf den Überleitungsvertrag (die Klinik wurde von der Stadt an den Konzern übergeben) dauerhaft zur Übernahme eines Defizits einer Geburtshilfeabteilung gezwungen werden. Ein Haus der Grundversorgung wie Tölz müsse nur eine „Innere“ und eine „Chirurgie“ vorhalten. Geburtshilfe, so das Gesetz, gehöre nicht zur Grundversorgung.

Damit so eine Hauptabteilung rentierlich arbeiten kann, benötigt sie Patienten. So richtet sich der Blick natürlich nach Wolfratshausen, wo jährlich 280 Babys (knapp die Hälfte der Tölzer Geburtenzahl) mit Hilfe zweier Belegärzte auf die Welt gebracht werden. Der von der großen Politik und vor allem von den Krankenkassen geförderte Trend zu großen Medizinzentren werde über kurz oder lang auch Wolfratshausen erreichen, ist Mangold überzeugt. Übrigens auch dann, wenn Tölz schließen sollte. So sei es sinnvoll, schon jetzt über eine „Komplettlösung für den Landkreis“ nachzudenken.

Interessant war, was Ingo Mehner (CSU) als Mitglied des Krankenhaus-Beirats anmerkte. Der Jurist, normalerweise sehr zurückhaltend, fand die Kommunikation von Asklepios in den vergangenen Monaten durchaus verbesserungswürdig. Dass die Belegabteilung auch aus rechtlichen Gründen geschlossen werden muss, habe der Konzern dem Beirat erst Ende November gesagt. Auch die Behauptung von Asklepios, dass man keine Ärzte für die Gynäkologen-Stellen in Tölz habe finden können, zweifelte der CSU-Ortsverbandsvorsitzende an. Er habe das persönlich überprüft. Dass erst die Politik, also Laien, das Thema Hauptabteilung zur Diskussion stellen musste, bevor es Asklepios, der Profi, tat, verwunderte den 39-Jährigen ebenfalls. Die Vorgänge um die Schließung der Fachklinik Lenggries (" Seite 1)hielt er für „unschön“. Auch, dass der Beirat nicht informiert worden sei. „Das hätte sich schon gehört.“

Bürgermeister Josef Janker beeilte sich angesichts dieser Worte auf „den gemeinsamen Weg“ zu verweisen, den man finden müsse. „Die Fachklinik Lenggries hat mit der Geburtshilfe nichts zu tun.“

Was das Personal betrifft, so hofft das Tölzer Stadtoberhaupt, dass eine Hauptabteilung in Kooperation mit der Geburtshilfeabteilung eines anderen großen Krankenhauses so attraktiv ist, dass sich genug fachärztliches Personal findet. Das sei durchaus ein Problem, bestätigte Andrea Mangold, die unter anderem im Spitzenverband Fachärzte in Berlin sitzt. Entgegen der Behauptungen der großen Politik, sei vor allem auf dem Land zunehmend ein Mangel an Haus- und Fachärzten zu verzeichnen. Christoph Schnitzer

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