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Seit der Schließung der Geburtshilfestation der Asklepios-Klinik Ende März hat sich die Situation für Schwangere im südlichen Landkreis deutlich verschlechtert.

Antrag der Grünen

Geburtshilfe: Ein Storchenwagen oder ein angemieteter Kreißsaal

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Kreisrätinnen der Grünen formulieren einen Antrag, um die Situation für Schwangere im südlichen Landkreis zu verbessern.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Zuletzt ging es im Kreistag beim Thema Geburtshilfe nur noch um die Stärkung der Kreisklinik Wolfratshausen und deren geplante Kooperation mit dem Klinikum Starnberg. Der zweite Teil des Kreistagsbeschlusses aus dem März sieht allerdings vor, dass auch für den Standort Tölz eine Lösung gefunden wird. Wie berichtet hat die Asklepios-Klinik ihre Belegstation Ende März geschlossen. Seitdem müssen schwangere Frauen aus dem südlichen Landkreis auf andere Krankenhäuser ausweichen und zum Teil lange Fahrstrecken in Kauf nehmen.

Ein Umstand, den die Kreisrätinnen der Grünen-Fraktion nicht hinnehmen wollen. „Wir befürchten, dass Tölz irgendwann kein Thema mehr ist“, sagt Kreisrätin Barbara Schwendner auf Anfrage. Sie und ihre Kolleginnen Annelies Wiedenbauer-Schmidt und Mechthild Felsch haben einen Antrag formuliert, der am 11. September im Kreis-Sozialausschuss (14 Uhr, Landratsamt) diskutiert werden soll.

Brenzlige Fahrten zum Kreißsaal

Seit der Schließung der Geburtsstation in Bad Tölz habe sich „die Situation für schwangere Frauen im südlichen Landkreis wesentlich verschlechtert“, heißt es im Antrag. Mehrere Familien hätten es durch brenzlige Fahrten gerade noch so in den Kreißsaal geschafft. „Auf der A 95 nach Garmisch waren zwei Niederkünfte im Auto zu verzeichnen.“ Zudem sei es für Schwangere schwierig, einen Platz in einem Geburtsvorbereitungs- oder Rückbildungskurs zu bekommen. Angebote, die vormals die Beleghebammen der Klinik gewährleisteten.

Da immer mehr Geburtsstationen schließen und zahlreiche Kliniken überlastet sind, würden sich Schwangere zunehmend für Haus- oder Alleingeburten entscheiden – mit den entsprechenden Risiken. Auch sei „durch die höhere Belastung in den umliegenden Krankenhäusern die fachliche Betreuung während der Geburt schlechter geworden“.

Der Kreis müsse das Thema anpacken, sind Barbara Schwendner und ihre Kolleginnen überzeugt. Sie stellen verschiedene Punkte zur Diskussion: beispielsweise die Anschaffung eines Storchenwagens durch den Landkreis. Dies sei ein Krankenwagen mit geburtshilflicher Ausstattung, der Schwangere sicher zum Kreißsaal bringt. Auch das Einrichten einer Schwangeren-Ambulanz regen die Grünen an. „Aus unserer Sicht brauchen Schwangere vor Ort kompetente Ansprechpartner, die individuell weiterhelfen können“, erklärt Schwendner.

Zu überlegen sei zudem, ob der Kreis die Einrichtung eines Geburtshauses fördern kann – „durch eine finanzielle Unterstützung oder eine Immobilie“, so Schwendner. Ein derartiges Angebot gab es schon einmal in Tölz. Aufgrund der horrenden Haftpflichtversicherungsbeiträge für die Hebammen schloss die Einrichtung allerdings. „Aber wenn man das will, finden wir auch eine Lösung“, sagt Schwendner.

Bedenkenswert sei aber auch ein von Hebammen geführter Kreißsaal in Bad Tölz. „Dieser müsste an ein Krankenhaus angeschlossen werden“, so Schwendner. Vorstellbar sei, dass man von der Asklepios-Klinik den Kreißsaal anmiete und über einen Kooperationsvertrag sicherstelle, dass bei einem Notfall Ärzte der Klinik eingreifen.

Die Grünen plädieren außerdem für die Anwerbung zusätzlicher Hebammen und dafür, sofort in die Verhandlungen mit Hebammen und Frauenärzten einzusteigen, um die Maßnahmen umzusetzen. „Finanzielle Mittel müssen im erforderlichen Umfang bereitgestellt werden. Bei Bedarf sind die Stadt Bad Tölz sowie die südlichen Landkreisgemeinden mit einzubeziehen“, heißt es im Antrag. „Die ganze Gesellschaft profitiert von einer guten Geburtssituation – das sollten uns unsere Familien wert sein.“

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