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Frühestens im Herbst 2018 könnte theoretisch die geplante Hauptabteilung für Geburtshilfe an der Kreisklinik Wolfratshausen starten. 

Thema im Kreisausschuss

Geburtshilfe: In Verhandlungen spielt Tölz keine Rolle

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Die Geburtshilfestation in Bad Tölz ist seit März geschlossen. Dennoch beschäftigte sie gestern über zwei Stunden lang den Kreisausschuss. Mehrere Anträge lagen vor. Unter anderem wollte die CSU wissen, was Sache ist bei den Verhandlungen zwischen den Kliniken Wolfratshausen und Starnberg.

Bad Tölz-Wolfratshausen– Landrat Josef Niedermaier ging auf die Historie ein. Nach dem Beschluss des Kreistags im März, Verhandlungen mit Klinikbetreibern zu führen mit dem Ziel, die Geburtshilfe am Standort Wolfratshausen auszubauen, gab es sehr schnell Gespräche mit Geschäftsführern anderer Häuser. Am 3. April habe der Aufsichtsrat der Kreisklinik beschlossen, „dass das Klinikum Starnberg eine Hauptabteilung in eigener Verantwortung an der Kreisklinik eröffnen soll“, so Niedermaier. Die genauen Details seien auszuarbeiten. „Der Aufbau dieser Hauptabteilung wird Monate dauern.“ Im besten Fall sei mit einem Start im Herbst 2018 zu rechnen. Wenn bis dahin die nötigen Ärzte gefunden sind – „das ist unser Hauptproblem“, so Niedermaier.

Auch die Schnittstellen zwischen den Kliniken müssten erst noch genau definiert werden. Wo beginnt die Zuständigkeit der einen, wo die der anderen? Das sei gerade in Haftungsfragen wichtig, ergänzte der Landrat. Auch muss geklärt werden, ob an die Klinik angebaut werden muss. „Bis 700 Geburten lässt sich das Gebäude ertüchtigen. Alles darüber ist nur mit einer Erweiterung zu stemmen.“

Mehr als 700 Geburten – momentan sind es rund 450 pro Jahr – wären aber durchaus wünschenswert. „Denn unter 800, 900 Geburten ist eine Hauptabteilung wirtschaftlich nicht zu betreiben“, sagte Niedermaier. Ob die in Wolfratshausen erreicht werden können, ist fraglich. Knapp 1200 Geburten gibt es im Landkreis pro Jahr. Etwa ein Drittel der Mütter entschied sich aber schon vor der Schließung der Tölzer Station dazu, außerhalb des Landkreises zu gebären. Es ist also wahrscheinlich, dass die Geburtshilfe in Wolfratshausen – zumindest am Anfang – nur mit Defizit zu betreiben ist, das vermutlich der Landkreis ausgleichen muss.

Es lag nicht am Geld, das Personal fehlte

Im Juli beauftragte der Aufsichtsrat eine Anwaltskanzlei mit der Formulierung des Kooperationsvertrags. Am 7. September gab es ein Abstimmungsgespräch im Gesundheitsministerium. Dort beantragte der Aufsichtsrat Ende Oktober auch, dass Starnberg am Standort Wolfratshausen eine Geburtshilfe mit zwölf Betten – bisher sind es sieben – betreiben darf. Am 20. November hat nun der bayerische Krankenhausplanungsausschuss dieser Änderung zugestimmt.

Soweit zu Wolfratshausen. Was aber ist mit Bad Tölz? Immerhin hat der Kreistag im März ebenfalls beschlossen, dass das Ziel der Verhandlungen sein soll, auch dort eine Geburtshilfeabteilung zu betreiben. „Tölz spielt in den Verhandlungen keine Rolle“, sagte Niedermaier. „Die Gespräche sind schwierig genug.“ Zudem rief er die Ausführungen der Expertenrunde im März im Kreistag in Erinnerung. „Damals ist uns klar gesagt worden, dass im Landkreis maximal eine Hauptabteilung wirtschaftlich zu betreiben ist.“ Allerdings sei die dort ebenfalls erfolgte Empfehlung, dass Tölz der bessere Standort sei, übergangen worden, merkte Barbara Schwendner (Grüne) an.

Laufe die Abteilung in Wolfratshausen, könne man sich natürlich noch einmal Gedanken machen, ob ein weiterer „Ableger“ in Tölz möglich ist, sagte Niedermaier, klang aber skeptisch. Denn eines werde immer gerne vergessen: Die Geburtshilfe sei nicht geschlossen worden, weil der Kreistag dem Zuschuss nicht zugestimmt habe. „Das Problem waren die Gynäkologen, die nicht als Belegärzte arbeiten wollten“ – trotz aller Bemühungen. „Der Tölzer Bürgermeister hat jeden besucht und mit ihm darüber geredet.“

Das betonte Rathauschef Josef Janker (CSU). Die Schließung der Station sei unabwendbar gewesen, nachdem Dr. Stephan Krone zum 31. März als Belegarzt seinen Dienst quittiert habe. Übrig blieb nur noch Belegärztin Dr. Florina Rummel. Aber die rund 550 Geburten pro Jahr waren schon mit zwei Medizinern eigentlich nicht zu schaffen. „Ohne Ärzte kann man keine Geburtshilfe betreiben“, sagte Janker.

Förderprogramm macht Hoffnung

Das seit 2016 geltende Antikorruptionsgesetz macht den Job des Belegarztes zudem noch unattraktiver. Es verhindert nämlich, dass Asklepios – wie bis dahin üblich – den Ärzten bei den Haftpflichtversicherungsbeiträgen unter die Arme greift.

Schwendner wollte an den Personalmangel nicht so recht glauben. „Es gab auch zwei fest angestellte Ärzte und ständig Bewerbungsgespräche.“ Fakt ist allerdings, dass der fest angestellte Oberarzt aufgrund der unsicheren Perspektive ebenfalls zum 31. März gekündigt hatte und die Oberärztin bis Mitte des Jahres in Elternzeit war. „Wenn wir fünf Belegärzte bringen, hat Asklepios zugesagt, dass sie die Geburtsstation wieder aufmachen“, sagte Janker. „Aber diese Ärzte haben wir eben nicht.“

Dennoch wolle er von dem Beschluss, auch für Tölz eine Lösung zu suchen, nicht abrücken, sagte Werner Weindl (CSU). „Wir müssen für beide Standorte eine gute Lösung finden.“ Hoffnungen setzt er hier in das Förderprogramm, das das bayerische Kabinett gerade beschlossen hat. Dieses setzt auf zwei Säulen. In der ersten geht es um die Sicherstellung der Hebammenhilfe. Bereits ab 2018 sollen Landkreise für jedes neugeborene Kind eine Förderung von 40 Euro erhalten. Dieses Geld kann dann dafür eingesetzt werden, um die Hebammenhilfe zu stärken. Wie das gemacht werden soll, ist derzeit noch vage. Im Entwurf ist von „geeigneten Maßnahmen“ die Rede. „Man muss mal sehen, was damit gemeint ist“, sagte CSU-Fraktionschef und Landtagsabgeordneter Martin Bachhuber. Aber hochgerechnet auf die Geburtenzahlen im Landkreis wären das rund 40 000 Euro, die hier zur Verfügung stehen würden. Die zweite Fördersäule zielt darauf ab, Kommunen bei der Finanzierung von defizitären Geburtsstationen zu unterstützen. Bis zu einer Million Euro pro Jahr seien möglich, so Bachhuber – wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt seien. Ab 2019 wäre das Auszahlen dieser Zuschüsse möglich. Aber auch hier ist eine genauere Ausarbeitung nötig.
Sobald  es weitere Einzelheiten zu möglichen Förderungen gibt, so Weindl weiter,  „sollten wir schauen, ob wir ein Gesamtpaket für den Landkreis stricken können“.

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