+
Die Zukunft der Geburtshilfe an der Asklepios-Stadtklinik Bad Tölz wird demnächst den Kreistag beschäftigen.

Umfrage unter Fraktionssprechern

Geburtshilfe: Kreisräte unter Zeitdruck

  • schließen

Der Tag der Entscheidung rückt näher: Am 24. März, soll der Kreistag darüber befinden, ob sich der Landkreis dauerhaft finanziell an einer Hauptabteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie am Tölzer Krankenhaus beteiligt – die wohl einzige Möglichkeit, dass die Entbindungsstation nach der Schließung zum 28. März ihren Betrieb wieder aufnehmen könnte.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Zeitdruck auf die Kreisräte ist groß: Alle Fakten kommen – wenn überhaupt – erst in einer Sondersitzung des Kreisausschusses am 17. März auf den Tisch, bei der regionale und überregionale Experten zu Wort kommen sollen. Den Kommunalpolitikern bleibt also nur eine Woche, um sich eine abschließende Meinung zu bilden und eine Handlungsempfehlung für den Kreistag zu formulieren.

Dieses knappe Zeitfenster sieht FDP-Kreisrat Günther Fuhrmann äußerst kritisch. „Am 17. März bekommen wir zum ersten Mal richtige Daten an die Hand“, betont der Fraktionssprecher der Ausschussgemeinschaft (FDP/Bayernpartei). „Es muss erlaubt sein, diese Infos mit den anderen Fraktionen auszudiskutieren.“ Und das koste eben Zeit.

Die braucht Fuhrmann nach eigenen Angaben auch, um die beiden Angebote zu studieren, die die Kliniken in Agatharied und Garmisch-Partenkirchen im Hinblick auf eine gemeinsame Hauptabteilung bereits Anfang Februar an Asklepios geschickt haben. „Die will ich lesen.“

Und auch sonst gebe es zahlreiche offene Fragen: Darf der Kreis einen Privatkonzern überhaupt mit einem sogenannten Sicherstellungszuschuss in siebenstelliger Höhe unterstützen? Und welche Summe steckt wirklich hinter dieser vagen Formulierung? „Siebenstellig kann auch zwei Millionen heißen“, sagt Fuhrmann. „Solange ich nichts Genaues weiß, kann ich keine Entscheidung treffen.“

Ins selbe Horn stößt CSU-Fraktionssprecher Martin Bachhuber und ergänzt: „In der Sitzung werden sich bestimmt neue Fragen ergeben, die nicht bis zum 24. beantwortet werden können.“ Diese Bedenken hat der Bad Heilbrunner dem Landratsamt auch schriftlich mitgeteilt, wie er sagt. Am Zeitplan ändern wird sich dennoch nichts: „Die Sitzung des Kreistags findet definitiv am 24. März statt“, heißt es aus dem Amt.

Diese Nachricht dürfte Reiner Berchtold nicht gefallen, denn auch er hätte sich mehr Zeit gewünscht. „Das Problem ist ja erst relativ spät von Asklepios an den Kreistag herangetragen worden“, sagt der SPD-Fraktionssprecher. Dass er und die anderen Mitglieder des Gremiums nun derart unter Zeitdruck geraten sind, gefällt ihm gar nicht. „Unter diesen Umständen kommt eventuell keine optimale Entscheidung zustande.“

Für ihn selbst ist klar: Gewährt das Tölzer Krankenhaus dem Kreistag keinen Einblick in seine Geschäftsbücher, hat er große Schwierigkeiten damit, einer dauerhaften finanziellen Beteiligung des Kreises zuzustimmen. „Ich befürchte aber, dass Asklepios da mauern wird.“ Unabhängig davon erhofft sich auch Berchtold, dass in der Sitzung am 17. März entscheidende Informationen fließen werden, die den Kreisräten die schwere Entscheidung erleichtern könnte.

Wer genau an diesem Tag als Experte in Erscheinung treten wird, steht laut Landratsamts-Sprecherin Sabine Schmid noch immer nicht fest. Angefragt hat die Behörde unter anderem beim bayerischen Gesundheitsministerium, um einen Überblick über die Situation der Krankenhäuser und Geburtshilfeabteilungen in ganz Deutschland zu bekommen. Zu Wort kommen sollen aber auch Ärzte und Hebammen aus der Region. Ziel ist es, die Fakten detailliert darzustellen, um dem Kreistag eine handfeste Entscheidungsgrundlage zum weiteren Vorgehen unterbreiten zu können.

So eine Basis ist laut Grünen-Fraktionssprecher Klaus Koch auch dringend notwendig. Zwar habe es bereits mehrere Fraktionssitzungen und etliche Gespräche mit Ärzten und Hebammen zu diesem Thema gegeben. „Ein abschließendes, einheitliches Bild konnten wir uns aber noch nicht machen.“ Von der Expertenanhörung erwartet sich Koch keine Lösung auf dem Silbertablett. „Aber ich erhoffe mir Hinweise darauf, wie wir eine größtmögliche Sicherheit für unsere Bürgerinnen herstellen können.“

Die beste Lösung für alle werdenden Mütter – das wünscht sich auch der Fraktionssprecher der Freien Wähler, Hans Sappl. Als Mitglied im Kreistag und im Tölzer Klinikbeirat kennt er beide Seiten der Medaille – und spricht von einem klaren Konflikt zwischen Bauchgefühl und Verstand. Eine Entscheidung, wie er am 24. März abstimmen wird, hat Sappl noch nicht getroffen. Auch er will abwarten, was die Experten zu sagen haben. Doch eines weiß er schon jetzt: „Es wird schwer, die Entbindungsstationen in Tölz und Wolfratshausen aufrecht zu erhalten. Sehr schwer.“

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Stiftung Nantesbuch: Feuer und Flamme für „Moosbrand“
Es war das erste Festival, das die Stiftung Nantesbuch bei Bad Heilbrunn veranstaltete. „Moosbrand“, so der Titel, sollte ein dreitägiges Literatur- und Musikfest für …
Stiftung Nantesbuch: Feuer und Flamme für „Moosbrand“
Tipps gegen Langeweile: Das steht an am Montagabend
Tipps gegen Langeweile: Das steht an am Montagabend
Gut besuchte Elektro-Flugtage in Greiling
Gut besuchte Elektro-Flugtage in Greiling
Ab Montag Baumaßnahmen am Blomberg
Am Blomberg wird in den nächsten Wochen und Monaten einiges gewerkelt: Sowohl der Rodelweg als auch die Bergbahn erhalten eine Auffrischung.
Ab Montag Baumaßnahmen am Blomberg

Kommentare