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Start zum 1. Juli

Geburtshilfe: Wolfratshausen wird Außenstelle des Klinikums Starnberg

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Neues zum Thema Geburtshilfe im Landkreis: Der Weg ist frei für eine Zusammenarbeit der Kreisklinik Wolfratshausen mit dem Starnberger Klinikum. Das lässt sich der Landkreis einiges kosten.

Bad Tölz-Wolfratshausen - Der Tölzer Kreistag sagt Ja: Mit 42:8 Stimmen gab das Gremium am Freitag in nicht öffentlicher Sitzung grünes Licht für die Kooperation zwischen der Kreisklinik Wolfratshausen und dem Klinikum Starnberg. Damit ist die Geburtshilfe zumindest an einem Standort im Kreis gesichert.

 Die Kooperation der beiden Häuser ist essenziell für die Zukunft für die Geburtshilfe im Landkreis. Denn momentan gibt es an der Kreisklinik Wolfratshausen – wie vormals an der vor einem Jahr geschlossenen Station in Bad Tölz – nur eine Belegabteilung mit drei Gynäkologen. Es ist ein System, das nicht zukunftsfähig ist. Oder, wie es Dr. Thomas Weiler, Geschäftsführer der Starnberger Kliniken, ausdrückt: „Die Rahmenbedingungen für Belegärzte sind grottenschlecht geworden. Unter ökonomischen Gesichtspunkten kann man so nicht mehr arbeiten. Ich ziehe meinen Hut vor jedem, der das noch macht.“

Die landkreiseigene Klinik Starnberg wird nun am Standort Wolfratshausen eine Hauptabteilung Geburtshilfe und Gynäkologie mit (vorerst) zwölf Betten gründen und betreiben. Das heißt: Wer dort Patient ist, ist Patient des Klinikums Starnberg. Anders als bislang wird es in Wolfratshausen künftig auch eine kinderärztliche und notfallmäßige Versorgung der Neugeborenen geben. „Es ist eine Rundum-Versorgung, rund um die Uhr“, sagt Weiler. Zwei Gynäkologen werden immer vor Ort sein, ebenso ein Kinderarzt, der im Notfall hinzugezogen werden kann. Auch einen OP der Kreisklinik werde die neue Hauptabteilung im Bedarfsfall nutzen können, sagte der Wolfratshauser Klinikgeschäftsführer Hubertus Hollmann.

Landkreis übernimmt jährliches Defizit von maximal 1,5 Millionen Euro

Das generelle Ziel der Starnberger ist es, dieselbe Qualität wie im Stammhaus auch am Standort Wolfratshausen anzubieten. „Die Kooperation ist ein großer Schritt nach vorne. Damit ist gesichert, dass es im Landkreis hochwertigste Geburtshilfe geben wird“, betonte Landrat Josef Niedermaier.

Sein Starnberger Kollege Karl Roth sieht in der Partnerschaft eine „Win-win-Situation“. „Über 3000 Geburten am Klinikum erzeugen Druck.“ Der sei noch gewachsen durch die Schließungen der Geburtshilfen in Weilheim und Tölz. Sprich: Können Frauen auf einen weiteren Standort ausweichen, entspannt sich die Situation in Starnberg. Der Beschluss des Kreistags, der Kooperation zuzustimmen, „ist ein Vertrauensauftrag an uns“, betonte Roth in einem Pressegespräch nach der nicht öffentlichen Sitzung.

Er ist aber noch viel mehr als das: Denn Kernpunkt des Beschlusses ist die Bereitschaft des Landkreises, das zu erwartende Defizit auszugleichen. Maximal 1,5 Millionen Euro wird der Landkreis pro Jahr übernehmen – für die nächsten fünf Jahre. „Herr Weiler hat uns aber zugesichert, dass es das Ziel ist, die Hauptabteilung zu einer schwarzen Null zu führen“, sagte Niedermaier.

Laufzeit der gesamten Kooperationsvereinbarung sind 15 Jahre. Gegenstimmen kamen am Freitag aus den Fraktionen der Grünen und der CSU.

Hauptabteilung startet am 1. Juli

Die Hauptaufgabe wird es nun sein, Personal zu finden. Sechs Kinderärzte und neun Gynäkologen müssen eingestellt werden. Die drei bislang tätigen Belegärzte erhalten Teilanstellungsverträge. Auch das Hebammenteam, das, so Weiler, „hervorragende Arbeit leistet“, bleibt dem Standort erhalten. Dazu muss jede Menge Pflegepersonal gefunden werden. Läuft alles glatt, soll die Hauptabteilung zum 1. Juli starten.

Aber warum ist der Landkreis bereit, jetzt 1,5 Millionen Euro pro Jahr bereitzustellen, während man denselben Zuschuss für die Tölzer Asklepios-Klinik vor einem Jahr abgelehnt hat? Bei Asklepios hätten es die möglichen Kooperationspartner Agatharied und Garmisch-Partenkirchen stets abgelehnt, selbst eine Hauptabteilung am Standort Tölz zu betreiben. Lediglich Unterstützung bei der Personalakquise habe man zugesagt, erklärte Niedermaier. „Starnberg betreibt nun in eigener Verantwortung unter seinem Namen und mit seiner Qualität eine Abteilung in Wolfratshausen“ – mit der Aussicht, dass sich der Standort irgendwann selbst trägt. Aber in erster Linie sei die Frage, ob es gelingt, auf dem Arbeitsmarkt ausreichend Personal zu finden. Das große Klinikum Starnberg ist hier ein attraktiver Arbeitgeber. Und weil die räumliche Nähe zu Wolfratshausen einen, so Weiler, „engen Austausch zwischen den Häusern ermöglicht, glauben wir, dass wir so für den Arbeitsmarkt noch attraktiv sind.“ An einem Standort, der so weit entfernt sei wie Tölz, seien dieser enge Austausch und die Aufrechterhaltung des medizinischen Standards nicht mehr möglich. „Die räumliche Nähe ist für uns ein kritischer Erfolgsfaktor.“

Lesen Sie auch: Geburtshilfe: Babyboom in Wolfratshausen nach Aus für Tölz. Mögliches Geburtshaus: Schwarz-grüne Mehrheit für Zuschuss. Und: Jetzt reicht's: Weilheimer demonstrieren gegen Kreißsaal-Aus

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