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„Die Situation ist total beschissen.“ Annette Schumacher-Gebler freut sich auf ihr Kind. Doch die Ungewissheit um die Tölzer Geburtshilfe macht sie nervös.

Unklarheit um Tölzer Geburtshilfe

Werdende Mütter machen sich große Sorgen

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Bad Tölz - Die Unsicherheit um die Zukunft der Geburtshilfe an der Tölzer Asklepios-Stadtklinik ist für eine Gruppe besonders belastend: Werdende Mütter kurz vor dem Geburtstermin. Auch Annette Schumacher-Gebler aus Bad Tölz stellt sich viele bange Fragen.

Für Annette Schumacher-Gebler ist Bad Tölz der ideale Wohnort. „Hier gibt es einfach alles: Einkaufsmöglichkeiten, tolle Kulturangebote, gute Schulen“, sagt sie. Weil man in Tölz zwar schön leben, demnächst vielleicht aber nicht mehr auf die Welt kommen kann, ist Schumacher-Gebler nervös. Denn die 38-Jährige ist hochschwanger. Ihre Stimme bebt, wenn sie sagt: „Ich komme mir verarscht vor. Die Situation ist total beschissen.“

Auf den Gängen der Tölzer Asklepios-Klinik und in Geburtsvorbereitungskursen kursierten dieser Tage verschiedenste Gerüchte. Im Stundentakt. Auch Schumacher-Gebler schnappte sie auf: „Intern hat niemand damit gerechnet, dass es die Geburtshilfe ab 1. Januar noch gibt.“ Ihr erstes Kind soll am 31. Dezember kommen. Schumacher-Gebler machte sich Sorgen. Tag und Nacht. Was ist, wenn sich der Bub tatsächlich an Silvester um 23 Uhr ankündigt? „Werde ich dann um Mitternacht verlegt? Schicken die mich mit dem Sanka nach Garmisch? Oder muss ich da selbst mit dem Auto hinfahren?“ Die Ungewissheit ließ die Tölzerin panisch werden. „Niemand hat mal eine konkrete Aussage gemacht. Es muss doch eine Lösung geben.“

Die Ärzte rieten Schumacher-Gebler ganz klar, sich eine Alternative zu suchen. In Agatharied und Starnberg hätten schon viele Frauen aus dem Tölzer Land angefragt. Zu viele. Sie dachte an Starnberg – und Harlaching, wo sie selbst geboren wurde. Das Klinikum hat sie zuletzt besichtigt. Doch sie nahm nicht die besten Eindrücke mit. „Man will sich gut aufgehoben fühlen und keine Nummer sein“, sagt die werdende Mutter. Sie möchte sicher sein, dass alles klappt. „Ich habe ja keine Ahnung, wie Kinderkriegen geht.“ Zur Sicherheit habe sie sich in Neuperlach angemeldet.

Auch Judith Högl schätzt die persönliche Betreuung durch die Tölzer Hebammen, „das Familiäre hier“. Die Lenggrieserin erwartet Anfang Januar ein Mädchen. Högl nervten die Spekulationen, an denen sie sich nicht beteiligen wollte. Die 34-Jährige räumt zwar ein, dass auch sie „auf Kohlen saß“. Doch sie sehe das gelassener als manch andere Frauen: „Irgendwie kommt’s schon raus. Ich ziehe auch eine Hausgeburt in Erwägung.“

Ihre Hebamme auch: „Das ist das Normalste der Welt“, sagt Kathleen Hodbod. „Aber es gibt Ausschlusskriterien.“ Keine Option sei eine Hausgeburt, wenn die Mutter Bluthochdruck hat, an Diabetes leidet, Zwillinge bekommt oder das Kind falsch im Bauch liegt. Hodbod hat Argumente für die Geburt daheim: „Es werden keine Medikamente eingesetzt, und die Eltern lernen ihr Kind gleich kennen.“ Hodbod betreut mehrere Frauen, die sie „Wiederholungstäter“ nennt. Von ihnen habe sie ob der ungewissen Zukunft der Tölzer Klinik einige Hausgeburt-Anfragen.

Judith Högl ist zum ersten Mal schwanger. Sie glaubt, dass am Ende alles gut wird und scherzt: „Sonst muss ich auf Herbergssuche gehen – wie damals Maria und Josef.“Tobias Gmach

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