+
Wo können Kinder aus dem Tölzer Raum künftig zur Welt kommen? Auch nach einem Spitzengespräch zur Tölzer Geburtshilfe am Mittwoch herrscht darüber noch Unklarheit. Die umliegenden Kliniken bereiten sich auf alle Eventualitäten vor.

Geburtshilfe

Nachbar-Kliniken nur zum Teil gerüstet

  • schließen

Bad Tölz - Um die Zukunft der Geburtshilfe in der Tölzer Asklepios-Klinik wird weiter gerungen. Die Nachbar-Kliniken stellen sich zum Teil darauf ein, in Zukunft die Patientinnen aus dem Tölzer Raum zu versorgen. Doch nicht überall gibt es dafür Kapazitäten.

Wie geht es weiter mit der Geburtshilfe im Tölzer Krankenhaus? Von einem Spitzengespräch am gestrigen Mittwoch ist bislang nur bekannt, dass der Schließungstermin 31. Dezember vom Tisch ist (siehe Kasten). Sollte es aber in Tölz längerfristig nicht weitergehen, müssten sich die umliegenden Kliniken auf eine Steigerung der Geburtenzahlen einstellen.

Einem potenziellen Anstieg der Geburten in den Krankenhäusern Weilheim und Schongau „sehen wir gelassen entgegen“, sagt Isa Berndt, Sprecherin für beide Kliniken. Bereits in diesem Jahr seien in den zwei Krankenhäusern mehr Kinder zur Welt gekommen: In Schongau stieg die Zahl von 327 im Jahr 2015 auf 400 in diesem Jahr, in Weilheim von 291 auf 337. Man gehe davon aus, so Berndt, dass sich die Geburten aus Bad Tölz auf die umliegenden Krankenhäuser verteilen würden.

Auch im Klinikum Garmisch-Partenkirchen verfolgt man die aktuellen Geschehnisse in Bad Tölz. „Es ist sehr schade, dass sich das in diese Richtung entwickelt“, sagt der Chefarzt der Gynäkologie, Rainer Wahl. „Seit sich angedeutet hat, dass es in Tölz nicht mehr weitergehen könnte, haben wir uns natürlich Gedanken gemacht.“ Derzeit werde die Mutter-Kind-Station erweitert. Allerdings hängt das auch damit zusammen, dass schon in diesem Jahr eine deutliche Geburtensteigerung zu verzeichnen war, von etwa 750 im Vorjahr auf voraussichtlich über 900. „Wir richten uns auf 1000 Geburten im Jahr ein“, sagt Wahl. Das Personal im Kreißsaal könne das stemmen, bezüglich der Betten werde derzeit auf die Nachbarstation erweitert. „Wir müssen aufgrund der Signale aus Tölz vorausschauend handeln.“ Wahl rechnet zwar nicht mit einem riesigen Andrang aus Tölz – „wir sind doch relativ weit weg“. Aber gerade für Schwangere aus dem südwestlichen Landkreis könne Garmisch interessant sein. Einige Frauen aus dem Tölzer Umkreis hätten sich informiert. „Wir haben auch schon Babys von Müttern entbunden, die aus Tölz zu uns gewechselt sind“, sagt Wahl.

Das Krankenhaus Agatharied sei „sicher nicht für alle Schwangeren die nächstgelegene Anlaufstelle“, sagt dessen Geschäftsführer Michael Kelbel. Sollte es aber zu einer Schließung der Tölzer Geburtshilfe-Abteilung kommen, rechne man „mit bis zu 300 zusätzlichen Geburten aus dem Umfeld von Bad Tölz und dem östlichen Landkreis“. Ursprünglich sei Agatharied auf etwa 700 Geburten im Jahr ausgelegt gewesen. „In diesem Jahr wird wohl erstmals die Schallmauer von 1000 Geburten durchbrochen werden.“ Schon jetzt gebe es ein größeres Interesse an Agatharied. Auf eine weitere Steigerung durch eine mögliche Schließung der Geburtshilfe Tölz wären „weder unsere Kreißsäle noch die Wochenstation im Moment eingerichtet“. Kelbel würde sich daher wünschen, dass künftig solche weitreichenden Maßnahmen langfristiger geplant werden.

Viele Frauen aus dem Landkreis orientieren sich nach Starnberg, sagt der Leiter des Klinikums, Dr. Thomas Weiler. Gerade in den vergangenen Tagen und Wochen sei die Steigerung stark bemerkbar gewesen. Man würde niemanden ablehnen. „Aber wir können auch an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen.“ Weiler rechnet mit 2600 Geburten in diesem Jahr – eine enorme Zahl im Vergleich mit den anderen Kliniken. „Aber es geht hier um die Versorgung der Bevölkerung. Letztendlich soll keine Schwangere durch halb Oberbayern reisen müssen, um ihr Kind zu bekommen.“

Auch in der Kreisklinik Wolfratshausen haben sich bereits Schwangere aus dem südlichen Landkreis vorgestellt. Etwa 250 Babys kommen dort im Jahr zu Welt. „Wir haben eine gute Auslastung, aber man könnte auf uns ausweichen“, sagt Ingo Kühn, stellvertretender Leiter der Kreisklinik. Er hat allerdings Hoffnung für den Standort Tölz. „Ich denke, dass eine Lösung gefunden wird.“

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Verletzte bei Unfall am Bahnübergang in Bichl
Bichl - Im dichten Schneetreiben hat sich am Montagabend ein Verkehrsunfall am Bahnübergang in Bichl ereignet.
Verletzte bei Unfall am Bahnübergang in Bichl
Bahnstrecke nach Kochel gesperrt
Derzeit ist die Strecke zwischen Bichl und Kochel gesperrt. Die Züge aus Richtung Tutzing verkehren bis Bichl und enden dort vorzeitig. Ein Schienenersatzverkehr mit Bus …
Bahnstrecke nach Kochel gesperrt
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Montagabend
Tipps gegen Langeweile: Das ist los am Montagabend
Brauneck: Eine Gämse auf Nahrungssuche 
Brauneck: Eine Gämse auf Nahrungssuche 

Kommentare