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Schnell unterwegs ist man leicht mit einem E-Bike. Das Fahrverhalten ist grundlegend anders als bei herkömmlichen Fahrrädern.

Motorisierte Fahrräder

Gefahren des E-Bikens: Das sagen Händler und erfahrene Radler

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Schwerer, schneller, gefährlicher? E-Bike-Fahren kann tückisch sein. Gerade immer mehr ältere Menschen setzen sich auf motorisierte Räder. Laut Polizei haben die Unfälle erheblich zugenommen.Am Sonntag starb ein E-Biker am Blomberg.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ein 71-jähriger Gaißacher verlor am Sonntag sein Leben, nachdem er mit seinem E-Bike in ein parkendes Auto gefahren war (wir berichteten). Der Mann war vom Blomberg heruntergekommen und hatte die Kontrolle über das Rad verloren. Nach dem Zusammenstoß mit dem Auto stürzte er in einen Graben. Im Krankenhaus erlag er seinen Verletzungen. Die Polizei ermittelt nun in Absprache mit der Staatsanwaltschaft, wie Hauptkommissar Andreas Loeffler sagt: „Wir warten das technische Gutachten ab.“ Es stellt fest, ob das Rad einen Defekt hatte.

Die Unfallursache war am Montag noch nicht abschließend geklärt. Fest steht aber: Die Unfälle mit E-Bikes oder Pedelecs, bei denen der Elektromotor nur beim Treten der Pedale anspringt, nehmen zu. Natürlich auch, weil gerade immer mehr Menschen den Trend für sich entdecken. Stefan Sonntag, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, nennt Zahlen für neun Landkreise und die Stadt Rosenheim im Voralpenland: 2017 gab es 188 Unfälle mit E-Biker-Beteiligung. 2016 waren es noch 137. Getötet wurden laut Sonntag 2016 fünf und 2017 zwei Fahrer.

„Bei E-Bikes sind ganz andere Massen in Schwung.“

Der Fall vom Blomberg zeige ein Problem: „Da fährt jemand mit 71 Jahren hoch. Das hätte er mit einem herkömmlichen Rad wohl nicht mehr geschafft.“ Der Polizeisprecher kennt die näheren Umstände des Unfalls nicht und will nicht spekulieren. Klar ist für ihn aber: „Bei E-Bikes sind ganz andere Massen in Schwung. Die physikalischen Abläufe sind anders, da braucht es bessere Technik. Und manche unterschätzen das.“ Ein Trekking-Pedelec kann schon mal 25 Kilo oder mehr wiegen.

Ein Drittel der Fahrräder, die Peter Riedelsheimer in seinem Tölzer Geschäft verkauft, haben einen Hilfsmotor. „Der Trend hält an, ist aber nicht mehr so explosiv wie vor drei Jahren“, sagt er. Der Blomberg-Unfall hat Riedelsheimer schockiert: „Da stellt es uns die Haare auf, es könnte ja ein Kunde von uns sein.“ Eine ausführliche Gefahren-Aufklärung liefern er und seine Kollegen den E-Bike-Käufern zwar nicht, die Beratung laufe aber ganz anders als bei üblichen Rädern: „Wir versuchen genau rauszukriegen, wo der Kunde mit dem Rad hin will. Manche wollen mit dem City-Bike auf den Berg. Das geht auch. Aber bergab darennst du dich“, sagt er auf gut bairisch. Für die richtige Federgabel, Sitzposition und weniger Kilo müsse man zu Mountain-E-Bikes greifen. Riedelsheimer weist die Kunden bei der Probefahrt auf das höhere Tempo und vor allem auf die flottere Beschleunigung hin.

Geretsriederin wurde von Händler falsch beraten

Von einem anderen Händler schlecht beraten wurde einst Anneliese Salzer aus Geretsried. „Der Rahmen war viel zu groß“, erinnert sie sich am Telefon an den Kauf vor sieben Jahren. Ein E-Bike legte sich die 1,55 Meter kleine Frau damals zu, „weil ich meinem Mann nicht mehr hinterhergekommen bin“. Im Mai 2017 stürzte Salzer auf dem Isarweg Richtung Wolfratshausen, mit gebrochenem Ellbogen wurde sie ins Krankenhaus geflogen. Sie war auf den Seitenstreifen gekommen und beim Versuch gegenzulenken über den Lenker gefallen. „Das war meine Schuld“, sagt die 65-Jährige heute. „Man muss viel mehr aufpassen als mit einem normalen Radl.“ Die Unsicherheit blieb nach dem Sturz, letzte Woche kaufte sich Salzer ein neues, diesmal passendes E-Bike.

Eine große Umstellung war der Wechsel zum E-Bike für den Lenggrieser Rudi Recht. „Die Bremsen greifen viel besser, in den Kurven schiebt der Motor an. Viele Ältere beherrschen das nicht“, sagt der 66-Jährige. Für diese Gruppe bot die Kreisverkehrswacht auf der Seniorenmesse in Wolfratshausen bereits zweimal Fahrtrainings an. Der Tölzer Gerhard Krapp ist 75 – und noch immer ohne Motor unterwegs. Bei den Touren, die er für die Tourist-Info leitet, ist er in der Minderheit: „Über die Hälfte der Teilnehmer kommen mit E-Bike.“

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