Protestieren gegen Gewalt an Mädchen und Frauen: KJR-Geschäftsführerin Kerstin Barth (Mitte) mit anderen Teilnehmerinnen aus dem Landkreis bei der Protestaktion „One Billion Rising“ („Eine Milliarde erhebt sich“) im vergangenen Jahr auf dem Münchner Marienplatz. 

„One Billion Rising“

Gegen die Gewalt antanzen

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In 250 Ländern gehen am Dienstag die Menschen auf die Straße, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen. Unter dem Motto „Erhebt Euch“ findet heuer erstmals auch in Bad Tölz so eine Protestaktion statt. Das Besondere: Statt nur Plakate hochzuhalten, machen die Teilnehmer tanzend auf ihr Anliegen aufmerksam.

Bad Tölz – Egal ob Frau oder Mann, tänzerisch begabt oder nicht: Bei der Protestaktion am Dienstag ab 15 Uhr in der Tölzer Marktstraße sind alle willkommen, die sich dafür einsetzen wollen, dass die Gewalt gegen das weibliche Geschlecht ein Ende hat. Und davon gibt es auch im 21. Jahrhundert eine ganze Menge: Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass eine Milliarde Mädchen und Frauen körperlich oder seelisch misshandelt werden. Auf diese Zahl spielt auch der Name der Aktion an: „One Billion Rising“, also „Eine Milliarde erhebt sich“.

Eine, die das am Dienstag ganz sicher tun wird, ist Kerstin Barth, Geschäftsführerin des Kreisjugendrings (KJR), der die Veranstaltung zusammen mit dem Landkreis und der Stadt Bad Tölz sowie dem Bezirksjugendring Oberbayern, der Doris-Wuppermann-Stiftung und der Gleichstellungsstelle finanziert. „Ich finde die Grundidee einfach super“, sagt Barth. Bei der Aktion im vergangenen Jahr in München kam ihr und den anderen Teilnehmern aus dem Landkreis der Gedanke, auch in Tölz so eine Demonstration zu organisieren. Zeitgleich finden am Dienstag in etwa 150 Städten in ganz Deutschland ähnliche Demonstrationen der etwas anderen Art statt.

Besonders ist die Aktion deshalb, weil trotz des ernsten Hintergrunds das Tanzen eine sehr wichtige Rolle spielt. „Break the chains“ („Zerbrecht die Ketten“) heißt das Lied, zu dem möglichst viele Teilnehmer eine spezielle Choreografie tanzen sollen. Vorgemacht wird sie von drei Tanzgruppen aus dem Wolfratshauser Jugendhaus „La Vida“ und dem Tölzer Jugendcafé. „Sie üben schon fleißig“, sagt Barth. Denn ganz einfach ist die Schrittfolge nicht, weil sich laut Barth nur wenige Elemente wiederholen. „Ich kriege es nicht so gut hin“, gesteht die KJR-Geschäftsführerin und lacht. Macht aber auch nichts: „Es reicht, wenn man elegant mit dem Fuß mitwippt.“

Alle Tanzeinlagen finden auf einer Bühne statt, die extra zu diesem Zweck am Winzerer-Denkmal aufgebaut wird. Neben einigen kulturellen Programmpunkten wie den Auftritten der Trommelgruppe „Sambavaria“ und der „Feuerfeen“ (siehe Kasten) wird auch Helgard van Hüllen sprechen. Die Gaißacherin leitet nicht nur die Außenstelle des Weißen Rings im Landkreis, sondern ist auch stellvertretende Bundesvorsitzende des Vereins, der Opfer von Kriminalität oder Gewalt unterstützt. Außerdem bauen die Organisatoren Stellwände auf, wo die Teilnehmer zum Beispiel ihre eigenen Erfahrungen mit dem Thema Gewalt gegen Frauen aufschreiben können. „Wir sind gespannt auf die Antworten“, sagt Barth.

Abgerundet wird die Veranstaltung durch Info-Stände, an denen unter anderem der Verein „Frauen helfen helfen“ Info-Material zur Verfügung stellen wird. In der Geschäftsstelle in Wolfratshausen können sich Frauen kostenlos und unverbindlich beraten lassen, die psychisch oder physisch misshandelt werden. Darüber hinaus betreibt der Verein ein Frauenhaus, wo bis zu sieben Frauen – bei Bedarf mit ihren Kindern – Unterschlupf finden.

„Wir sind immer voll“, sagt Mitarbeiterin Corinna Häring. Schläge, verbale Demütigungen und Vergewaltigungen – all das ist laut der Sozialpädagogin auch im Landkreis traurige Realität. „Viele Frauen fragen sich, ob es an ihnen liegt“, sagt Häring. Aber für Gewalt gibt es nach den Grundsätzen des Vereins keine Entschuldigung. „Die Verantwortung liegt immer ausschließlich beim Täter.“

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