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Ramadan-Ritual: In den Räumen des türkisch-islamischen Kulturvereins an der Säggasse warten (v. li.) Ahmet Yldz, Vorbeter Sadik Demirtas, Hamit Özbek und Menduh Killik auf den Sonnenuntergang. Dann dürfen sie wieder etwas essen und trinken. 

Ende der Fastenzeit

Gelassener und ruhiger Alltag im Ramadan

Kein Trinken, Essen, Rauchen und Geschlechtsverkehr. Der Ramadan ist gelebter Glaube, der nicht immer einfach ist, wie Asylbetreuer und praktizierende Muslime am Ende der Fastenzeit berichten.

Bad Tölz-Wolfratshausen Nichts essen, nichts trinken – und das von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Für viele nicht vorstellbar, für Muslime im Fastenmonat Ramadan ganz normal. Seit 27. Mai  fasteten viele praktizierende Gläubige auch in Bad Tölz.

„Manche nehmen sich in dieser Zeit Urlaub, andere arbeiten ganz normal weiter“, sagt Menduh Killik. Er ist der Vorsitzende des Tölzer Mevlana-Moschee-Vereins. Im Großen und Ganzen kommt ihm der Fastenmonat viel gelassener und ruhiger vor als der sonstige Alltag. „Die Mütter haben weniger Stress, weil sie kein Frühstück und Mittagessen zubereiten müssen“, sagt Killik. Das Familienleben werde gestärkt. „Alle warten auf den Sonnenuntergang und das intensive Abendessen.“

Je nach Jahr dauert der Ramadan 29 oder 30 Tage. Am Ende dieser Zeit, heuer ab dem 25. Juni, wird dann ein dreitägiges Fest gefeiert: Bayram. Oft auch als Zuckerfest bekannt. Man belohnt sich, eine der fünf Grundsäulen des Islams erfüllt zu haben, nämlich das Fasten.

In den vier Wochen davor verzichten auch viele Schüler untertags auf Mahlzeiten und Getränke. „Nicht alle jungen Muslime sind da streng“, sagt Schulleiter Josef Bichler. An der Tölzer Berufsschule gibt es alleine neun Flüchtlingsklassen, in denen einige Schüler den Ramadan sehr wohl aktiv praktizieren. „Die sind dann nicht so leistungsfähig und etwas müder“, berichtet Bichler. Man merke den Fastenmonat an der Aufmerksamkeit im Unterricht und an den Fehlzeiten. Ein geregelter Unterricht sei trotzdem möglich. Bichler: „Das sind keine großen Einschränkungen.“

Die gläubigen Schüler haben nach dem bayerischen Gesetz übrigens Anspruch auf einen freien Schultag, um ihre religiösen Pflichten erfüllen zu können. In diesem Ramadan ist das der Montag, 26. Juni, in den die Feierlichkeiten des Fastenbrechens reichen.

Annette Erhart, Ehrenamtskoordinatorin der Gemeinde Lenggries, erzählt, wie ausgiebig Bayram im letzten Jahr in der Asylunterkunft in der Lenggrieser Kaserne gefeiert wurde. „Am riesigen Buffet nahmen alle teil, egal ob Christen oder Muslime.“ Heuer wird es wohl kein gemeinsames Fest geben, wie Verena Martin, Betreuerin vieler syrischer Familien in Lenggries, feststellt. „Die meisten wissen noch nicht wo und ob sie zusammenkommen. Der Platz bei den Containern oder den neu bezogenen Wohnungen ist begrenzt.“

Walid ist einer von den betreuten Asylbewerbern. Er besucht die Berufsintegrationsklasse und lebt auch den Ramadan. „An manchen Tagen ist es schwierig, andere Tage fallen einem leichter“, erzählt er. Glück hatte er, weil zwei Wochen Ferien waren. Da macht man nichts und schläft sehr viel. Besonders schwer fällt das Fasten, weil es in Deutschland etwa drei Stunden länger hell ist, als in den Heimatländern der Flüchtlinge. Somit verschiebt sich das Abendessen nach hinten, auf etwa halb zehn.

Martin berichtet von einem berufstätigen Flüchtling, der während des Ramadan ganz normal zur Arbeit gegangen ist. Für ihn sei die Belastung natürlich doppelt so hoch. Arbeit ist laut Walid kein Grund, nicht zu fasten. Nur bei Krankheit könne der Ramadan nicht eingehalten werden. Kinder entscheiden selbst, ob sie des Glaubens wegen auf Essen und Trinken verzichten. „Ich kenne zwei Zehnjährige, die haben Ramadan mit ihren Eltern durchgezogen“, sagt Martin. „Jetzt nach den Ferien haben sie aber auch über Kopfweh geklagt und waren schon ziemlich gebeutelt.“

Auf Nachfrage, ob man während der 30 Tage auch mal eine Pause einlegen darf, meint Martin, dass das schon vorkomme. „Das muss jeder mit seinem Gewissen vereinbaren. Wenn du Ramadan machst, machst du Ramadan.“

Verdient haben sich das Zuckerfest alle Gläubigen nach der langen Zeit des Fastens allemal. „Bei der Hitze ist das schon eine ziemliche Herausforderung“, so Erhart. Ihr seien aber trotzdem keine gesundheitlichen Zwischenfälle bekannt.

(Tamara Scheid und Tobias Gmach)

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