+
Kein schöner Anblick: In Bad Tölz wird an den ehemaligen Inselstandorten - hier der an der Südschule - Sperrmüll abgelagert.

Umstellung des Müllsystems im Tölzer Land

Gelbe Tonne: „Es knirscht noch hörbar im System“

  • schließen

Die Umstellung von einem Müllsystem auf ein anderes geht nie reibungslos. Das gilt auch für die Einführung der Gelben Tonne zum Jahreswechsel im Tölzer Land.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Wilde Müllablagerungen an den ehemaligen Wertstoffinseln sind zwar zurückgegangen, sagt Reiner Späth, Chef des landkreiseigenen Abfallwirtschaftsunternehmens (AWU), aber insgesamt laufe es noch nicht reibungslos. Zudem gibt es nun Klagen über Sperrmüll, der am Straßenrand einfach entsorgt wird.

Am Anfang gab es nach dem Abbau der Wertstoffinseln an vielen Standorten Probleme, weil die Leute ihren Müll dort trotzdem abgeladen haben. Wie hat sich die Lage entwickelt?

Reiner Späth: Mittlerweile hat sich die Lage entspannt. Wir erhalten nur noch wenige Meldungen über Ablagerungen an den ehemaligen Standorten.

Ein Leser hat sich bei uns darüber beklagt, dass jetzt dafür vermehrt Sperrmüll an den ehemaligen Insel-Standorten abgestellt wird. Er berichtet aus Bad Tölz von einem Kühlschrank oder auch einem alten Bettgestell. Die Sperrmüll-Abholung kostet ja auch seit Anfang des Jahres Geld. Ist das ein Auswuchs, den Sie befürchtet haben?

Reiner Späth: Meldungen über vermehrte Sperrmüllablagerungen habe ich noch nicht. Elektrogeräte wie zum Beispiel einen Kühlschrank kann man außerdem nach wie vor jederzeit kostenfrei in Quarzbichl oder am Entsorgungszentrum Am Vorberg in Greiling abgeben. Wer seinen Kühlschrank trotzdem einfach irgendwo abstellt, der hat einfach nicht begriffen, dass die ordnungsgemäße Entsorgung von Abfällen in unserer Konsum- und Überflussgesellschaft einfach eine Notwendigkeit ist. Ich denke aber, dass ein Großteil unserer Bürger das erkannt hat und befürchte daher nicht, dass die Ablagerung von Sperrmüll exzessiv zunimmt.

Das Anliefern von Sperrmüll ist weiterhin kostenlos, aber mit mehr Aufwand verbunden. Was muss ich denn genau tun, wenn ich anliefern möchte?

Reiner Späth: Ähnlich wie früher eine Sperrmüllkarte braucht man jetzt eine Berechtigung, um kostenfrei anliefern zu können. Diese Berechtigung geben wir aber nur für die konkret geplante Entsorgung und nicht mehr auf Vorrat aus. Die Antragsformulare hierfür gibt es auf unserer Internetseite, sie liegen aber auch bei den Gemeinden aus. Der ausgefüllte Antrag mit Angabe der zu entsorgenden Gegenstände muss bei uns eingereicht werden, dann wird eine Anlieferberechtigung zugeschickt. Hier kollidiert der Wunsch der Bürger nach jederzeitiger, spontaner und kostenfreier Entsorgung mit dem abfallwirtschaftlichen Interesse, den starken Mengenzuwachs bei den sperrigen Abfällen zu begrenzen. Ich werbe hier um Verständnis, auch die Begrenzung dieses Mengenanstiegs liegt im Interesse der Bürger.

Und wenn ich nun am Samstag beschließe zu entrümpeln und ganz spontan meinen Sperrmüll loswerden möchte – geht das noch irgendwie?

Reiner Späth: Man kann zwar noch jederzeit spontan anliefern, ohne Berechtigung ist das dann aber kostenpflichtig. Vor jeder Entsorgung bitte ich auch zu prüfen, ob nicht auch ein Inserat in der Rubrik „zu verschenken“ zielführend sein kann. In den meisten Fällen fällt übrigens wegen geringer Mengen lediglich eine Kostenpauschale von 10 Euro an. Elektroaltgeräte und Altmetall kann man zudem immer noch ohne Berechtigungsschein kostenfrei anliefern.

Nochmal zurück zu den Wertstoffen und zur Umstellung auf die Gelbe Tonne. Wie ist die Einführung zum Jahreswechsel aus Ihrer Sicht gelaufen?

Reiner Späth: Aus meiner Sicht ist das nicht optimal gelaufen. Für die Auslieferung der Behälter haben wir der von den dualen Systemen beauftragten Firma Anzahl und Volumen der Papierbehälter mitgeteilt. Der tatsächliche Bedarf an Verpackungstonnen weicht aber häufig von dieser Orientierungsgröße ab. Aus Datenschutzgründen haben wir aber nicht die Adressen der Nutzer der Papiertonnen herausgegeben, so dass für die beauftragte Firma keine Rückfragen möglich waren. Dadurch war die Auslieferung oft nur ungenau zu steuern und verursacht jetzt einen entsprechenden Änderungsdienst. Die beauftragte Firma Lachner ist auch durch die Vielzahl der Änderungen und Wünsche überfordert. Wir haben viele Bürgerbeschwerden zur mangelnden Erreichbarkeit per Telefon und zu fehlenden Rückmeldungen auf E-Mails. Wir haben die Firma mehrmals darauf abgesprochen, das Problem konnte aber bisher nicht gelöst werden.

Gibt es noch andere Bürgerbeschwerden?

Reiner Späth: Wir haben auch viele Beschwerden darüber, dass die Sammelleistung bei der Verpackungstonne hinter den Leistungen bei der kommunalen Entsorgung zurückbleibt. So werden die Verpackungstonnen nicht aus den Tonnenhäuschen genommen, oder es werden einzelne Grundstücke nicht angefahren. Ich denke zwar, dass sich hier vieles noch einspielen wird, aber im Moment knirscht es hier noch hörbar im System.

Fragen zur Gelben Tonne beantwortet die Firma Lachner; Tel. 0800 / 11 434 69 oder per Mail: konzepte@heinz-entsorgung.de

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Auf der Straße von BMW bedrängt
Erst verfolgte er sie mit eingeschaltetem Fernlicht, dann fuhr er neben ihr her und versuchte, sie von der Straße zu drängen: Mit einem rabiaten BMW-Fahrer bekam es am …
Auf der Straße von BMW bedrängt
Lenggrieser Pflegeheim: So geht es nach dem Baubeschluss weiter
Die Gemeinde Lenggries baut ein neues Pflegeheim. Das war aber nicht der einzige Beschluss, der in der Sitzung fiel. So geht es jetzt weiter
Lenggrieser Pflegeheim: So geht es nach dem Baubeschluss weiter
Tölz live: Heilbrunner Baustelle: B472-Freigabe um 18 Uhr
Kleiner Blechschaden da, großer Stau dort, eine Gewitterfront zieht an, ein tolles Konzert startet in Kürze. Hier gibt‘s unseren Newsblog direkt aus der Redaktion.
Tölz live: Heilbrunner Baustelle: B472-Freigabe um 18 Uhr
„Solch ein Tafelsilber darf man nicht verschenken“
Für die einen ist es eine Bauruine, für die anderen ein architektonisches Juwel: Das Verstärkeramt am Ortseingang von Kochel. Der Weilheimer Architekt Heiko Folkerts …
„Solch ein Tafelsilber darf man nicht verschenken“

Kommentare