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Gut für Geldbeutel, schlecht für die Umwelt

Bad Tölz-Wolfratshausen - Die Heizölpreise sind an einem lange nicht dagewesenen Tiefpunkt angekommen. Die Händler in der Region haben derzeit alle Hände voll zu tun. Für die Energiewende ist die Entwicklung allerdings nicht positiv.

Etwa 47 Euro zahlte man Mittwochmittag im Landkreis für 100 Liter Heizöl. „Es ist sieben oder acht Jahre her, dass der Preis so niedrig war“, sagt Sepp Ottys, Tölzer Niederlassungsleiter der Firma Montana. „Die Nachfrage ist sehr stark.“ Viele Kunden würden jetzt zuschlagen, „man weiß ja nicht, wie sich die Preise im neuen Jahr entwickeln“. Derzeit seien die Mitarbeiter gut beschäftigt, „der Fuhrpark ist ständig unterwegs“. Dass es zu Knappheit komme, müsse keiner befürchten. „Es ist genug da“, sagt Ottys.

Auch bei Heizöl-Händler Ludwig Triebenbacher aus Benediktbeuern stehen die Telefone momentan nicht still. „Es ist sehr viel los. Viele tanken jetzt nochmal nach“, so der Geschäftsführer. Er geht davon aus, dass die Preise in nächster Zeit auch nicht wieder steigen werden. „Es ist viel Öl am Markt.“ Allerdings glaubt er auch nicht, dass es noch billiger wird.

Viele Nachfragen verzeichnet Elfriede März, Inhaberin des gleichnamigen Mineralöl-Handels in Bad Tölz. „Vor allem verkaufen wir eine große Anzahl an Kleinmengen. Die Leute, die sonst 8000 Liter kaufen, füllen jetzt mit 400 oder 500 Litern den Tank nochmal voll.“ Es werde gebunkert. „Egal, ob man es gerade braucht oder nicht.“ Als Händler sei sie glücklich. „Aber nicht wegen der Einnahmen, die Marge bleibt für uns ja gleich. Aber die Kunden sind zufriedener.“

Das ganze Jahr seien die Preise schon recht niedrig gewesen, sagt Walter Beham, Büroleiter der Firma „Hiergeist“, die ebenfalls viele Kunden im Oberland beliefert. Deshalb sei stets einiges zu tun. „Aber man spürt schon, dass es jetzt nochmal mehr werden.“

Während sich die Händler freuen, sieht Andreas Scharli die Entwicklung kritisch: „Der niedrige Preis ist kontraproduktiv für die Energiewende“, sagt der Energiemanager. „Natürlich beeinflusst der Preis die Entscheidung der Leute.“ Die letzten fünf Jahre habe es geheißen: Heizöl wird knapper und teurer. Und jetzt zeigen die Preise das Gegenteil. „Aber die meisten Leute, die sich bei uns informieren, wissen, dass das nur kurzfristig gedacht ist“, sagt Scharli. „Eine Heizung kauft man schließlich für mindestens 20 Jahre.“

Die Nachfrage nach Pelletsheizungen sei nicht gesunken, im Gegenteil. „Aufgrund des bayerischen Förderprogramms ist die Nachfrage sogar höher als früher“, sagt Scharli. Das Programm bezuschusst den Kesseltausch. Die Anschaffung eines Pellets-Kessels sei teurer als die eines Öl-Kessels. Aber dafür könne man mit einem regenerativen Brennstoff mit sehr kurzer Logistik heizen. Die Pellets seien derzeit noch immer 20 Prozent billiger als Heizöl.

Dennoch: Sie werden nicht mehr so nachgefragt. „Es werden weniger Pellets verkauft“, sagt Ludwig Triebenbacher, der auch den nachwachsenden Rohstoff anbietet. „Früher war es eine interessantere Alternative.“ Jetzt gebe es fast keine Neukunden mehr. Gleiches sagt auch Elfriede März. „Bei Pellets gehen die Verkaufszahlen zurück.“ Die neuen Öl-Heizungen seien günstig in Anschaffung und Verbrauch. Triebenbacher glaubt: „Der Pellets-Boom ist erst einmal vorbei.“

Melina Staar

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