Am Faistweg vom Klammerweiher zum Waldfriedhof steht die Blasius-Kapelle.
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Am Faistweg vom Klammerweiher zum Waldfriedhof steht die Blasius-Kapelle.

Einweihung vor 50 Jahren

Gelübde führte zum Bau der Blasius-Kapelle

  • Christoph Schnitzer
    vonChristoph Schnitzer
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Es haben sich wohl schon viele Spaziergänger gewundert, was es mit der Kapelle am Faistweg am sogenannten Zwickereck auf sich hat. Das Kirchlein liegt auf dem Weg vom Klammerweiher zum Waldfriedhof.

Bad Tölz – Im Inneren ist der heilige Blasius an die Wand gemalt. Zu seinen Füßen sind drei Kinder zu sehen. Die Kapelle wurde am 8. November 1970, also am Sonntag vor 50 Jahren, vom Münchner Domdekan Heinrich Eisenhofer, einem gebürtigen Tölzer, eingeweiht.

Das kleine Gotteshaus könnte manche Geschichte erzählen. Zum Beispiel die seines Entstehens. Die geht nämlich auf ein Gelübde des Ehepaars Elisabeth und Erwin Fritz zurück. Das Paar hatte drei Kinder. Der zweijährige Erwin (heute Chef Sigmund Bauer und Tektogrund) verschluckte beim Spielen im Sandkasten wohl eine von einem Vogel dorthin getragene Nussschale. Der Bub drohte zu ersticken. Mit einem Luftröhrenschnitt konnte sein Leben gerettet werden. Nur die Ursache konnten die Ärzte nicht entdecken, die mutmaßten, dass es sich um Pseudokrupp oder eine andere Halskrankheit handelte. Die Eltern fuhren „von Pontius zu Pilatus“, um herauszufinden, warum der kleine Erwin immer wieder blau anlief. Vergeblich. Es war ein Arzt in Tegernsee, so erzählt die Familie, der die Ursache herausfand und schließlich mit einer Pinzette den kleinen Nusssplitter entfernte.

Das zuvor gegebene Versprechen, eine Kapelle zu bauen, wenn der Bub gerettet würde, hielt das Tölzer Ehepaar getreulich ein. Die Stadt räumte 1968 auf dem betreffenden Grundstück am sogenannten Zwickereck eine Dienstbarkeit ein. 1969 wurde gebaut und 1970 eingeweiht. Kapellenpatron ist natürlich St. Blasius. Er ist einer der 14 Nothelfer und wird bei Halskrankheiten angerufen.

Georg Demmel gestaltete das Wandfresko.

Es gibt noch eine weitere Anekdote zu der Kapelle, die sich zu erzählen lohnt. Ausgemalt wurde sie nämlich von keinem Geringeren als dem Königsdorfer Maler Georg Demmel, über den vor Kurzem eine ausführliche Biografie (Walter Frei, Hirmer-Verlag) erschienen ist. Demmel hat zahlreiche Häuser der Marktstraße mit seinen Fresken geschmückt. Dass er die vom Stadtbaumeister Hans Hartig konzipierte Kapelle ausgerechnet im kalten Herbst künstlerisch verzieren sollte, ist dem damals 70-Jährigen aber „richtig gegen den Strich gegangen“, wie er Hartig in einem Brief mitteilte. Was nütze ihm, so klagt er, ein Ofen im Freien, in der Kapelle sei kaum Platz, ihn aufzustellen. Er könne sich ja schließlich nicht „auf den Ofen sitzen“ und arbeiten.

Georg Demmel wollte zunächst nicht an dem Wandfresko weiterarbeiten, konnte dann aber doch überzeugt werden. Im Sommer 1970 wurde das 2 Meter hohe und 1,10 Meter breite Fresko fertiggestellt.

Hans Hartig dichtete zur Einweihung folgenden, dem heiligen Blasius gewidmeten Vers: „Dir zu Ehren die Kapelle steht, ganz Dir zu eigen/Um ein Gelöbnis zu erfüllen für Dein opfernd Flehn,/Um die Glorie um Dein Wirken sichtbar aufzuzeigen,/Wenn Wanderer und Badegäst‘ am Kapellenbau vorübergehn.“

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