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In der Prüfung: Die Übernahme der neuen Containeranlage neben der Realschule mit 150 Plätzen. 

Gemeinschaftsunterkunft auf der Flinthöhe

Freistaat übernimmt Asylunterkünfte

Bad Tölz-Wolfratshausen – Die Unterbringung von Asylbewerbern ist eigentlich eine Staatsaufgabe. Davon spürte man im Landkreis lange nichts. Jetzt gibt es ein Umdenken. Die neue Gemeinschaftsunterkunft auf der Flinthöhe soll von der Regierung von Oberbayern geführt werden – wie auch einige andere.

Zu sagen, dass im Landkreis derzeit keine Flüchtlinge ankommen, ist falsch. „Aber es sind verschwindend wenige im Gegensatz zum Jahresbeginn“, sagt Thomas Bigl, Leiter des Gebiets Sozialwesen im Landratsamt. Anfang 2016 waren es phasenweise 57 Asylbewerber, die dem Landkreis pro Woche zugewiesen wurden. Aktuell spricht Bigl von drei bis zehn Menschen. Dabei handle es sich vor allem um Familienzusammenführungen oder Flüchtlinge, die bereits sechs Wochen in einer Münchner Erstaufnahme-Unterkunft verbracht hätten.

Im Landkreis leben viele der aktuell 1859 Asylbewerber in Privatwohnungen. Insgesamt sind sie auf 190 Objekte verteilt. Über drei Jahre – bis „Jodquellenhof“ und Lenggrieser Container belegt wurden – kam man weitgehend mit dieser dezentralen Unterbringung aus. Die Regierung von Oberbayern hat diese Struktur aufgebrochen – mit der Anweisung, am besten nur noch auf große, zentrale Unterkünfte zu setzen. Solche gibt es bereits im Landkreis. Manche werden gerade gebaut, andere stehen leer, weil sie (noch) nicht gebraucht werden.

Ende des Jahres soll die Gemeinschaftsunterkunft für 175 Menschen auf der Tölzer Flinthöhe fertig sein. Wie Sozialamtsleiter Bigl mitteilt, wird sie im Falle der Belegung nicht vom Kreis und der Stadt, sondern von der Regierung von Oberbayern geführt.

Eigentlich nichts Besonderes: Nach der „Durchführungsverordnung Asyl“ hat der Freistaat die Kosten für Unterbringung, Verpflegung und medizinische Versorgung von Asylbewerbern zu tragen und muss diese den Kommunen vollständig erstatten. In den Hochzeiten der Flüchtlingszahlen konnte das Land diese Aufgabe nicht ohne Hilfe erfüllen. Angesichts der wenigen Asylbewerber, die aktuell in Bayern ankommen, geht die Tendenz nun in die Gegenrichtung. Es werde wohl zu weiteren staatlichen Übernahmen kommen, sagt Bigl.

Die Fläche und Räume der Containeranlage an der Tölzer Realschule werden derzeit von der Regierung geprüft. Die Unterkunft für 150 Menschen wird wohl erst im September fertig sein. Nicht wegen Fehlplanungen, sondern weil man angesichts der entspannteren Situation nun „gründlicher und kostenbewusster“ bauen könne, wie Bigl erklärt. Das Betreiben der Container durch den Freistaat würde sowohl die Personalsituation als auch den Kreishaushalt entlasten. Zwar müssten die Landkreis-Mitarbeiter weiterhin Regelleistungen bewilligen und Krankenhilfe leisten, allerdings nicht mehr die allgemeine Sorge für die Liegenschaft und den Hausmeisterservice tragen.

Laut Bigl ist eine staatliche Übernahme des Tölzer „Jodquellenhofs“, der aktuell fast voll ausgelastet ist, unrealistisch – zumal die Stadt gegen die Unterkunft klagt und selbst auf der Flinthöhe eine Alternative geschaffen hat.

Bei der Großunterkunft am Geretsrieder Schulzentrum für 250 Personen ist die Sache wahrscheinlicher, die Prüfung läuft. Das ehemalige Wolfratshauser Vermessungsamt wird nun seit bald zwei Monaten von der Regierung von Oberbayern betrieben. Die Unterschiede? Bigl: „Da ist nichts anders, die Leute haben nur einen anderen Ansprechpartner.“

Tobias Gmach

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