Zwei Hotels und ein gemeinsamer Vorplatz als Erweiterung der Isar-Promenade: So oder ähnlich könnten die künftigen Hotels „ibis budget“ und „Mercure“ an der Bockschützstraße aussehen.
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Zwei Hotels und ein gemeinsamer Vorplatz als Erweiterung der Isar-Promenade: So oder ähnlich könnten die künftigen Hotels „ibis budget“ und „Mercure“ an der Bockschützstraße aussehen. (Visualisierung)

Konzept im Stadtrat vorgestellt

Geplante Hotels an der Isar: Bad Tölz setzt auf internationale Markennamen

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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2025 sollen an der Bockschützstraße in Bad Tölz ein Mercure und ein „ibis budget“ eröffnen. Projektentwickler, Betreiber und Markengeber stellten sich den Fragen des Stadtrats.

  • Ein Vier- und ein Zwei-Sterne-Hotel an der Isar sollen Bad Tölz auf der touristischen Landkarte wieder heller zum Strahlen bringen.
  • Der Betreiber Tristar setzt auf die Namen weltweit bekannter Ketten - von denen ist im Tölzer Umland noch keine einzige vertreten.
  • Die zwei Hotels in unterschiedlichen Preissegmenten sollen ein breites Zielpublikum abdecken: vom Geschäftsreisenden bis zur Busgruppe.

Bad Tölz – „Ich bin positiv gestimmt, dass wir dem Tourismus-Sektor in Bad Tölz nachhaltig einen Boost verleihen.“ Mit diesen optimistischen Worten stellte Jannis Merz, Geschäftsführer der Firma Merz Objektbau am Dienstag im Tölzer Stadtrat das Betreiberkonzept für die geplanten Hotels an der Bockschützstraße vor. Ähnlich zuversichtlich äußerten sich die Vertreter der beiden maßgeblich involvierten Unternehmen. Alle drei mussten sich aber auch vielen Nachfragen der Stadträte stellen.

Das Konstrukt, das am geplanten Hotelstandort neben dem Tölzer Parkhaus zum Tragen kommt, ist etwas kompliziert. Gebaut werden die vorgesehen zwei Hotels von der Firma Merz Objektbau – das war schon länger bekannt. „Wir sind ein interdisziplinäres Team von Projektentwicklern und Architekten und in den Bereichen Gewerbe, Lebensmitteleinzelhandel, Tourismus und Wohnbau tätig“, stellte sich Jannis Merz im Stadtrat vor. Er selbst führe das Unternehmen in vierter Generation.

Hotel-Betreiber nutzt die etablierten Markennamen Mercure und „ibis budget“

Merz wiederum wird die fertigen Hotels dann an einen Betreiber verpachten: die Tristar Hotelgruppe. Deren „Chief Development Officer“ – man könnte auch sagen: Leiter der Entwicklungsabteilung – Jochen Weishaupt, berichtete, dass das 2011 gegründete Unternehmen aktuell 22 Hotels in Deutschland betreibe und weitere 28 in Entwicklung habe.

Um etablierte Markennamen und die Vertriebswege großer Ketten zu nutzen, tritt Tristar wiederum als Franchisenehmer in eine Vertragsbeziehung mit bekannten Hotelkonzernen. Im Fall Bad Tölz wird das die Accor-Gruppe sein. Unter deren Dach vereinen sich weltweit über 5000 Hotels unter diversen Markennamen, darunter 25hours, Sofitel oder Novotel – und eben auch Mercure und „ibis budget“, die sich in Bad Tölz wiederfinden sollen.

Ein Hotel in Bad Tölz soll „lokal inspiriert“ sein, das andere eher „standardisiert“

„Mercure ist eine der bekanntesten Marken weltweit“, sagte Thiemo Willms, bei Accor „Director Development“ für Zentraleuropa. An der Bockschützstraße ist unter diesem Namen ein Vier-Sterne-Hotel mit 140 Zimmern vorgesehen. „Jedes Hotel wird individuell gebaut und geplant“, so Willms. Hier laute das Schlagwort „lokal inspiriert“. Beim Gestaltungskonzept werde man sich „auch von Rundgängen durch die Stadt“ inspirieren lassen. Es werde „kein Standardprodukt, das man überall auf der Welt findet“, betonte Weishaupt und sicherte auf Rückfrage von Julia Dostthaler (CSU) zu, dass man in einem „kleinen Shop“ auch mit örtlichen Herstellern regionaler Produkte zusammenarbeiten und im Restaurant auf heimische Zutaten setzen werde. „Wir wollen Teil von Bad Tölz sein.“

Eine eher „standardisierte Marke, „bei der man weiß, was man erwarten kann“, sei demgegenüber „ibis budget“, so Willms. Dieses Zwei-Sterne-Hotel mit reduziertem Service-Angebot soll 102 Zimmer umfassen. Zwei Hotels verschiedener Marken an einem Standort zu betreiben, bietet laut Willms „große Synergien“: „Man spricht ein breites Gästesegment an und hat gleichzeitig die Möglichkeit, die Mitarbeiter flexibel zu verteilen“.

Tölz hat zwei Millionen Tagesgäste im Jahr. Wenn sie hier ein günstiges Angebot finden, bleiben einige sicher auch mal über Nacht.

Jochen Weishaupt, Tristar Hotelgruppe

Das „Mercure“ mit seinem Tagungsbereich, werde für Bad Tölz „das Geschäftsreisen-Segment verstärken beziehungsweise zurückholen. „Das ist hier nicht auf dem Niveau, auf dem es sein könnte“, sagte Weishaupt. Hier habe man durchaus auch Kunden von Firmen im Umland im Blick, etwa aus Geretsried und Wolfratshausen oder von Roche in Penzberg. Ebenso zur Zielgruppe gehören ihm zufolge Konferenzteilnehmer, Familien auf Urlaub und hochwertige Gruppenreisen.

Das „ibis budget“ wiederum soll eine „preisbewusste Klientel“ ansprechen. Das könnten laut Weishaupt auch mal Handelsvertreter oder Handwerker sein, Busgruppen, die bislang in Bad Tölz keine Unterkunft finden, aber natürlich auch Individualtouristen. „Tölz hat zwei Millionen Tagesgäste im Jahr. Wenn sie hier ein günstiges Angebot finden, bleiben einige sicher auch mal über Nacht.“

Auf Rückfrage von Johanna Pfund (Grüne) sagte Weishaupt, dass die Gäste im „ibis“ wohl eher ein oder zwei Nächte bleiben, während man es im „Mercure“, das unter anderem mit Wellnessbereich und „Dachterrasse mit schönem Blick“ punkte, auch länger aushalten könne. Ob man denn auch an Sportler als Zielgruppe gedacht habe, wollte Christof Botzenhart (CSU) wissen. „Zu Ski- und Radlkeller hatten wir schon lange Diskussionen, das ist auf alle Fälle ein Thema“, antwortete Weishaupt.

Bad Tölz ist die Inkarnation bayerischer Lebensart.

Jannis Merz, Merz Objektbau

Einig waren sich alle drei Unternehmensvertreter in der positiven Bewertung des Standorts. „Für jemanden, der nicht aus Bayern kommt, ist Bad Tölz die Inkarnation bayerischer Lebensart“, sagte Merz. „Allein der Name ist eine Marke für sich.“ Das Grundstück „direkt an der Isar, fußläufig zur Altstadt“ habe eine „bestechende Lage“ und sei perfekt angebunden. Als eine Art Vorplatz zu den Hotels sei eine „kleine Parkanlage“ mit Sonnenterrasse vorgesehen, als „Erweiterung der Uferpromenade entlang der Isar“. Hier könnten auch andere Passanten verweilen. Im Erdgeschoß soll es ein öffentlich zugängliches Restaurant geben.

Was für Accor zudem interessant an Tölz gewesen sei: In der ganzen Umgebung ist noch keine internationale Hotelmarke vertreten. Stadträtin Filiz Cetin (SPD) hingegen fand, dass die Marke „ibis“ nicht in den ländlichen Raum passe. Sie mutmaßte, hier könnten vorwiegend Gäste abstiegen, die es eigentlich an den Tegernsee ziehe, sodass Tölz nur begrenzt profitiere. Das verneinte Weishaupt. Im Raum Tegernsee entstünden gerade allein fünf bis sechs neue Hotels, das dortige Zielpublikum habe man mit dem Tölzer Projekt nicht im Auge.

Passen Sitzfenster in die Stadt des Gabriel von Seidl?

Gabriele Frei (CSU) sorgte sich, ob das Design der Hotels denn auch zur „traditionsreichen Stadt Bad Tölz mit ihren vielen Bauten von Gabriel von Seidl“ passen werde. Hier werde man Schritt für Schritt vorgehen und sich auch „lokal inspirieren“ lassen, sagte Merz. Er ließ aber auch keinen Zweifel daran, dass die Architektur „ein modernes, zeitgenössisches Zeichen“ setzen solle. Unter anderem deutete er an, dass ihm statt Balkonen „Sitzfenster“ vorschweben, „von denen aus man das Panorama genießen kann“. Detaillierte Vorschläge werde sein Unternehmen aber erst später unterbreiten.

Zuerst einmal sehe der Zeitplan vor, dass bis Juni der Pachtvertrag unter Dach und Fach ist. Im dritten Quartal dieses Jahres wolle man zusammen mit der Stadt das Bebauungsplanverfahren auf den Weg bringen. Im besten Fall könne Ende 2022 eine Baugenehmigung vorliegen. Dann sei nach zwei Jahren Bauzeit eine Eröffnung Mitte 2025 möglich.

Praktisch in nächster Nachbarschaft zum Hotelstandort an der Bockschützstraße treibt Investor Johannes Tien sein Hotelprojekt voran.

An einem Bürgerentscheid gescheitert ist unterdessen das Hotelprojekt Bichler Hof. Für diesen Standort gibt es mittlerweile andere Pläne.

Kulinarisch werden anspruchsvolle Hotelgäste in Bad Tölz sicher fündig: Der Tölzer Sternekoch Erich Schwingshackl brachte es erst kürzlich wieder zu einer sehr guten Bewertung im Restaurantführer „Gault & Millau“.

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