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Symbolbild

Jugendgericht

Gerade noch mal am Arrest vorbei

Bad Tölz/Wolfratshausen - Völlig grundlos hat ein Tölzer (19) einen Lenggrieser (22) niedergeschlagen. Daher stand er nun vor dem Jugendgericht.

Der junge Mann auf der Anklagebank macht einen sympathischen Eindruck: Modisch gekleidet, schlanke Figur, die Frisur messerscharf gestylt. Nur der sonst vermutlich kecke Blick wirkt etwas unsicher. Schwer vorstellbar, dass der 19 Jahre alte Tölzer vor einer Kneipe grundlos mit den Fäusten auf einen anderen Gast eingedroschen haben soll. Aber genau deshalb musste sich der angehende Azubi vor dem Jugendrichter verantworten. Er wurde zu 300 Euro Geldstrafe und 24 Stunden Sozialdienst verurteilt.

Urs Wäckerlin hatte für das Verhalten des Angeklagten kein Verständnis. „Es erschließt sich mir nicht, was sie bewogen hat, sich in eine Auseinandersetzung einzumischen, die sie nichts anging. Sie hatten damit absolut nichts zu schaffen“, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung.

Am 12. Dezember 2015 waren der Beschuldigte und sein Opfer, ein Industriemechaniker (20) aus Lenggries, auf dem Parkplatz vor dem Pistolero aneinandergeraten. Der 20-Jährige hatte zuvor mit andern Besuchern einen Streit, bei dem er sich eine Watschen eingefangen hatte. Draußen traf er mit dem Angeklagten zusammen, der ihn wohl auf die Ohrfeige ansprach. „Ich wollte gehen“, erzählte der Lenggrieser als Zeuge vor Gericht. „Aber dann bekam ich schon die ersten Schläge.“ Er habe nur abwehrend die Hände vors Gesicht gehalten. Dann sei er geschubst worden und zu Boden gegangen. Dort habe der 19-jährige ihn weiter traktiert.

Eine Erklärung dafür hatte der Geschädigte so wenig wie der Angeklagte, der sich im Gerichtssaal bei seinem Opfer entschuldigte: „Das Ganze tut mir sehr leid. Es war eine völlig unnötige Sache.“ Vermutlich war wie so oft zu viel Alkohol der Grund, warum der junge Mann, der sich ansonsten nachgewiesen gerne sozial engagiert, plötzlich ungehemmt zugeschlagen hatte. Er sei von dem anderen verbal provoziert worden, sagte er zwischendurch. Richtig überzeugend klang das nicht. „Was ich überhaupt nicht akzeptieren kann: Dass man noch schlägt, wenn der andere schon auf dem Boden liegt“, machte Wäckerlin unmissverständlich deutlich, was er von der Sache hielt.

Mit seinem Urteil folgte das Gericht dennoch der Jugendgerichtshelferin, die eine Kombination aus Geldauflage und Sozialstunden als angemessene erzieherische Maßnahme vorgeschlagen hatte – inklusive eines Alkoholkonsumverbots für ein halbes Jahr. Die Staatsanwältin hatte Sozialdienst und Freizeitarrest beantragt. „Davor hat sie nur bewahrt, dass es sich hier nicht um eine gefährliche Körperverletzung gehandelt hat und ich nicht ausschließe, dass sie tatsächlich ein Stück weit provoziert worden sind“, hielt Wäckerlin dem Angeklagten vor Augen, dass er nur knapp an der Arrestzelle vorbei gekommen ist.

Rudi Stallein

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