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2G-Regel in Bayern gekippt: Unternehmen zwischen Freude und Frust - Geschäftsfrau fühlt sich „verarscht“

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Von: Patrick Staar

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Die Zeiten der 2G-Regel für Bekleidungsgeschäfte sind vorbei: Renée Obermeir ist erleichtert, dass sie die Kunden wieder ohne Kontrolle in „Blue Flamingo Fashion“ empfangen darf.
Die Zeiten der 2G-Regel für Bekleidungsgeschäfte sind vorbei: Renée Obermeir ist erleichtert, dass sie die Kunden wieder ohne Kontrolle in „Blue Flamingo Fashion“ empfangen darf. © Arndt Pröhl/Archiv

Großes Aufatmen in Modegeschäften: Vom Gericht wurde die 2G-Regel für den Kleidungskauf gekippt. Doch die Stimmungslage bei den Unternehmen in Bad Tölz liegt zwischen Freude und Frust.

Bad Tölz – Erleichterung in den Modegeschäften: Das Verwaltungsgericht Regensburg hat geurteilt, dass Kleidung zum täglichen Bedarf zählt. Das bedeutet: In Geschäften, in denen es etwa Pullover, Hosen, Jacken und Unterwäsche gibt, gilt die 2G-Regel nicht mehr. „Ich freue mich tierisch“, sagt Renée Obermeir, Inhaberin von „Blue Flamingo Fashion“ in der Tölzer Markstraße.

2G-Kontrollen in Geschäften: „Damit hat sich keiner von uns wohlgefühlt“

Insgesamt liegt ihre Stimmungslage nach dem Urteil aber irgendwo zwischen Freude und Frust. Auf der einen Seite ist sie unglaublich erleichtert, dass sie nun ihre Kunden nicht mehr kontrollieren muss: „Damit hat sich keiner von uns wohlgefühlt, das war eine psychische Belastung.“ Die Daten-Kontrolle sei eine staatliche Aufgabe.

Auf der anderen Seite ärgert sich Obermeir, dass die Beschränkungen in Bekleidungsgeschäften so lange galten. Es sei von vorneherein rätselhaft gewesen, warum Kleidung nicht zum täglichen Bedarf zählt: „Wenn Schnittblumen zum täglichen Bedarf zählen, dann gilt das doch für Unterwäsche, Mützen und Handschuhe zweimal.“

Die Geschäftsinhaberin fragt sich: „Wo waren die Verbände und die Interessenvertretungen der Einzelhändler? Man hätte doch viel früher rausfinden können, dass Mode zum täglichen Bedarf zählt.“ Wenn sie die Urteilsbegründung liest, fühle sie sich „verarscht, weil wir versucht haben, uns an die ständig wechselnden Regeln zu halten“.

2G-Regel in Geschäften: „Organisatorisch schon aufwendig“ - Umsatzrückgang um 20 Prozent

Florian Lipp, Geschäftsführer des Kaufhaus Rid, befindet: „Das ist ein sinnvolles, nachvollziehbares Urteil, das uns guttun wird.“ Insgesamt habe es mit der 2G-Regel in den Rid-Filialen aber keine großen Probleme gegeben. Das Personal habe genau darauf geachtet, dass alle Hygieneregeln eingehalten werden. Mit den Kunden habe es keinerlei Probleme gegeben, „aber organisatorisch war es schon aufwendig“. Auch finanziell seien die Auswirkungen der 2G-Regel zu spüren gewesen – Lipp beziffert den Umsatz-Rückgang auf etwa 20 Prozent.

Corona-Regeln in Bayern: „War schon viel Aufwand, jeden Kunden sofort an der Tür abzufangen“

Auch Barbara Hauser, Inhaberin von „Hauser Männermode“ ist erleichtert, dass sie in Zukunft nicht mehr auf die Einhaltung der 2G-Regel achten muss: „Es war schon viel Aufwand, jeden Kunden sofort an der Tür abzufangen.“ Trotz aller Beschränkungen sei das Weihnachtsgeschäft „sehr zufriedenstellend“ verlaufen. Lachend fügt Hauser hinzu: „Ich weiß, dass wir damit nicht im Trend liegen, aber es ist so.“

Florian Lipp, Geschäftsführer des Kaufhaus Rid
Florian Lipp, Geschäftsführer des Kaufhaus Rid © Arndt Pröhl/Archiv

Bitter sei allerdings die Absage des Christkindlmarkts gewesen: „Frierende Laufkundschaft, die Mützen, Schals und Jacken kauft, hat dieses Jahr komplett gefehlt.“ Da alle Weihnachtsfeiern und Bälle ausfielen, habe es auch „sehr wenig“ Nachfrage nach Anzügen gegeben. Umso besser seien Strickjacken, Pullover, Hemden und Hosen gelaufen.

Hauser glaubt nicht, dass sich durch den Wegfall der 2G-Regel der Umsatz entscheidend verändern wird. Der Großteil der Stammkundschaft ihres Geschäfts sei entweder geimpft oder genesen. Auf Urlauber treffe dies meist auch zu, „denn sonst dürfen sie ja gar nicht in ein Hotel rein“. Die ungeimpften Kunden hätten „Click und Collect“ genutzt.

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