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In Geschäften in Bad Tölz-Wolfratshausen: Abschied von der Plastiktüte fällt leicht

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Von: Andreas Steppan

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In der Tölzer Buchhandlung Rupprecht waren Plastiktüten schon seit Längerem nicht mehr sehr gefragt. Jetzt packt Filialleiterin Melanie Kallweit die Waren, wenn überhaupt, ausschließlich in Stoffbeutel ein.
In der Tölzer Buchhandlung Rupprecht waren Plastiktüten schon seit Längerem nicht mehr sehr gefragt. Jetzt packt Filialleiterin Melanie Kallweit die Waren, wenn überhaupt, ausschließlich in Stoffbeutel ein. © Arndt Pröhl

Plastiktüte ade: Sie ist seit 1. Januar im Einzelhandel weitestgehend verboten. Die meisten Einzelhändler in Bad Tölz-Wolfratshausen haben sich von langer Hand darauf vorbereitet.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Aus dem Alltag sind sie schon seit längerer Zeit mehr und mehr verschwunden. Seit Jahresbeginn sind nun endgültig fast alle Plastiktüten im Einzelhandel verboten. Für die Geschäfte im Landkreis bedeutet das keine große Umstellung: Die meisten haben sich von langer Hand auf diesen Tag vorbereitet.

Plastiktüten verboten - dafür nehmen Plastikverpackungen immer mehr zu

Wer sich in Supermärkten im Landkreis umhört, bekommt bestätigt: Hier ist die Plastiktüte längst kein Thema mehr. Rewe etwa hat sie schon im Juni 2016 aus dem Sortiment genommen. Auch die Ehefrau des Geschäftsführers von Edeka Wilinski in Kochel am See sagt: „Plastiktüten haben wir schon lange verbannt.“ Auch die dünnen Knotenbeutel für Obst und Gemüse – sie wären in der Plastikversion sogar weiterhin erlaubt – seien bei ihr im Geschäft aus pflanzlichen, nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, betont Wilinski. Einzig die Thermotaschen für Tiefkühlprodukte seien weiterhin aus Plastik, „da gibt es noch keine Alternative“.

Das jetzt in Kraft getretene Verbot bringe im Edeka-Markt also „nichts Neues, das praktizieren wir seit Jahren“. In der Gesamtbetrachtung sieht Wilinski unterm Strich allerdings eher einen Rückschritt in Sachen Plastikvermeidung, weil gleichzeitig die Verpackungen bei vielen Lebensmitteln immer mehr würden.

Metzgerei in Bad Tölz streckt Fühler nach Mehrwegsystem aus

Auch die Tölzer Metzgerei Rottenwallner muss sich zum Jahreswechsel nicht groß umstellen, wie Inhaber Klaus Rottenwallner erklärt. „Wir schauen seit Langem darauf, dass wir nicht mehr so viele Plastiktüten ausgeben und setzen verstärkt Papierfalttüten ein“, sagt er. Schon aus Gründen der Hygiene und Lebensmittelsicherheit seien in der Metzgerei aber weiter zum Beispiel dünne „Hemdchentüten“ nötig, in die zum Beispiel Fleisch, das Saft verlieren kann, noch einmal hinein muss. Was das fertige Mittagessen zum Mitnehmen betrifft, hat sich Rottenwallner noch einmal rückversichert: Die mit Alufolie versiegelten Menüschalen aus Kunststoff sind weiter erlaubt. „Aber wir strecken unsere Fühler aus, um auf ein Mehrwegsystem umzusteigen“, so der Metzger. „Wir haben viele Kunden, die sich jeden Tag ihr Mittagessen bei uns holen.“

Klaus Rottenwallner betont, er sei bemüht, seinen Beitrag zu leisten, bedauert aber, dass beim Thema Plastik häufig mit dem Finger auf die Metzger gezeigt werde. „Wenn ich mir anschaue, wie im Baumarkt drei Schrauben oder beim Discounter Kleinstportionen in Plastik verpackt sind. . .“, gibt er zu bedenken.

Bei Plastiktüten geben Geschäfte seit Jahren nur Restbestände aus

„Da sollte man viel mehr ansetzen“, ist auch die persönliche Meinung von Frederik Holthaus, Inhaber des Isar-Kaufhauses in Geretsried. „Wir sehen’s ja in unseren Gelben Tonnen, wie die Plastikverpackungen im Einzelhandel immer mehr zunehmen.“ Die Umsetzung des Plastiktütenverbots werde im Isar-Kaufhaus schon lange vorbereitet, erklärt Holthaus. „Seit zwei bis drei Jahren haben wir keine Plastiktüten mehr nachbestellt, sondern nur noch Restbestände ausgegeben“, sagt er. Die wenigen Plastiktüten, die jetzt noch da seien, würden seit 1. Januar nicht mehr an die Kunden ausgegeben, sondern allenfalls noch intern verwendet, zum Beispiel als Mülltüte.

Ganz ähnlich lief es in der Buchhandlung Rupprecht in Bad Tölz ab. „Wir hatten noch Bestände an Plastiktüten, haben aber seit Jahren keine mehr nachbestellt“, erklärt Filialleiterin Melanie Kallweit. Es habe lange gedauert, bis man die vorhandenen Plastiktüten aufgebraucht habe. „Der Bedarf von Kundenseite war sehr gering. Manche wollten noch eine Plastiktüte für die Bücher, wenn es draußen geregnet hat, aber das hat immer mehr nachgelassen.“ Jetzt sei der ganze Bestand weg, „und das ist gut so“, sagt Kallweit.

„Es kommt auf das Verhalten des Menschen an“

Die Restbestände an Plastiktüten sind auch im Kaufhaus Rid aufgebraucht. Für Unternehmenschef Florian Lipp ist klar: „Entsprechend der Rechtslage kommen nur noch Papiertüten zum Einsatz.“ Persönlich ist er sich aber nicht sicher“, „ob das auch die ökologischste Lösung ist“, sagt er. „Eine Plastiktüte kann man öfter hernehmen, und der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung einer Papiertüte ist zehnmal höher.“

Eine eindeutige Antwort auf diese Frage sei schwierig, meint dazu Rainer Späth, Chef des kreiseigenen Abfallwirtschaftsunternehmens (AWU). „Eine Plastiktüte, die man zehnmal verwendet, ist ökologisch sinnvoller als eine Papiertüte, die man nur einmal benutzt – umgekehrt aber genauso“, sagt er. „Wie so oft kommt es auf das Verhalten der Menschen an.“ In Sachen Plastiktütenvermeidung war aus seiner Sicht bereits der erste wichtige Schritt, dass die Händler Geld für die Tüten verlangten. Das komplette Verbot sei jetzt ein weiterer „Schritt in die richtige Richtung“.

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