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Kurz und knapp sind die Erklärungen, wie hier an der Botengasse im Gries, bisher gehalten. Die neuen Tafeln an den Straßenschildern sollen informativer werden. 

Projekt des Historischen Vereins

Geschichte im Spaziergang: Neue Erklärtafeln für Tölzer Straßenschilder 

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Etwa 240 Straßen führen durch Tölz, und viele erzählen spannende Details der Stadtgeschichte. Deshalb will der Historische Verein flächendeckend Erklärtafeln schaffen – aber nicht an allen Straßenschildern.

Bad Tölz – Die Tölzer Fischergasse „erinnert an die jahrhundertealte Tradition der Isarfischer, die im Gries wohnten“: So steht es auf einer Tafel oberhalb des Straßenschilds. Aber wäre es nicht informativ, wenn da auch noch stünde, dass die Fischergasse ihren Namen seit 1887 besitzt? Und dass hier im Jahre 1720 noch sieben Fischerfamilien lebten? Und dass der frische Fang aus der Isar im Gries einmal in der Woche zum Verkauf angeboten wurde?

Der Historische Verein Bad Tölz will die Straßentafeln zur Stadtgeschichte detaillierter gestalten und dort welche anbringen lassen, wo es noch keine gibt. Flächendeckend, wie Christof Botzenhart, zweiter Vorsitzender des Vereins, sagt: „Bisher gibt es sie nur vereinzelt, und sie sind nicht immer gut formuliert.“ Lokalgeschichte im Vorbeigehen aufschnappen: „Das ist toll für Gäste und Einheimische“, findet Botzenhart. Der Dritte Bürgermeister habe die Idee schon der Stadt vorgestellt. Sie sei gut angekommen, müsse aber noch durch den Finanzausschuss. „Aber da mache ich mir keine großen Sorgen.“

Platz für 200 Zeichen - ungefähr drei Sätze

Im Din-A 6-Format sollen die neuen Tafeln Platz für 200 Zeichen bieten. Das kann zwar immerhin für drei Sätze reichen, ist aber eine Herausforderung: „Wir müssen knapp und präzise formulieren. Davor haben schon einige Bammel.“ Mehrere Mitglieder des Historischen Vereins hätten sich zur Recherche über Personen, Berufsbezeichnungen oder Gebäude, nach denen Straßen benannt sind, bereit erklärt. Den Geschichtslehrer Botzenhart interessiert: „Aus welchen Motiven und wann hat der Stadtrat die Namen vergeben?“ Eine Grundlage dafür ist ein Werk aus dem Jahre 1958 von Bernhard Kreis über Tölzer Straßen, Wege und Plätze, das im Stadtarchiv vorhanden, aber nie offiziell erschienen ist.

Von Stadtteil zu Stadtteil soll das Projekt voranschreiten. Anfangen möchten die Historiker im Gries, über dessen Neugestaltung dieser Tage ohnehin diskutiert wird. Ein Integriertes Städtebauliche Entwicklungskonzept (ISEK) ist in Arbeit.

Botengasse im Gries war einst „Ladeplatz für Botenfuhrwerke“

„Ladeplatz für Botenfuhrwerke“ heißt es beispielsweise an der Botengasse. Die Boten, die umliegende Orte belieferten, stellten hier ihre Pferde ein. Der Name existiert seit 1886. Solche Ergänzungen fände Botzenhart sinnvoll. Schließlich lernt man einiges über die Vergangenheit, wenn man weiß, dass die Bockschützstraße an eine Bildschnitzer- und Kistlerfamilie im 16. Jahrhundert erinnert. So steht es an der Isarbrücke bereits geschrieben.

Erläuterungstafeln seien aber nicht überall nötig, sagt Botzenhart. „Was soll man über die Sachsenkamer Straße groß sagen?“ Die Lenggrieser Straße, einst Hauptzugang zur Stadt, sei schon wieder interessanter. Zu kontroversen Diskussionen haben die Straßennamen im Historischen Verein jedenfalls schon geführt. Botzenhart gibt ein Beispiel: „Ob man Bergnamen erklären muss, darüber sind wir noch nicht einig.“

Austausch im Stadtarchiv

Wer sich an der Gestaltung der Tafeln beteiligen möchten, ist am 13. März (19 Uhr) ins Stadtarchiv eingeladen.

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