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Geschichte vergeht nicht: Berliner Antisemitismus-Historiker Benz zu Besuch in Bad Tölz

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Stippvisite in Tölz: Der Historiker Prof. Wolfgang Benz (Mi.) besichtigte mit den Bürgermeistern Ingo Mehner (re.) und Christof Botzenhart den Informationsweg. cs
Stippvisite in Tölz: Der Historiker Prof. Wolfgang Benz (Mi.) besichtigte mit den Bürgermeistern Ingo Mehner (re.) und Christof Botzenhart den Informationsweg. cs © cs

Der Berliner Historiker Prof. Benz war zu Besuch in Bad Tölz und ging dabei zusammen mit den Bürgermeistern dem Informationsweg Hindenburg ab.

Bad Tölz – Er ist ein international renommierter Historiker der Zeitgeschichte, der an der TU Berlin das Zentrum für Antisemitismusforschung leitete. Die Liste seiner Bücher und Veröffentlichungen ist eindrucksvoll. In dem von ihm herausgegebenen Standardwerk „Der Ort des Terrors“ ist auch Bad Tölz als Außenlager des KZs Dachau aufgeführt. Es ist also durchaus bemerkenswert, wenn ein Historiker wie Prof. Wolfgang Benz nach Tölz kommt.

Der 81-Jährige lebt jetzt in Berlin, macht aber mit seiner Frau regelmäßig Urlaub in Sachsenkam. Tölz steht dann eigentlich immer auf seiner Besuchsliste. Zusammen mit den Bürgermeistern Ingo Mehner und Christof Botzenhart, selbst Historiker, ging er den Informationsweg Hindenburgstraße ab. Im April 2015 wurde dieser eingeweiht.

Hindenburgweg in Bad Tölz 2015 eingeweiht

Das Bild des ehemaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg wird im Lichte neuerer Geschichtsforschung zunehmend kritisch gesehen. Seine aktive Rolle bei der Übertragung der Macht an Reichskanzler Adolf Hitler hat manche Kommune in Deutschland dazu veranlasst, ihre Hindenburgstraße umzubenennen. Tölz ging nach langer Diskussion und viel Engagement eines Arbeitskreises einen anderen Weg. Entlang der Hindenburgstraße sind auf einem künstlerisch gestalteten Informationsweg neun Info-Stelen aufgestellt, die Leben und Wirken kurz und verständlich erklären und den Mythos Hindenburg zurechtrücken.

Benz hält diesen Sonderweg für richtig: „Kommentierung ist der einzige Weg zum Verständnis schwieriger Zusammenhänge, Verschweigen ist nicht hilfreich.“ Umbenennungen steht Benz kritisch gegenüber. „Geschichte vergeht nicht. Unangenehme Sachverhalte werden nicht durch neue Namen aus der Welt geschafft.“ Eine Anregung hat Benz: Die Stadt müsse besser auf den Infoweg hinweisen. Am Rande des Spaziergangs sicherte Benz Botzenhart übrigens zu, im kommenden Jahr einen Vortrag beim Historischen Verein zu halten. (Christoph Schnitzer)

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