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In früheren Jahrhunderten wurde der Wolf stets als Landplage angesehen.

Die Geschichte von Meister Isegrim im Oberland

„...hat ihn ein Wolf angreifen wollen“

Der Wolf ist wieder da. In St. Heinrich am Starnberger See wurden vor Kurzem Schafe gerissen. Nun gehen die Emotionen hoch, wie zu verfahren ist: Mit ihm leben oder gegen ihn vorgehen? In der Geschichte wurde der Wolf immer bekämpft. Seine Ausrottung in der Region vor 180 Jahren wurde bejubelt.

Bad Tölz – Wolfschlucht, Wolfsöd, Wolfsgrub oder Wolfsgraben: Orts- und Flurnamen erinnern überall im Oberland daran, dass Canis lupus, der Wolf, einmal hier heimisch war. Die Erinnerungen an ihn sind, wenn man den historischen Berichten glauben darf, nur negativ. Der Wolf wurde als Landplage empfunden und bekämpft. Vor allem in der Zeit des 30-jährigen Krieg nahm die Zahl der Wölfe stark zu.

Wie Otto Kinateder in einem historischen Rückblick vor einem halben Jahrhundert schreibt, sei es damals zu Wolfsjagden in großem Stil gekommen. An einer hätten sich rund 100 Isarwinkler beteiligt. Bei solchen Wolfsjagden im Tegernsee Gebiet seien kräftige Wolfshunde vom Kloster Benediktbeuern zum Einsatz gekommen. Bei dieser Wolfshatz wurden riesige Gebiete regelrecht durchkämmt. Trotzdem nahm die Raubtierplage zu. Der Wolf soll damals bis München vorgedrungen sein und ein Kind am Schwabinger Tor getötet haben.

Im Isarwinkel beruft sich Kinateder in seinem Bericht auf die Hohenburgischen Akten und zitiert daraus vom 22. Januar 1668: „Am vergangenen Mittwoch die Nacht, als der Baderssohn vom Verpündten in Länggries heimgangen, hat ihn auf dem Weg auch ein Wolf angreifen wollen, hat sich bloß mit Schreinen erhalten können, weil er nichts bei ihm gehabt.“

In den Akten des königlich-oberbayerischen Kreisarchivs (= Staatsarchiv München) ist zu lesen, „dass im Jahre 1670 die, dem Burgfrieden von Tölz nächstgelegenen Berge des rechten Isarwinkels, von diesen Raubtieren noch nicht völlig frei waren.“ Der Klosterchronist von Benediktbeuern, P. Karl Meichelbeck (1669-1734) hält schließlich fest: „Anno 1675 hat hiesiges Kloster schwere Anstöß gehabt; hier zu Hause war ein Sucht unter dem Vieh, in dem Gebirg haben Bärn und Wölf viel Viech gefressen.“

In den folgenden Jahrzehnten werden die Wolfsberichte deutlich weniger. Kinateder berichtet von einem Forstwart Heiß zu Altlach am Walchensee, der einen „Wolfsgarten“ anlegte. Er band darin ein lebendes Schaf an und brachte rundherum vier Schlageisen (= Fallen) an. Meister Isegrim ging damals aber nicht in die Falle. Derselbe Forstwart errichtete in der „Altler Au“ unter einer Brücke, die dem Wolf als Wechsel diente, eine verdeckte Grube mit einem Schlageisen. Da es im Wasser lag, sollte es das Tier nicht wittern. Der offenbar erfahrene Wolf ging aber nicht in die Falle, dafür, wie überliefert wird, ein Wanderer, der sich „im Eisen fing“.

Von einem Einzelgänger, der weit herumkam, ist 1812 die Rede. Da meldet das königliche Forstamt Weilheim und Murnau, dass im Jagddistrikt Oberammergau ein alter Wolf erlegt worden sei, der im Gebiet Weilheim, Schongau, Tölz, Miesbach, Werdenfels und Landsberg sein Unwesen getrieben habe. Er war nicht der Letzte seiner Art. Das Forstamt Mittenwald berichtet 1813, dass mindestens noch ein Wolf unterwegs sei. Auch das Miesbacher Forstamt schreibt zur selben Zeit von einen Bären und zwei Wölfen. Im selben Jahr wird am Spitzing ein Wolf erlegt, der neun Jahre lang zwischen Schliersee und Tegernsee Vieh gerissen hat. Der Schaden wird mit „8000 bis 10 000 Gulden“ angegeben, ein Vermögen.

1831 hinterließ ein Wolf am Schliersee wiederum blutige Spuren, als er nachts vier Schafe reißt. Er wird noch am selben Tag an der Brücke in Fall gesehen. Am 28. Dezember 1936 schlug diesem Wolf das letzte Stündchen. Nachdem er im Großtiefental im Rotwandgebiet eine Kuh angefallen hatte, wird er, so die Überlieferung vom Forstgehilfen Anton Hohenadel im Sauriesgraben bei Egern erlegt. Wie bei früheren Wolfsjagden wurde Schussgeld bezahlt. Der stolze Schütze, den Lorenz Quaglio sogar zeichnete (Bild oben), erhielt 75 Gulden Belohnung. Zum Vergleich: Ein Schullehrer, damals freilich nicht besonders gut bezahlt, erhielt 200 Gulden im Jahr.

Von Christoph Schnitzer

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