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Geschichtliches am Straßenrand: Das erzählen die neuen Info-Tafeln in Tölz

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Von: Andreas Steppan

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Hochinteressantes im kompakten Format: Stadtarchivarin Manuela Strunz, 3. Bürgermeister Christof Botzenhart, Bürgermeister Ingo Mehner, Claus Janßen,, Vorsitzender des Historischen Vereins und Grafikerin Julia Stern stellten die neuen Straßennamen-Zusatzschilder für Tölz und Ellbach vor.
Hochinteressantes im kompakten Format: Stadtarchivarin Manuela Strunz, 3. Bürgermeister Christof Botzenhart, Bürgermeister Ingo Mehner, Claus Janßen,, Vorsitzender des Historischen Vereins und Grafikerin Julia Stern stellten die neuen Straßennamen-Zusatzschilder für Tölz und Ellbach vor. © arp

Wer wachte an der Wachterstraße, warum ehrte Tölz „Preußen“ wie den Freiherr vom Stein mit einem Straßennamen, und warum gibt es hier einen Berliner Platz? All das erklären künftig 191 Zusatztafeln, die flächendeckend in ganz Tölz und Ellbach angebracht werden.

Bad Tölz – Rund 240 Straßen gibt es in Bad Tölz und Ellbach. An genau 191 davon können die Passanten demnächst nachlesen, was es mit ihren Namen auf sich hat. Im Sommer werden Zusatzschilder mit kurzen Erläuterungen zu Hintergründen und Umständen der jeweiligen Bezeichnung angebracht. Bürgermeister Ingo Mehner sowie Vertreter des Historischen Vereins und des Stadtarchivs stellten das Mammutprojekt am Mittwoch vor.

Vereinzelte Zusatzschilder, die bestimmte Straßennamen erklären, gibt es in Bad Tölz seit Jahren. In seinem Bestreben, Stadtgeschichte in der Öffentlichkeit erlebbar zu machen, habe der Historische Verein die Idee entwickelt, „ein flächendeckendes Straßennamenprojekt anzubieten“, erklärte Christof Botzenhart, 3. Bürgermeister und 2. Vorsitzender des Historischen Vereins.

Intensive Arbeit

Der Stadtrat gab seinen Segen dazu, und ein Team aus Botzenhart, dem 1. Vorsitzenden Claus Janßen, mehreren weiteren Mitgliedern sowie den Stadtarchivaren Manuela Strunz und Sebastian Lindmeyr machten sich ehrenamtlich ans Werk. Zwei Jahre forschten sie intensiv, welche Straße wann und warum wie benannt wurde. Das Ergebnis fassten sie in kurzen Texten mit je maximal 200 Zeichen zusammen. Grafikerin Julia Sterz erstellte ein Design für Emaille-Tafeln, die das Tölzer Stadtwappen sowie die kurzen Texte in blauer Schrift auf weißem Grund zeigen. Der Betriebshof wird sie den Sommer über entweder an Hausmauern oder unter Straßenschildern anbringen.

Als Quellen dienten den ehrenamtlichen Forschern Stadtratsprotokolle, die „Tölzer Chronik“, Zeitungsarchive sowie der Aktenbestand des Historischen Vereins, erläuterte Janßen. „Denn von Anfang an und bis in die jüngste Zeit war der Historische Verein erster Ansprechpartner, wenn es um die Benennung von Straßen ging.“

Erste Bezeichnung war wohl die Marktstraße

Der älteste Tölzer Straßenname dürfte die Marktgasse oder -straße sein, die auf alten Karten schon so bezeichnet wurde. Laut Janßen gab es dann ab ungefähr 1800 erste weitere Bezeichnungen. Nötig wurden sie vor allem ab ungefähr 1880 in Zeiten der Blüte der Kur. Als im Badeteil immer mehr Häuser gebaut wurden und teils mit Bruchteilhausnummern identifiziert wurden, „da hat sich keiner mehr ausgekannt“. Daher habe man angefangen, Straßen nach Flurnamen und historischen Persönlichkeiten zu benennen.

Blau auf weiß: So sehen die neuen Emaille-Schilder aus – hier das für die St.-Korbinian-Straße.
Blau auf weiß: So sehen die neuen Emaille-Schilder aus – hier das für die St.-Korbinian-Straße. © arp

Jede Straßenbezeichnung spiegelt ihre Zeit wider. Als ab 1936 die Karwendelsiedlung angelegt wurde, waren die Straßennamen nationalsozialistisch geprägt, etwa Horst-Wessel- oder Hermann-Göring-Straße. Diese wurden nach dem Krieg durch unverfängliche Bergnamen ersetzt. Wie Lindmeyr sagte, habe man aber bewusst darauf verzichtet, solche NS-Straßennamen auf die neuen Emaille-Tafeln zu schreiben. „Sie sollen nicht wieder an öffentlichen Straßen hängen.“

Frauennamen sind in der Minderzahl

Aus der Nazizeit erhalten geblieben sind dagegen Straßennamen im Wohngebiet am Hintersberg – wo man sich über die Ehrung von Persönlichkeiten ohne offensichtlichen Bezug zu Tölz, etwa Theodor Körner oder Freiherr vom Stein, wundern könnte. „Diese Namen hat der damalige Stadtbaumeister Peter Freisl vorgeschlagen, in Erinnerung an die Kämpfer im Freiheitskrieg gegen Napoleon“, erläuterte Botzenhart. Ebenfalls zeitgeschichtlich interessant: Der Berliner Platz erhielt seinen Namen 1962 als Zeichen der „innerdeutschen Solidarität“ nach dem Mauerbau.

Die jüngsten Straßenbenennungen in Bad Tölz erfolgten 2019 an den Fußwegen am linken und rechten Isarufer – nach dem Sozialdemokraten und NS-Verfolgten Michael Deschermeier und dem ersten Tölzer Nachkriegs-Bürgermeister Anton Holzner. Für künftige Bezeichnungen gab Botzenhart zu bedenken, dass es aktuell bei den Namensgebern „ein eklatantes Missverhältnis zwischen Männern und Frauen“ gebe. Hier sollten die Malerin Stefanie von Strechine oder die Kurfürstin Adelheid künftig mehr weibliche Gesellschaft bekommen.

Mitgearbeitet am Straßennamenprojekt haben Christof Botzenhart, Marion Bürkner, Marie Eizenberger, Florian Ernst, Martin Hake, Claus Janßen, Sebastian Lindmeyr, Joseph Pallauf, Peter Petsch, Manuela Strunz und Christoph Schnitzer.

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