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Geschlagen und allein gelassen: Das Schicksal einer 22-jährigen Mutter

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Der Ex-Freund schlug sie, verbot ihr zu arbeiten und lud auf ihre Kosten Handy-Spiele aus dem Internet herunter. Dann wurde Lena B. (Name geändert) von einer Partybekanntschaft ungewollt schwanger. Als Alleinerziehende nagt die 22-Jährige am Existenzminimum.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Lena B.’s Schlafzimmer ist ein Kinderzimmer. Überall liegt Spielzeug, ein großer gebrauchter Teppich mit aufgemalten Straßen bedeckt den halben Boden. Lena B. (22) schaut ihren kleinen Sohn Fabi an und sagt: „Hauptsache, er hat genug, lieber stecke ich zurück.“

Das Kinder- und Schlafzimmer der beiden ist fast schon alles. Eine Mini-Küche, ein Bad und eine Wäschekammer finden sich noch auf den 36 Quadratmetern am Tölzer Stadtrand. „Ich fühl mich nicht wohl hier“, sagt Lena B. Seit Fabi auf der Welt ist, sucht sie nach einer größeren Wohnung. Aber erstens findet sie auf dem umkämpften Isarwinkler Markt keine, zweitens könnte sie keine bezahlen. Nur 600 Euro an Sozial- und Arbeitslosenhilfe bleiben der alleinerziehenden Mutter maximal zum Leben.

Fabi ist jetzt 15 Monate alt, er teilt sich mit seiner Mama nicht nur ein Zimmer, sondern auch das Bett. Lena B. liebt den Kleinen, der da im Superman-Shirt auf dem Straßenteppich herumturnt, über alles. Die junge Frau würde gerne so vieles an ihrer Situation ändern, eine gescheite Wohnung, wieder ein fahrtüchtiges Auto haben. Doch dass Fabi da ist, bereut sie keine Minute. Auch wenn er nicht geplant war. „Es war eine Partynacht, die Pille hat nicht gewirkt“, erzählt Lena B. Schonungslos offen spricht sie von der Vergangenheit. Den Vater des Kindes nennt sie nur „Erzeuger“. „Er hat sich heuer von Januar bis September nicht einmal gemeldet.“ Von finanzieller Unterstützung ganz zu schweigen. 

Der Vater: „Unzuverlässig und unreif“

Obwohl laut Lena B. kein anderer Mann in Frage kommt, steht die offizielle Bestätigung der Vaterschaft noch aus. Die Verhandlung zur gerichtlichen Vaterschaftsfeststellung ließ der Erzeuger – wohl wegen vorgeschobener Gründe – absagen. „Ich habe das wenige Tage vorher erfahren“, ärgert sich Lena B. Scheinbar spielt der junge Mann auf Zeit. „Er hat mir gesagt, dass er uns unterstützt, wenn das geklärt ist. Aber ich glaube es einfach nicht. Er ist unzuverlässig und unreif.“ Trotz allem sieht die junge Mutter noch eine Chance für den Kindsvater. „Aber wenn, dann müsste er das Kind regelmäßig sehen.“ Ganze zweimal sind er und Fabi sich bislang begegnet.

Nie wieder begegnen will Lena B. ihrem Ex-Freund, von dem sie sich im August 2014 trennte. Sie entkam ihm nur mit Hilfe eines guten Freundes. „Er hat ihn zurückgehalten, als ich zur Tür raus bin“, erzählt sie. Es war die Flucht vor einem Besessenen. „Er wollte immer die Kontrolle haben – und er hat mich geschlagen.“ Der Ex-Freund hatte sie voll in der Hand – und oft auch ihr Handy. Auf die Kosten von Lena B. lud er Updates für Handyspiele herunter, häufte so über 1000 Euro Schulden an. Die stottert Lena B. jetzt mühsam ab – gerade in einer Zeit, in der es am Monatsende ohnehin immer so eng ist mit dem Geld. „Ich kann nicht beweisen, dass er es war“, sagt sie. Vor allem aber zahlt sie die Schulden selbst, um jeglichem Kontakt zu entgehen.

Der Ex-Freund überwachte sie sogar beim Duschen, verbot ihr zu arbeiten. „Auf dem Bau hätte ich ja jemanden kennenlernen können.“ Lena B. hat eine Ausbildung als Malerin, an der Schlafzimmerwand hängen kleine Kunstwerke. Im Herbst 2018 soll Fabi in den Kindergarten. Dann möchte sie wieder arbeiten, wohl nicht als Malerin, am besten als Halbtagskraft irgendwo. Möglichst schon früher will die 22-Jährige ein Zuhause mit eigenem Zimmer für ihren Sohn.

„Als Alleinerziehende bekommst du wenig Unterstützung“, sagt Lena B., die aber auch positive Dinge in ihrem Leben sieht. Zum Beispiel, dass sie sich wieder mit ihren Eltern und Schwestern versteht. Denn da war noch ein anderer Ex-Freund. Er trieb einen Keil in die Familie, schubste die Frau in ein schwieriges Umfeld. Deshalb sagt Lena B. heute: „Wäre ich nicht schwanger geworden, wäre ich wahrscheinlich in der Gosse gelandet.“

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