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Gähnend leere Strände wie hier in Antalya sind in der Türkei heuer keine Seltenheit. Auch Reisebüro-Kunden im Landkreis schrecken vor Buchungen zurück. 

Ferienplanung

„Gewaltiger Einbruch bei Türkei-Reisen“

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Wo reisen die Landkreis-Bewohner heuer hin? Reisebüros der Region haben vor allem eine klare Antwort, wohin eher nicht. 

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan schadet dem Tourismus in seinem Land: Das ist eine wesentliche Beobachtung von Anna Maria Scheitterer in diesem Jahr. Sie leitet das AS-Reise-Center an der Sachsenkamer Straße in Bad Tölz. „Wir erleben einen gewaltigen Einbruch in Sachen Türkei-Reisen“, sagt sie. Schon in der Frühbucher-Phase hatte der Deutsche Reiseverband (DRV) einen Rückgang von 58 Prozent festgestellt. Aber die Sicherheitslage spiele für ihre Kunden bei der Urlaubs-Entscheidung gegen das Land am Schwarzen und am Mittelmeer nicht die Hauptrolle, so Scheitterer. „Nein, es geht um Erdogan. Viele wollen diesen Menschen nach seinen politischen Äußerungen nicht unterstützen.“

Nach der Volksabstimmung Mitte April warnt das Auswärtige Amt davor, Großveranstaltungen in der Türkei zu besuchen. Hat sich in Zeiten, in denen Terroranschläge auch Paris, London und Berlin treffen, auch das Reiseverhalten der Menschen verändert? Diese Frage kann auch Klaus Stößel gut beantworten. Er ist Geschäftsführer des Reisebüros „Atlantik-Luft“ in Geretsried. „Die Leute wissen, dass Anschläge mittlerweile überall passieren können. London ist ja trotzdem gerammelt voll“, sagt Stößel. Die Menschen ließen sich nicht mehr so leicht abschrecken.

„Auf Schnäppchen braucht heuer keiner zu hoffen.“

Bei ihr hätten allerdings zuletzt etwas weniger Städtetouristen für London gebucht, berichtet Anna Maria Scheitterer. „Im Frühjahr waren es noch mehr.“ Für spontane Strandurlauber hat die Tölzerin eine schlechte Nachricht: „Auf Schnäppchen braucht heuer niemand zu hoffen.“ Die, die der Türkei die kalte Schulter zeigen, hätten stattdessen für Italien, Spanien und Griechenland gebucht. „Dort haben die Preise sehr stark angezogen.“ Stößel stimmt zu: „Auf Sardinien zahlt man im August das Dreifache wie sonst.“

Gewinner der aktuellen Lage seien zum Beispiel Schottland und Irland, sagt Scheitterer: „Busrundreisen sind sehr gefragt.“ Und Kreuzfahrten. Hier hat die Reisebüro-Chefin einen Geheimtipp: „Wer über die Ostsee in St. Petersburg an Land geht, hat weniger Schwierigkeiten mit dem Visum in Russland.“ Tatsächlich darf jeder, der per Fähre oder Kreuzfahrtschiff russischen Boden betritt, drei Tage lang ohne Visum bleiben.

„Deutschland boomt ohne Ende.“

Auch auf dem Mittelmeer seien solche Reisen gefragt, sagt Stößel. Der Trend gehe eher zu einwöchigen Reisen. „Die Leute haben so viele Möglichkeiten und teilen sich ihren Urlaub ein.“ In seinem Reisebüro gebe es seltener Kunden, die gleich drei Wochen am Stück wegfahren.

Als günstige Alternative nennt der „Atlantik-Luft“-Chef Kroatien: „Dort wurde in den vergangenen Jahren viel gebaut, und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt.“ Und dann gibt es da ja auch noch den Urlaub im eigenen Land. „Deutschland boomt ohne Ende“, sagt Ralf Hecher, der zwei gleichnamige Reisebüros in Wolfratshausen und Geretsried führt. Gerade Inseln wie Rügen, Sylt oder Föhr seien gut gebucht.

Während manche Regionen ihre Anziehungskraft verlieren, ändert sich bei Ferien-Klassikern wie Mallorca selten etwas. Wobei Hecher hier im vergangenen Jahr ein eigenartiges Phänomen festgestellt hat: „Es hat noch jede Menge Flüge gegeben, aber keine Hotelbetten mehr.“ So könne es auch heuer wieder kommen.

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