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Autoverkehr auf der Bahnbrücke: Das ist bei Anliegern und im Rathaus sehr umstritten.

Bahnbrücke Gaißacher Straße 

Gießkannenprinzip ist der falsche Weg

Es knarzt an vielen Ecken und Enden in Tölz. Anlieger der Gaißacher Straße und „Am Schuss“ wollen sich nicht damit abfinden, dass die Bahnbrücke wieder für den Autoverkehr geöffnet werden soll. Über 300 Anwohner haben eine Petition unterzeichnet.

Bad Tölz – Vorgeschichte: Schon vor über zehn Jahren wurde im Stadtrat über eine – inzwischen nötige – Sanierung und Öffnung der maroden Brücke diskutiert. Damals lehnte die Mehrheit den Vorstoß der FWG-Fraktion ab, behielt sich aber einen erneuten Erkenntnisaustausch vor. So weit war es dann im Dezember vergangenen Jahres, als eine fraktionsübergreifende Initiative das Thema erneut aufs Tapet brachte – und sich durchsetzte. Die einzige Gegenstimme kam übrigens von Bürgermeister Josef Janker.

Die vier Stadträte (Franz Mayer, Ludwig Janker, Camilla Plöckl, Ulrike Bomhard) verwiesen auf den neuen Verkehrsentwicklungsplan (VEP), der eine Öffnung der Brücke „in verträglicher Form“ durchaus empfiehlt. Es seien statt 100 künftig nur etwa 200 Fahrzeuge täglich zu erwarten. Vorteile: Der Verkehr vom Schuss ins Badeteil könnte über die Umgehungsstraße geführt werden und die Innenstadt entlasten. Eine befahrbare Brücke könnte auch als Bypass-Möglichkeit für Notfallsituationen dienen. Sie würde schließlich auch die Osterleiten- und Ruhlandstraßen-Anlieger entlasten und den Verkehr gleichmäßiger verteilen, wie Florian Rein (FWG) sagt und auf das Gemeinwohl pocht. Er wohnt in der Gaißacher Straße und würde von der Maßnahme unmittelbar betroffen sein.

Die Anlieger hingegen verweisen auf den derzeit sicheren Schulweg für die Kinder, der dann gefährdet wäre. Und sie fürchten eine deutliche Mehrung des Ausflugs- und Schleichverkehrs.

Ulrike Budde aus der Gaißacher Straße hat die Petition mit 320 Unterschriften an die Stadt mitverfasst. Das Argument, den Verkehr auf mehrere Schultern zu verteilen, hält sie für den falschen Ansatz. Es sei fast schon „zynisch“, das selbst geschaffene Problem des starken Osterleiten-Verkehrs im Gießkannenprinzip auf alle zu verteilen und intakte Wohnquartiere zu belasten. Im Grunde, sagt Budde, müssten sich Osterleiten und Schuss-Anlieger zusammentun, um gegen die völlig überforderte Osterleiten-Kreuzung vorzugehen. Ein sinnvolles Verkehrskonzept vermag sie nicht zu erkennen. Budde fordert ein generelles Umdenken gegenüber dem Moloch Verkehr, dem sich hierzulande alles zu unterwerfen habe.

Die VEP-Zahl von 200 Fahrzeugen täglich hält Budde für fragwürdig. Die Brücke werde einspurig, aber nicht einseitig geöffnet. Abkürzer würden so von der Umgehungsstraße am Bahnhof und Sitec vorbei, sich einige stauträchtige Ampeln und Kreisel sparen. „Wer von Norden kommt, gelangt von der Brücke ohne störende andere Verkehrsregelung auf die Osterleite und in die Stadt.“

Franz Mayer (Grüne) hält diese Argumente für durchaus bedenkenswert, soweit es den Anwohnern nicht nur um eine „Totalverweigerung“ gehe. Beim Schutz von Fußgängern und Radlern werde man Lösungen finden, ist er sicher. Genau wie man etwa durch wechselseitiges Parken den befürchteten überörtlichen Zusatzverkehr einschränken könne.

Christoph Schnitzer

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