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Das Bett hüten müssen derzeit viele Patienten, die unter einer Erkältung oder an Grippe leiden.

Grippewelle spannt Ärzte und Pfleger ein

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Die Grippewelle macht Krankenhäusern und Hausarztpraxen zu schaffen: Das Robert-Koch-Institut meldet seit Ende 2017 deutschlandweit über 16 000 Influenza-Fälle – und 70 Menschen, die infolge einer Grippe starben. 1000 Fälle gingen zuletzt alleine in einer Woche beim Münchner Gesundheitsamt ein.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ernst ist die Lage auch im Landkreis – zum Beispiel in der Hausarztpraxis am Tölzer Moraltpark. „Ich habe den Eindruck, die Viren werden von Jahr zu Jahr hartnäckiger und boshafter“, sagt Dr. Claudia Albrecht. „Es kommen bestimmt 25 bis 30 Menschen am Tag mit grippalen Infekten. Es ist tatsächlich eine Welle.“ Für das volle Wartezimmer hat Albrecht aber noch eine weitere Erklärung: Fünf andere Tölzer Hausärzte musste sie vergangene Woche wegen der Faschingsferien vertreten.

Wenn Praxen geschlossen haben, landen viele Grippeleidende mit ihrem starken Fieber und Husten auch direkt in den Krankenhäusern. In der Kreisklinik Wolfratshausen herrsche keine Katastrophenstimmung, sagt der Ärztliche Direktor Dr. Michael Trautnitz, der auch Chefarzt der internistischen Abteilung ist. „Aber wir haben mehr Patienten als in den vergangenen beiden Jahren.“ Über die klassische Influenza A und B habe man wenige Nachweise – „dafür aber viele allgemeine grippale Infekte. Zwei bis vier Menschen kommen deshalb täglich in die Notaufnahme“, sagt Trautnitz. Die grassierenden Viren haben in Wolfratshausen auch das Pflegepersonal nicht verschont. Die Ausfälle „bedeuten einen deutlichen Mehraufwand für die übrigen Kräfte“. Einzelne Stationen schließen musste die Kreisklinik laut dem Ärztlichen Direktor bislang aber nicht.

Viel zu tun gibt es auch in der Tölzer Asklepios-Klinik: „Wir haben derzeit deutlich mehr Influenza A- und B-Patienten als im Vorjahreszeitraum. Zu Engpässen kommt es deshalb aber nicht“, sagt Pressesprecher Christopher Horn. Hygiene sei der entscheidende Faktor, um die Verbreitung von Keimen zu verhindern. „Unsere Mitarbeiter werden regelmäßig und umfassend geschult.“ Besucher würden bei Betreten und Verlassen der Klinik sowie der Patientenzimmer gebeten, ihre Hände zu desinfizieren.

Im Landkreis sind seit Jahresbeginn 171 laborbestätigte Influenza-Fälle erfasst. Im selben Zeitraum 2017 waren es nach Auskunft des Gesundheitsamts 140. Die Zahlen sind allerdings nur bedingt aussagekräftig, merkt Sprecherin Sabine Schmid an. „Für die Influenza besteht nur eine Labormeldepflicht. Es hängt also immer davon ab, ob der behandelnde Arzt überhaupt einen Labortest macht. Und da weiß man aus Erfahrung, dass viele Ärzte das gar nicht machen, weil es keine Konsequenz für die Therapie hat.“

Auch das Gesundheitsamt gibt Hygiene-Tipps: gründlich Händewaschen, so wenig wie möglich die Schleimhäute von Augen, Mund und Nase berühren, Abstand halten zu niesenden Menschen, und das Händeschütteln vermeiden. Der beste Schutz gegen Grippe sei aber eine Impfung, die man im Oktober oder November vornehmen sollte.

Einige nicht geimpfte Grippekranke hat Dr. Bodo Ermoneit aus Bad Heilbrunn behandelt – insgesamt „etwas weniger als sonst. Aber ich glaube, wir haben den Gipfel noch nicht erreicht“, sagt er. So sieht das auch die Tölzer Kinderärztin Carolin Lang. „Der Höhepunkt kommt noch.“ Zwischen 50 und 100 Kinder, die schon mal zwei Stunden warten müssen, kämen täglich in die Gemeinschaftspraxis. „Das gehört dazu in dieser Jahreszeit“, sagt Lang. Einige Kinder schickten sie und ihre Kollegin gleich ins Krankenhaus – wegen „Komplikationen“. Damit meint Lang zum Beispiel Lungen- und Mittelohrentzündungen oder Kinder, die bei Fieber zu wenig trinken und deshalb eine klinische Infusionsbehandlung brauchen.

Weil die Grippe umgeht, war Hausärztin Claudia Albrecht am Freitag auf Hausbesuchen unterwegs. Nicht nur in Altenheimen: Sie erhielt auch Anrufe von jüngeren Patienten, die sich wegen des hohen Fiebers nicht in die Praxis schleppen konnten.

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