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Mittagspause der anderen Art: Bürger und Fachleute wie Schreinermeister Ulrich Fottner (li.) und Zimmerermeister Georg Melf (Hut) diskutierten mit Bürgermeisterkandidat Michael Lindmair (mit Sakko) und anderen FWG-Mitgliedern über die Herausforderungen von Tölzer Handwerksbetrieben. 

FWG-Veranstaltungsreihe „5 vor 12“

Die größte Herausforderung: Mehr Wertschätzung für Tölzer Handwerksbetriebe

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Handwerker stellen unsere Lebensmittel her und bauen unsere Häuser. Trotzdem fehlt es an gesellschaftlicher Wertschätzung. Und das ist nur eine der Herausforderungen, mit denen sich die Betriebe in Tölz konfrontiert sehen.

Bad Tölz – Georg Melf schwankte schon vor dem offiziellen Veranstaltungsbeginn zwischen Unverständnis und Zorn: Es müsse doch nicht jeder Goethes „Faust“ auswendig können, ärgerte sich der Tölzer Zimmerermeister über den zunehmenden Akademisierungswahn. Melf war einer der Fachleute, den die Freie Wähler Gemeinschaft (FWG) am Donnerstag zu einem offenen Mittagessen zum „Binderbräu“ geladen hatte. Unter dem Motto „5 vor 12“ diskutierten Stadträte und solche, die es werden wollen, mit Experten und Bürgern über die Frage: „Vor welchen Herausforderungen stehen die Handwerksbetriebe in Bad Tölz?“

Der Grundtenor war klar: Die größte Herausforderung sei es, die Anerkennung und Wertschätzung des Handwerks in der Gesellschaft zu erhöhen. „Nicht jeder muss studieren, auch mit einer guten Ausbildung hat man gute Karrierechancen“, sagte etwa Sandra Büttner von der gleichnamigen Tölzer Bäckerei.

Und auch die Verdienstmöglichkeiten sind laut Kreishandwerksmeister Martin Heimgreiter nicht schlecht: So bekomme ein Maurer nach der Lehre etwa 3800 Euro brutto. „Damit steht er besser da als die meisten Studenten“, bilanzierte FWG-Stadtratskandidat Andreas Munkert.

Werbung für österreichisches Modell: „Lehre mit Matura“

Um mehr Jugendliche für eine Ausbildung zu gewinnen, warb Thomas Schneider von der gleichnamigen Tölzer Bauunternehmung für ein ähnliches Modell wie in Österreich. Die Lehrlinge dort können in einem vierten Ausbildungsjahr das Abitur erwerben („Lehre mit Matura“). „Viele nutzen dieses Angebot am Ende aber gar nicht, weil sie merken: ,Hoppla, das ist gar nicht so verkehrt, was ich da mache‘“, sagte der Bauingenieur.

Mehr Wertschätzung ist die eine Herausforderung für die Betriebe, passende Gewerbeflächen für eine Erweiterung zu finden die andere. Der Bedarf vor Ort wäre da, sagte FWG-Bürgermeisterkandidat Michael Lindmair und verwies auf eine entsprechende Studie des Wirtschaftsforums Oberland. Auf dem ehemaligen Moralt-Gelände gebe es durchaus Entwicklungsmöglichkeiten. Und auch im Farchet – „aber immer auf Kosten einer grünen Fläche.“

Mehr Frauen in handwerklichen Berufen

Im Zusammenhang mit der dritten großen Herausforderung – dem Fachkräftemangel – warf Moderatorin Sandra Freudenberg die Frage auf, wie man mehr Frauen für handwerkliche Berufe begeistern könne. Laut Stadtratskandidatin Andrea Niedermaier zieht es ohnehin schon mehr Vertreter des weiblichen Geschlechts auch in klassische Männerdomänen wie das Konditor-Handwerk. Rein körperlich sei das inzwischen kein Problem: „Niemand muss mehr Mehlsäcke tragen“, sagte Andrea Niedermaier, die früher die Bäckerei Gotz führte. Schwierig wird es aber offenbar, wenn Handwerkerinnen Kinder bekommen: „Sie wechseln in den Verkauf“, sagte Schreiner Ulrich Fottner, der das schon zweimal erlebt hat.

Laut Zimmerermeister Georg Melf stehen Frauen in seinem Fachgebiet trotzdem alle Türen offen: Als Meisterin seien sie zum Beispiel im Bauamt sehr gefragt. Ihm persönlich sei so jemand deutlich lieber als so mancher Ingenieur, der denke, Wunder was er könne – von der Praxis aber wenig Ahnung habe.

Folgeveranstaltung

Das nächste offene Mittagessen der FWG unter dem Motto „5 vor 12“ findet am Donnerstag, 6. Februar, statt. Im Mittelpunkt steht die Tölzer Jugend und was sie sich von der Politik wünscht. Beginn ist nicht um 11.55 Uhr im „Binderbräu“, sondern um 13.30 Uhr in der „Franzmühle“.

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