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Größter Wunsch eines Spätaussiedlerpaars aus Tölz: Neue Waschmaschine

  • vonInes Gokus
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Spätaussiedler-Paar hat in Deutschland hart gearbeitet. Nun bekommen beide nur eine geringe Rente. Ihr größter Wunsch ist eine neue Waschmaschine.

Bad Tölz-Wolfratshausen – In ihrem Heimatort Pavlovka in Kasachstan arbeitete Tatjana R. als Hebamme und medizinische Fachkraft im örtlichen Krankenhaus. „Ich war mit Herz und Seele bei meinem Beruf“, sagt sie. Ihr Mann war Ingenieur. Sie hatten ein gutes Leben, erinnert sie sich, mit ihrer Familie und den Freunden. Doch dann kam die Perestroika (Umgestaltung) , „und alles ist kaputt gegangen“. Das Krankenhaus machte zu, das Geld war nichts mehr wert, zeitweise gab es keinen Strom und kein Wasser im Dorf. Der Lohn, so erzählt Tatjana R., wurde drei Jahre lang in Naturalien ausgezahlt.

Mit Perestroika „alles kaputt gegangen“.

So entschied sich das Ehepaar vor 17 Jahren, nach Deutschland auszuwandern, als sogenannte Spätaussiedler – wie so viele andere auch. „Wir haben sofort Sprachkurse genommen und dann gleich gearbeitet, wir waren nicht einen Tag untätig zuhause.“ R. war in einer Behindertenwerkstatt im Nachbarlandkreis als Betreuerin tätig und sehr glücklich in ihrem Job. „Ich habe immer noch Kontakt zu meinen Schützlingen“, sagt sie. „Wenn wir telefonieren, erinnern sie sich an die russischen Lieder, die ich mit ihnen gesungen habe“. Ihr Mann Mischa arbeitete in der Gastronomie als Reinigungs- und Küchenkraft.

Ehepaar lebt und arbeitet seit 17 Jahren in Deutschland

Das Ehepaar, inzwischen um die Siebzig, lebt in Tölz. „Wir sind so dankbar, dass wir hierher kommen durften.“ Tatjana R. ist ein optimistischer und fröhlicher Mensch, und sie lässt sich von Widrigkeiten nicht so schnell unterkriegen. Kommt Besuch, bietet sie Kaffee und Pfannkuchen an, denn Gastfreundschaft wird groß geschrieben. Die Wohnung ist liebevoll eingerichtet und blitzsauber. Doch seit sie und ihr Mann im Ruhestand sind, ist das Geld knapp. Das Problem sind die Rentenbestimmungen für Spätaussiedler. Mischa R. bekommt nur seine Arbeitszeit in Deutschland angerechnet. Tatjana R. hat zwar als Deutschstämmige Anspruch auf mehr Geld, aber viel ist es nicht. Doch die Miete und das Leben sind teuer, es darf nichts Unvorhergesehenes passieren. Jetzt ist die Waschmaschine kaputt gegangen, und für die Neuanschaffung braucht das Ehepaar finanzielle Unterstützung. Aber Tatjana R. bleibt zuversichtlich. „Ich kann überhaupt nicht klagen“, beteuert sie. „Ich hab hier überall freundliche und hilfsbereite Menschen getroffen. Ich habe meine Kinder und Enkelkinder hier. Deutschland ist jetzt mein Land.“

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