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Geballte Mann-Kompetenz: Dr. Daniel Lang, Dr. Dirk Heißerer und Martin Hake (v. li.) sind die Köpfe hinter dem nun neu aufgelegten Buch „Nicht auf der Rasenkante gehen“ über die Zeit des Nobelpreisträgers in Bad Tölz. Hier gruppieren sie sich um ein besonderes Fundstück, einen Leiterwagen, den wohl einst die Mann-Kinder nutzten.

Auftakt zum Gedenkjahr

Große Bühne für Thomas Mann

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Das Literatur-Interesse ist in der Stadt offenbar enorm: Beim offiziellen Auftakt zum Tölzer Thomas-Mann-Jahr war der Andrang so groß, dass die Veranstaltung vom Stadtmuseum ins Pfarrheim Franzmühle verlegt wurde.

Bad Tölz– Im Mittelpunkt des offiziellen Auftakts zum Tölzer Thomas-Mann-Jahr stand eine Buchpräsentation: Die Studie „Nicht auf der Rasenkante gehen“ über Thomas Mann in Tölz ist in zweiter, erweiterter Auflage erschienen. Herausgeber Dirk Heißerer lobte in seiner Ansprache die Wiederentdeckung des großen Literaten vor Ort: „Bisher waren es in Tölz eher Einzelpersonen, um nicht zu sagen Einzelkämpfer, die sich des Themas annahmen. Das hat sich geändert, und es entwickelte sich eine großartige Zusammenarbeit.“

Zuvor hatte Bürgermeister Josef Janker eingeräumt: „Thomas Mann hat in Bad Tölz bisher nicht die Rolle gespielt, die er verdient hätte. Jetzt wollen wir ihm die Bühne bieten, die ihm zusteht.“ Gleichzeitig versprach er: „Das wird keine Eintagsfliege. Wir wollen die Erinnerung über 2017 hinaus pflegen.“

Grund genug dazu gibt es, wie 3. Bürgermeister Christof Botzenhart, Ideengeber des Mann-Jahrs, darlegte: „Es ist kein Kleines für Tölz, dass es so zum Ort der Literatur und und zum literarischen Ort geworden ist.“ Der Nobelpreisträger hatte 1908 in der Nähe des Klammerweihers ein Sommerhaus errichtet, in dem er mit seiner Frau Katia und den – zum Schluss der Tölzer Zeit – vier Kindern bis 1917 die Sommermonate, mitunter auch Winterurlaube verbrachte. Dieses Gebäude sei „abgesehen von dem im fernen Kalifornien das einzige authentisch erhaltene Mann-Haus“, so Botzenhart.

Der Behauptung, die Stadt habe dem berühmten Sommergast in der Vergangenheit keine Aufmerksamkeit geschenkt, trat Botzenhart entgegen. Er erinnerte daran, dass die Stadt in den 1960er-Jahren die Initiative des Gymnasiallehrers Ludwig Zollitsch unterstützt habe, an der Mann-Villa eine Gedenktafel aufzustellen. 1989 habe Bürgermeister Eckart Fadinger Golo Mann in allen Ehren empfangen. Auch habe die Stadt 1997 den Lions-Club bei dessen Jubiläumsjahr unter dem Oberthema Thomas Mann unterstützt. „Insgesamt ist das offizielle Gedenken trotzdem ausbaufähig“, so Botzenhart.

Als der damalige Germanistikstudent Daniel Lang vor zehn Jahren Thomas Mann und Bad Tölz zum Thema seiner Magisterarbeit machte, fühlte er sich jedenfalls noch allein auf weiter Flur, wie er berichtete. „Damals merkte ich, dass der Prophet im eigenen Land nicht viel zählt“, sagte er. Bei der Präsentation seines Werks im Gasthaus Zantl habe er das Zischeln gehört: „Muss erst einer aus Norddeutschland kommen, um uns über Thomas Mann und Tölz aufzuklären?“ Ihm, Lang, sei bis dahin gar nicht bewusst gewesen, dass seine Heimatstadt Frankfurt/Main in Norddeutschland liege.

Dass es eine Neuauflage des seit 2013 vergriffenen Buchs gibt, liegt am Tölzer Mann-Forscher Martin Hake, der viele neue Erkenntnisse und Materialien zu Tage förderte. „Es ist erstaunlich, was man alles findet, wenn man bohrt“, sagte er. So habe er Kontakt zur Urenkelin von Stasi Halder aufgenommen, bei der Thomas Mann einst in Bad Tölz den Hund Bauschan kaufte, sowie zum Enkel von Manns Köchin.

Herausgeber Heißerer, Vorsitzender des Thomas-Mann-Forums München, merkte an: „Wenn jemand, so wie Thomas Mann, aus diesem Land vertrieben wird und das Vergessen überhand nimmt, dann gilt eine Spurensuche auch verlorenen Werten.“ So erinnerte Heißerer an „reaktionäre Kräfte“, die in Bad Tölz 1957 eine Thomas-Mann-Straße und 1965 den Namen Thomas-Mann-Gymnasium verhindert hätten. In dieser Diskussion „soll auch der Ausdruck ,Volksverräter‘ gefallen sein, ein tolldreistes Schmähwort, das sich bekanntlich bis heute gehalten hat.“ Als 2005 die Golo-Mann-Friedenseiche am Klammerweiher so beschädigt wurde, dass sie später gefällt werden musste, hätten sich dagegen „aufgeklärte Tölzer zur Wehr gesetzt“ und zum Gedenken an die Familie Mann sechs neue Bäume gepflanzt. Allerdings, so Heißerer in seiner pointierten Rede: „Die dazwischen platzierte Hundetoilette kann als Hommage an Bauschan nicht recht überzeugen.“

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