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S-Bahn und Busse: Im Webinar der Grünen Jugend im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen drehte sich alles um den Öffentlichen Personennahverkehr.

Webinar der Grünen Jugend im Landkreis

Grüne Jugend beklagt Schneckentempo beim Ausbau des „Öffis“

Die Verkehrswende ist ein Bohren dicker Bretter. Die Grüne Jugend im Kreis will den Bohrer aber auf keinen Fall aus der Hand legen - und spart nicht mit Kritik.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Vor knapp sechs Jahren gründete sich auf der Geretsrieder Böhmwiese der Kreisverband der Grünen Jugend. Schon damals hoffte ihr Sprecher Jakob Koch (22), dass an der Stelle bald die S-Bahn vorbeifahren werde. „Bald“ ist ein relativer Begriff – der Baubeginn für die S7-Verlängerung ist laut Bahn für 2024 geplant.

Wer mich kennt, weiß, dass ich für den ÖPNV brenne.“

Jakob Koch, Kreis- und Gemeinderat aus Eurasburg

Die Verkehrswende ist ein Bohren dicker Bretter. Dass sie Schritt für Schritt gelingen kann, zeigen die Nachbarlandkreise München und Starnberg. Zu ihrem virtuellen Treffen am Mittwochabend hatte die Grüne Jugend deshalb die Starnberger Grünen-Kreisrätin und Bundestagskandidatin Martina Neubauer sowie den Grünen-Landtagsabgeordneten Dr. Markus Büchler eingeladen. „Wer mich kennt, weiß, dass ich für den ÖPNV brenne“, sagte Jakob Koch. Der Eurasburger Kreis- und Gemeinderat ist Mitglied im Kreisausschuss für Umwelt und Infrastruktur.

Dort wird gerade der neue Nahverkehrsplan für den Landkreis vorbereitet. Der letzte stammt aus dem Jahr 1996. Eines der Ziele des neuen Plans sei es, so Koch, dass alle Gemeinden über 900 Einwohner Busverbindungen im 30-Minuten-Takt in die nächstgelegenen Städte erhielten. In kleineren Orten sollten zumindest alle 60 Minuten Busse verkehren. Der Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) stellt für den Studenten nicht nur einen Beitrag zum Einbremsen des Klimawandels dar. Der Verkehr macht immerhin ein Drittel des Kohlendioxidausstoßes im Landkreis aus. Er ist für den 22-Jährigen auch „ein Recht, an dem alle teilhaben sollen“. Mit der Verstärkung der Buslinie zwischen Wolfratshausen, Geretsried und Bad Tölz sei ein Anfang gemacht, sagte er. Auch wenn es manchem so vorkomme, als ob sie nicht ausgelastet sei, habe die Zahl der Benutzer seit der Taktverdichtung zugenommen.

Im Kreis Starnberg waren die Grünen treibende Kraft

Der Landkreis Starnberg setzt den Nahverkehrsplan, eine freiwillige Aufgabe der Kreise, bereits eifrig um. Martina Neubauer berichtete, dass dort neben den Grünen die Unternehmen die treibende Kraft gewesen seien. „Die jungen, dynamischen Unternehmer haben keinen Bock, alles mit dem Auto zu fahren“, meinte sie. Das Angebot an Buslinien habe sich in Starnberg seit 2012 um 158 Prozent erhöht. Für Schüler und Jugendliche sei das 365-Euro-Ticket eingeführt worden. In einem der nächsten Schritte wolle man versuchen, umweltfreundlichere Fahrzeuge einzusetzen. Neubauer gab zu, dass bis zur breiten Akzeptanz des ÖPNV eine Durststrecke zu überwinden sei – „aber die ist extrem kurz“.

Auch der Landkreis München investiert kräftig in die „Öffis“, wie die Grüne Jugend den Schienen- und Busverkehr liebevoll nennt. 56 Millionen Euro ist er dem Kreis laut Markus Büchler pro Jahr wert. In Bad Tölz-Wolfratshausen sind es gerade einmal vier Millionen Euro, allerdings bei einem wesentlich kleineren Gesamthaushalt. Büchler begrüßt es, dass der Freistaat die Zuschüsse von 50 auf 100 Millionen Euro jährlich verdoppelt hat und Sondertöpfe etwa für Wasserstoff- oder E-Busse bereithält.

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Für den Grünen-Bundestagskandidaten für Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach, Karl Bär, der ebenfalls an der Diskussion teilnahm, ist das nicht genug im Vergleich zu den Summen, die in den Straßenausbau gesteckt werden. Grüne-Jugend-Mitglied Katharina Brandhofer wollte in der Diskussion wissen, ob es nicht ökologischer wäre, bei geringeren Fahrgastzahlen kleinere Busse einzusetzen. Laut Büchler würde das vom Energieverbrauch und somit von den Kosten her nicht viel ausmachen. Das Teuerste seien die Fahrer. Der Verkehrsexperte brachte zudem die Möglichkeiten von landkreisübergreifenden Schnellbussen, Rufbussen, Car- und Bikesharing ins Spiel.

Mit einem von Co-Sprecherin Teresa Wimmer erarbeiteten Quiz endete das Webinar der Grünen Jugend. Eine Frage lautete: Wie viele Kfz wurden im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen 2017 pro Kopf zugelassen? Antwort: 0,75 – für Jakob Koch eindeutig zu viele. (tal)

Lesen Sie auch: So will die Stadt Wolfratshausen 100 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen.

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