Die Kanzlerkandidatin der Grünen: Annalena Baerbock.
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Die Kanzlerkandidatin der Grünen: Annalena Baerbock.

Bundestagswahl

Grüne Kanzlerin? Das sagen Lokalpolitiker aus dem Tölzer Land zu Annalena Baerbock

  • Andreas Steppan
    vonAndreas Steppan
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Erstmals in ihrer Geschichte schicken die Grünen mit Annalena Baerbock eine Kanzlerkandidatin ins Rennen. Die Entscheidung haben auch Lokalpolitiker im Landkreis mit Spannung verfolgt. Ihre Reaktionen fallen naturgemäß unterschiedlich aus.

Bad Tölz-Wolfratshausen – „Sehr zufrieden“ zeigt sich Wolfratshausens Dritte Bürgermeisterin Annette Heinloth (Grüne). „Wir haben das Glück, dass wir zwei sehr gute Bewerber für das Amt zur Verfügung haben“, sagt sie. Der Co-Parteivorsitzende Robert Harbeck wäre Heinloth als Kanzlerkandidat ebenfalls recht gewesen. „Aber es ist folgerichtig und angemessen, dass jetzt wenigstens eine Frau im Rennen ist“, sagt sie. Unabhängig davon hält Heinloth die 40-Jährige für eine sehr geeignete Kandidatin. „Ich habe sie schon persönlich bei Veranstaltungen getroffen, sie hat einen sehr guten Eindruck gemacht“, berichtet die Wolfratshauserin. Die grüne Kanzlerkandidatin überzeuge durch ihre Ernsthaftigkeit und die Art, wie sie sich neugierig in alle wichtigen Themenbereiche eingearbeitet habe. Hat Baerbock auch Chancen, Kanzlerin zu werden? „Ich halte nichts für unmöglich und wünsche es mir“, sagt Heinloth.

Das kann sich auch der FDP-Kreis- und Stadtrat Edmund Häner aus Geretsried durchaus vorstellen – am liebsten natürlich unter Beteiligung der FDP in einer Ampel-Koalition. „Da spricht nichts dagegen“, sagt Häner. Er glaubt allerdings nicht, dass eine grüne Kanzlerin eine große Kehrtwende in der Regierungspolitik bedeuten würde. „In der jetzigen Pandemielage, aber auch, was zum Beispiel die Außenpolitik betrifft, gibt es gar nicht so viel Spielraum, um einen komplett anderen Weg einzuschlagen“, meint Häner – zumal die Grünen ja in jedem Fall mindestens einen Koalitionspartner bräuchten. Bedenken hätte Häner insofern, als aus seiner Sicht „grüne Politik oft mit Verboten und Einschränkungen verbunden“ sei. „Ob das innovative Entwicklungen in unserem Land vereinfacht, bezweifle ich.“ In jedem Fall freut sich Häner auf eine „spannende Wahl“ – und zollt Respekt, dass die Grünen ihre Kandidatenkür „unkompliziert und etwas strukturierter und organisierter durchgezogen haben als die Union“.

CSU mit Kritik an der eigenen Partei

Das muss auch der CSU-Kreisvorsitzende Thomas Holz einräumen. „Damit machen die Grünen Werbung für sich, während man sich bei uns gegenseitig zerfleischt“, kommentiert er mit Blick auf das offene Duell zwischen Armin Laschet und Markus Söder. Holz findet es auch keineswegs unrealistisch, dass die Grünen an der nächsten Bundesregierung beteiligt sind. Sympathisch wäre ihm dieser Gedanke aber ausschließlich unter Führung der CDU/CSU. „Nicht ausmalen“ möchte sich der Kochler Bürgermeister hingegen eine grün-rot-rote Regierung. Und auch andere Bündnisse unter grüner Führung „würde einen Linksruck bedeuten, der nicht gut für das Land wäre“. Gegen eine Kanzlerin Baerbock führt Holz zudem ins Feld, dass sie über keinerlei Regierungserfahrung verfüge.

Nach eigenen Worten „zwiegespalten“ blickt der Linken-Kreisrat Sebastian Englich aus Bad Tölz auf die grüne Kanzlerkandidatin. Persönlich findet er sie „gar nicht so schlecht, sie macht eine gute Figur“, sagt er. Bei einer Regierungsbeteiligung komme es aber sehr darauf an, in welcher Konstellation die Grünen daran beteiligt seien. „In der Schröder-Regierung hat man gesehen, dass die Grünen zwar viel Gutes durchgebracht, aber auch viel Bockmist verzapft haben.“ Deswegen würde Englich ein rot-rot-grünes Bündnis bevorzugen – wobei er in diesem Fall einen SPD-Kanzler immer noch für wahrscheinlicher hält. „Aber wenn Annalena Baerbock Kanzlerin wird, sage ich: Hut ab und alles Gute.“

SPD begrüßt Frau

Für SPD-Kreis- und Stadträtin Filiz Cetin aus Bad Tölz ist es „aus Frauensicht natürlich zu begrüßen, dass wenigstens eine Partei eine Frau als Spitzenkandidatin aufstellt“. Dennoch würde sie sich – wenig überraschend – einen anderen im Kanzleramt wünschen. Cetins Argumentation: „Es sollten zusätzlich Kompetenz und Erfahrung maßgeblich sein, da im Bundeskanzleramt vom ersten Tag an volle Leistung verlangt wird.“ Olaf Scholz bringe in dieser Hinsicht als Finanzminister, Vizekanzler und ehemaliger Regierender Bürgermeister von Hamburg das notwendige „Werkzeug“ mit.

Ein Vertreter der AfD war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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