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Bislang fördert der Landkreis, was Kultur angeht, vor allem Trachtenvereine und Gebirgsschützen. Das soll sich nach dem Willen der Grünen ändern – und zwar gründlich. Über den Vorstoß wurde jetzt im Kreistag debattiert. 

Landkreis-Grüne wollen Kultur fördern

Sieben-Punkte-Plan für die Kunst

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Bad Tölz-Wolfratshausen – Wie kann der Landkreis Kunst und Kultur fördern? Zu dieser Frage hat die Grünen-Fraktion im Kreistag nun ein Sieben-Punkte-Programm vorgelegt, das Kreisrätin Barbara Schwendner im Kulturausschuss vorstellte. Der Knackpunkt: Einiges davon wird Geld kosten. Ob er diese freiwilligen Ausgaben schultern will, darüber muss sich der Ausschuss erst noch Gedanken machen.

Die Grünen schlagen vor, dass der Landkreis „Kunst- und Kulturschaffende (Vereine, Kleinkunstbühnen, Chöre, Theatergruppen etc.)“ jährlich mit einem gewissen Betrag beziehungsweise per Einzelförderung unterstützt. Eine weitere Anregung: Der Landkreis solle alle zwei Jahre ein Kunstwerk für den öffentlichen Raum kaufen – zum Beispiel Werke der Kulturpreisträger. Zudem befürworten die Grünen, dass im Landratsamt eine (Teilzeit-)Stelle eingerichtet wird. Dieser Mitarbeiter soll sich um Kulturförderung kümmern und ein Ansprechpartner fürs Thema Kultur sein.

Beträge haben die Grünen in ihrem Konzept zunächst bewusst offen gelassen. Schwendner führte aber als Anhaltspunkt ins Feld, dass der Landkreis derzeit für die Sportförderung jährlich 70 000 Euro ausgibt. Auf Rückfrage im Ausschuss erläuterte Kreiskämmerer Ralf Zimmermann, wo im Kreishaushalt bisher Ausgaben im Bereich Kultur enthalten sind: nämlich ausschließlich unter den Posten „Volkshochschulen und Kreisbildungswerk“ (35 000 Euro) sowie bei der Förderung von „Heimatpflege, Trachtenvereinen, Gebirgsschützen“ und ähnlichem (1430 Euro).

Ebenfalls ein Punkt auf der Grünen-Liste: Das Foyer des Landratsamts soll jedes Jahr für ein bis zwei Ausstellungen einheimischer Künstler zur Verfügung stehen. Das kann sich Landrat Josef Niedermaier eher im Kunstturm vorstellen. „Das Foyer soll als Zugangsbereich des Landratsamts neutral bleiben, und wir müssen es zudem für kurzfristige andere Ausstellungen freihalten, die zum Beispiel aus den Ministerien kommen.“ Im Kunstturm habe man „mehr Freiheit und Flexibilität“.

Eine Internetseite über Veranstaltungsorte und Kulturschaffende im Landkreis, wie sie den Grünen vorschwebt, ist bekanntlich seit geraumer Zeit in Arbeit. Schwendner trug außerdem vor, dass zur zweijährlichen Verleihung des Kunstpreises ein „Künstlerfest“ stattfinden könnte, „zu dem möglichst umfassend die Kunst- und Kulturschaffenden des Kreises geladen werden“. Des Weiteren solle der Bauausschuss bei jedem öffentlichen Neubau an „Kunst am Bau“ denken – soweit diese vom Bund gefördert werde. Auch mit Werbeflächen für Kulturveranstaltungen könne der Landkreis den Künstlern weiterhelfen. Schlechte Aussichten sah der Landrat dagegen für das Ansinnen, Kulturveranstaltungen von Genehmigungsgebühren zu befreien. Dies sei rechtlich nicht möglich, so Niedermaier. „Zum einen darf die öffentliche Hand nicht einfach auf ihre Finanzierungsmöglichkeiten verzichten. Zum anderen: Wenn wir einen Antragsteller von Gebühren befreien und den nächsten nicht, verstößt das gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz.“

Grundsätzlich stieß Schwendner mit ihrem Papier im Ausschuss auf Wohlwollen. Hubert Oberhauser (Freie Wähler) stellte aber klar: „70 000 Euro sind mir definitiv zu viel.“ Für seinen Fraktionskollegen Konrad Specker ist es „nicht darstellbar, dass wir Künstlern Werke abkaufen. Das ist keine Förderung, sondern geht ins Privatwirtschaftliche.“ Niedermaier entgegnete, dass der Staat immer wieder Kunstwerke gekauft und damit die Entstehung von Kunst ermöglicht habe. Die Diskussionsgrundlage, die Schwendner vorgelegt hat, soll in der nächsten Sitzung weiterbesprochen werden.

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