Ein Fuhrmann mit seinen Pferden bei der Leonhardifahrt in Bad Tölz.
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Der Tölzer Stadtrat musste entscheiden: Soll die Wallfahrt auf einen anderen Wochentag verlegt werden, wenn der Termin auf einen Samstag fällt?

Nach langer Diskussion

Grundsatzentscheidung im Stadtrat: 2021 keine Leonhardifahrt am Samstag

Im Jahr 2021 würde die Tölzer Leonhardifahrt auf einen Samstag fallen. Nach dem Willen des Stadtrats wird sie nun auf Feitag vorverlegt.

  • 2021 würde der Gedenktag des heiligen Leonhard auf einen Samstag fallen.
  • Der Stadtrat hat Bedenken, wenn die Wallfahrt am Wochenende stattfindet. Als dies das letzte Mal der Fall war, war die Marktstraße völlig überfüllt und es kam zu Alkoholexzessen.
  • Ein Argument gegen Lehards am Samstag: Die Bereitschaftspolizei muss samstags Fußballspiele sichern und könnte nicht in die Kurstadt kommen.

Bad Tölz – An welchen Wochentagen findet künftig die Tölzer Leonhardifahrt statt? Eine Antwort ist nicht so einfach, wie man glauben könnte, und es gibt viele bedenkenswerte Punkte. Das zeigte eine angeregte und lange Diskussion im Stadtrat. Letztlich gaben Sicherheitsbedenken den Ausschlag: Samstag und Sonntag wird keine Wallfahrt durchgeführt.

Heuer fällt die Wallfahrt der Corona-Pandemie zum Opfer. Das war aber nicht der Grund, warum sich der Stadtrat schon jetzt mit der Fahrt 2021 befasste. Die Wallfahrtsorganisation benötigt einen großen Vorlauf, berichtete die stellvertretende Kurdirektorin Susanne Frey-Allgaier auf Anfrage von Julia Dostthaler (CSU). Und: 2021 wäre wieder einmal ein Jahr, in dem Leonhardi auf einen Samstag fällt. Das war – weil 2016 ein Schaltjahr dazwischenlag – letztmals vor zehn Jahren der Fall, als bei schönem Wetter wahre Zuschauermassen nach Tölz drängten. „Stark imageschädigende Begleiterscheinungen“ beschrieb Frey-Allgaier die Folgen, nämlich Alkoholexzesse und Spektakel in manchen Lokalen.

Sonntags wird von jeher nicht gefahren

Die Stadt reagierte auf die vehemente Kritik. Die Wallfahrt 2011 wurde von Sonntag auf Montag (statt auf Samstag) verlegt. Und: Die Stadt verpachtet seit 2010 keine eigenen Freischankflächen mehr. Im Stadtrat ging es nun darum, wie man künftig verfährt, wenn der Gedenktag des hl. Leonhard (6. November) auf einen Samstag fällt. Am Sonntag wird von jeher in Tölz nicht gefahren.

Susanne Frey-Allgaier machte deutlich, dass es durchaus auch Argumente für den Wallfahrtstag Samstag gibt. Touristisch werde ein Wochenende natürlich besser angenommen. An Werktagen werde zudem ein bestimmter Personenkreis (Pendler und Studenten) von der Teilnahme ausgeschlossen. Übrigens auch Schulkinder aus dem Umland, ergänzte Richard Hoch (Grüne).

Sicherheitsaspekt überwiegt

Doch der Sicherheitsaspekt überwiegt. Frey-Allgaier berichtete, dass sich die Sicherheitskräfte klar gegen den Samstag positioniert hätten. Die Polizei könne solche Veranstaltungen samstags personell nicht stemmen. Und das Landratsamt habe wissen lassen, dass, wenn die Polizei nicht mitziehe, keine Genehmigung erteilt werden könne. Man könne ein Sicherheitskonzept notfalls aber auch mit privaten Diensten organisieren, ergänzte die Vertreterin der Tourist-Info.

Mehrere Redner bedauerten, dass der Samstag als Wallfahrtstag wegfallen würde. „Wir verlegen ja auch kein Wochenende auf Montag“, zog Johannes Gundermann Vergleiche mit der Naherholerproblematik. Willi Streicher hielt klare Strukturen für wichtig. „Leonhardi ist nun mal am 6. November.“ Karsten Bauer (CSU) argumentierte, dass die Marktstraße „immer gerammelt voll ist“, ob nun 10 000 oder 20 000 Besucher kommen.

Richard Hoch (Grüne) ärgerte sich, dass die Polizei nicht genügend Personal hat. „Bei jedem Fußballspiel in München laufen Tausende herum.“ Genau das sei ja der Grund, so erklärte Susanne Frey-Allgaier, warum man am Samstag keine bekomme. „Die sind alle im Fußballstadion.“

Energisch bezog Christof Botzenhart (CSU) gegen den Samstag Stellung. Als Katholik, so spottete er, sei er ja begeistert über die Traditionstreue, die sich bei den Kollegen zeige. Doch habe er nicht feststellen können, dass im Loisachtal eine höhere Rössersterblichkeit herrsche, nur weil in Benediktbeuern nicht am 6. November, sondern immer sonntags gefahren werde. Und im Ernst: „Wir können uns keine Sentimentalitäten leisten.“ Es gehe um Sicherheitsfragen, und „wir sind verantwortlich. Der Samstag ist deshalb indiskutabel“.

Grundsätzlich wurde Michael Lindmair (FWG): „Eigentlich brauchen wir nur Teilnehmer, keine Zuschauer.“ Die Wallfahrt sei wichtig, das Datum sei nur der Anlass. Fraktionskollegin Andrea Niedermaier wies darauf hin, dass „dienstags, mittwochs und donnerstags die ruhigsten Leonhardi-Tage sind“.

Fuhrmann spricht sich klar gegen eine Wallfahrt am Samstag aus

Im Stadtrat sitzt mit Anton Mayer (CSU) auch ein aktiver Fuhrmann. Er sprach sich klar gegen den Samstag als Wallfahrtstag aus, da „der Massenandrang zu groß ist“. Die ebenfalls geäußerte Ansicht, dass auch der Freitag ein Problem darstelle, teilte der Ellbacher Landwirt nicht. „Das ist zu bewältigen.“

Moritz Saumweber (Grüne) merkte an, dass er die Diskussion für verfrüht erachte. „Das Thema Corona werden wir auch nächstes Jahr noch haben.“

Mit 16:8 Stimmen wurde schließlich entschieden, dass der Samstag nicht als Wallfahrtstag in Frage kommt. Die Fahrt auf den Montag zu verschieben fand keine Mehrheit. Mit 15:9 sprachen sich die Räte dafür aus, dass ein Samstag-Termin auf Freitag vorverlegt wird.

Dafür stimmten Mehner, Brandl, Anton Mayer, Botzenhart, Mühlberger (alle CSU), Pfund, Bigos, Saumweber, Weixner (alle Grüne), Fottner, Niedermaier, Lindmair, von der Wippel (alle FWG) sowie Streicher und Cetin (beide SPD). Fällt Leonhardi auf einen Sonntag, dann wird wie bisher auf den Montag verlegt.

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